Gestern Mittag lief die Frist für die Einreichung von Wahlvorschlägen für die Nationalratswahlen vom 20. Oktober ab. Es wurden 36 Listen mit insgesamt 187 Kandidatinnen und 309 Kandidaten eingereicht. Dies teilte die Staatskanzlei mit. Zum Vergleich: 2015 waren es noch 105 Kandidatinnen und 183 Kandidaten. Dass so viel kandidieren wie nie zuvor, überrascht aufgrund der acht Unterlisten allein der CVP nicht.

Der Frauenanteil ist zwar mit 37,7 Prozent nur unwesentlich höher als 2015 (36,5 Prozent). Doch absolut kandidieren 85 Frauen mehr als bei den letzten Nationalratswahlen. Bei den jüngsten Kandidierenden ist der Frauenanteil am höchsten. Bei den 18- bis 20-Jährigen, also vorab auf den Listen der Jungparteien, sind die Frauen mit 52 Prozent sogar in der Mehrheit. Je älter die Kandidierenden, desto kleiner der Frauenanteil. Mit einem Anteil von 75 Prozent dominieren bei den über 61-Jährigen die Männer und zwar über alle eingereichten Listen hinweg.

Frauenanteil: SP vorn, gefolgt von der CVP

Die grossen Mutterparteien haben sichtlich auf einen hohen Frauenanteil geachtet – unbesehen davon, ob sie gesetzliche Frauenquoten befürworten oder nicht. Am ausgeprägtesten ist der Frauenanteil auf der Liste SP/Gewerkschaften mit 63 Prozent, gefolgt von der CVP-Hauptliste mit 56 Prozent. Exakt je hälftig Frauen und Männer treten bei FDP, Grünen, BDP und Team 65+ an. Kleiner ist der Frauenanteil bei GLP (44 Prozent), EDU (38 Prozent), SVP (31 Prozent), und bei der EVP (25 Prozent). Gar keine Frauen kandidieren auf den Listen der Freien Wähler Aargau (es sind zwei Männer drauf) und auf der Liste Luzi Stamm (acht Männer).

Bemerkenswert ist, dass die GLP eine eigene Liste mit grünliberalen Unternehmern vorlegt. Dort sind die Frauen allerdings – wie in der realen Geschäftswelt auch immer noch – klar in der Minderheit. Eine Frau kandidiert dort nebst 13 Männern.

Noch ein klarer Trend: Seniorenlisten

Nebst zahlreichen Listen von Jungparteien verstärkt sich auch der Trend zu Seniorenlisten. Am bekanntesten ist derzeit das Team65+ um Nationalrat Maximilian Reimann. Wie die Tabelle zeigt, führen auch SP, BDP und die EVP je eine solche, wobei das Durchschnittsalter nicht überall gleich hoch ist. Bei der BDP-Liste «Die Dritte» ist das Durchschnittsalter beispielsweise 49 Jahre, der älteste Kandidat ist 69. Auf der EVPplus-Liste kandidiert unter anderen der frühere Nationalrat Heiner Studer. Seine Tochter ist Spitzenkandidatin auf der EVP-Hauptliste.

Im Vergleich zu den Nationalratswahlen 2015 beobachtet die Staatskanzlei eine Zunahme von 23 Wahlvorschlägen mit insgesamt 288 Kandidaturen auf 36 Wahlvorschläge mit insgesamt 496 Kandidaturen. Hauptverursacherin für die massive Zunahme ist die CVP, die mit acht Unterlisten antritt, darunter mit einer Bauernliste (darauf ist unter anderen der Bauernverbandsdirektor Ralf Bucher), und gleich fünf Regionenlisten. Die CVP hofft, auf diese Weise so viele Stimmen zu holen, dass sie aus eigener Kraft einen zweiten Nationalratssitz zurückerobern kann.

Nico Zobrist der Jüngste, Maximilian Reimann der Älteste

Der jüngste Kandidat ist Nico Zobrist (Juso). Er erreicht laut Staatskanzlei sein 18. Altersjahr erst wenige Wochen vor dem Wahlsonntag. Der älteste Kandidat ist Maximilian Reimann vom Team65+ mit 77 Jahren.

Die Nummerierung der Listen erfolgt immer nach demselben System. Die wählerstärkste Partei der letzten Nationalratswahlen bekommt die Listennummer 1 (das ist im Aargau die SVP), gefolgt von den nächststärksten Parteien. Reicht eine Gruppierung mehrere Listen ein, die nach Region, Alter, Geschlecht oder Flügel der Gruppierung aufgeteilt sind, erhalten diese Listen die gleiche Nummer. Zusätzlich werden sie mit einem kleinen Buchstaben gekennzeichnet. Die Stammliste erhält dabei den Buchstaben «a». Am Beispiel der CVP trägt also die Hauptliste die Nummer 4a, die Regionenliste für Aarau und Zofingen die Nummer 4e (vgl. Tabelle).

Neue Gruppierungen: Landammann zieht Los

Erstmals eingereichte Listen bekommen die noch nicht belegten Nummern. Über ihre Zuteilung entscheidet das Los. Elf Parteien und Gruppierungen haben wie schon vor vier Jahren wiederum einen Wahlvorschlag eingereicht. Damit belegen sie die Listennummern von 01 bis 11. Vier Parteien und Gruppierungen treten 2019 erstmals an. Nach der Losziehung durch Landammann Urs Hofmann haben die «Freien Wähler Aargau» die Listennummer 12, die Liste «Luzi Stamm» die 13, das «Team65+» die 14 und schliesslich «DU – Die Unabhängigen» die 15.

Ecopop und SLB sind nicht mehr dabei

Andere Kleingruppierungen treten nicht mehr an, so etwa die SLB (Sozial-Liberale Bewegung) oder die Ecopop. Die SLB war vom früheren EDU-Grossrat Samuel Schmid gegründet worden. Für Ecopop war vor vier Jahren Andreas Thommen als Spitzenkandidat angetreten, früherer Co-Präsident der Aargauer Grünen.

Jeder Wahlvorschlag muss übrigens grundsätzlich von 200 Stimmberechtigten mit politischem Wohnsitz im Aargau unterzeichnet sein. 2019 sind die politischen Parteien erstmals davon befreit, wenn sie im Parteienregister der Bundeskanzlei eingetragen sind und wenn sie in der jetzigen Legislatur für den Aargau im Nationalrat vertreten sind oder bei den Wahlen 2015 im Aargau mindestens drei Prozent der Stimmen auf sich vereinigt haben.