Asyl
So viel Geld gibt der Aargau für die Gesundheit von Flüchtlingen aus

Das Departement von Regierungsrätin Franziska Roth hat Fragen zur Gesundheit von Flüchtlingen und zu den Kosten für den Kanton Aargau beantwortet. Demnach schleppen Flüchtlinge nicht bedeutend mehr Krankheiten ein als andere Reisende.

Noemi Lea Landolt
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Flüchtlinge schleppen laut Gesundheitsdepartement nicht mehr Krankheiten ein als Personen, die internationale Reisen unternehmen (Symbolbild).

Flüchtlinge schleppen laut Gesundheitsdepartement nicht mehr Krankheiten ein als Personen, die internationale Reisen unternehmen (Symbolbild).

CVP-Politiker wollten von der Regierung wissen, weshalb und wie oft Flüchtlinge zum Arzt gehen, was deren medizinische Versorgung koste und ob die Bevölkerung ausreichend gegen ansteckende Krankheiten geschützt sei. Anlass für die Interpellation war ein Artikel in der «Schweiz am Wochenende» vom 6. Mai. Darin sagte Andreas Widmer, Infektiologe am Universitätsspital Basel, der Aufwand bei Flüchtlingen sei je nach Krankheit bis zu zweimal so hoch wie bei anderen Patienten. Zudem würden Flüchtlinge Krankheiten wie Tuberkulose einschleppen, die den Ärzten umtriebige Behandlungen bescheren.

Unterdessen hat das Gesundheitsdepartement von SVP-Regierungsrätin Franziska Roth die Fragen beantwortet. Flüchtlinge würden nicht signifikant mehr Krankheiten einschleppen als übrige Personen, die internationale Reisen unternehmen. Auch stellten Personen aus dem Asyl- und Migrationsbereich «keine wesentliche Zusatzbedrohung der Gesundheit der Schweizer Bevölkerung dar».

Bauchweh und Traumata

19'626-mal gingen die rund 4000 Flüchtlinge (Ausweis N und F) letztes Jahr zu einem Arzt oder ins Spital. Insgesamt kostete ihre Gesundheit den Kanton 11,7 Millionen Franken. Die Kosten sind seit 2014 stetig gestiegen. Die Regierung führt dies auf die gestiegene Anzahl Personen, die ein Asylgesuch stellten, zurück.

Zu den Gesundheitskosten kommen die Kosten für Dolmetscher hinzu. Diese müssen die Spitäler selber bezahlen. Im Kantonsspital Aarau (KSA) beliefen sich die Kosten für Dolmetschleistungen für Asylsuchende im letzten Jahr auf knapp 17'000 Franken. Das entspricht nicht ganz 5 Prozent der angefallenen Kosten für Dolmetscher am KSA von 350 000 Franken.

Wenn Flüchtlinge zum Arzt oder ins Spital gehen, plagen sie selten andere Beschwerden als die übrigen Patienten. Häufige Symptome seien Erkältung und Husten, Blasen- und Harnwegsentzündungen sowie Unterbauchschmerzen, schreibt die Regierung. Bei jüngeren Männern würden – ähnlich wie bei den Gleichaltrigen der übrigen Bevölkerung – Verstauchungen, Knochenbrüche und Alkoholvergiftungen behandelt. Vereinzelt fänden sich Krankheiten wie Tuberkulose, die bei der ortsansässigen Bevölkerung weniger häufig vorkommen. Auch Windpocken, Tropenkrankheiten oder Parasitenbefall würden je nach Herkunftsland diagnostiziert.

Den Flüchtlingen machen aber nicht nur körperliche Schmerzen zu schaffen: Personen aus Kriegs- und Terrorländern seien zudem traumatisiert und würden teilweise an akuten Psychosen leiden.

Kein Kompetenzzentrum

Den CVP-Politikern schwebte vor, die medizinische Versorgung der Flüchtlinge an einem Ort zu zentralisieren, um teure Zusatzabklärungen zu minimieren. Die Regierung spricht sich dagegen aus. Um ein solches Kompetenzzentrum zu realisieren, seien Investitionen nötig. Das sei in Anbetracht der finanziellen Situation nicht möglich. Ausserdem koste es zusätzlich, wenn Asylsuchende von ihrem Wohnort durch den ganzen Kanton zum Kompetenzzentrum fahren müssten.

Um teure Mehrfachabklärungen zu vermeiden, erhalte seit Juni jede Person aus dem Asylbereich ein Gesundheitsheft, in dem Ärzte Vorerkrankungen, verschriebene Medikamente oder durchgeführte Untersuchungen notieren können.

In einer früheren Version dieses Artikels stand fälschlicherweise, dass in den Gesamtkosten von 11,7 Millionen Franken letztes Jahr auch die Krankenkassenprämien enthalten sind. Diese Kosten kommen noch dazu. Den Artikel zur Krankenversicherung von Flüchtlingen im Kanton Aargau finden Sie hier.