Primarlehrerin-Debatte

So unterschiedlich sind Löhne und Frauenquote bei Lehrerberufen

Von 98.8 % bis 33,3 %. So unterschiedlich ist die Frauenquote bei Lehrerberufen

Von 98.8 % bis 33,3 %. So unterschiedlich ist die Frauenquote bei Lehrerberufen

Primarlehrerin ist ein Frauenberuf, befand das Bundesgericht am Dienstag und machte den Weg frei für höhere Lehrerlöhne. Wie sich die Frauenquote und Löhne innerhalb der Lehrerberuf unterscheiden, zeigen die interaktiven Grafiken.

Viele Lehrerlöhne sind eingemittet gleich. Umso krasser ist dafür der Unterschied bei der Frauenquote: er geht von 33,3 Prozent bis 98,8 Prozent.

Frauenanteil in Lehrerberufen Aargau

Lehrerlöhne Aargau


Verdienen Lehrer zu wenig? Die Antwort auf diese Frage fällt beim Aargauischen Lehrerinnen- und Lehrerverband (alv) wenig überraschend positiv aus. Seiner Ansicht nach bezahlt der Kanton den Lehrpersonen deutlich tiefere Löhne als seinem Verwaltungspersonal in gleich hoch bewerteten Tätigkeiten.

Der Bundesgericht-Entscheid vom Dienstag, den Primarlehrerberuf als Frauenberuf zu bezeichnen, gibt dem alv nun ein mächtiges Instrument in die Hand: Weil Frauen und Männer gemäss Bundesverfassung das Anrecht auf gleichen Lohn für gleich bewertete Arbeit haben, muss das kantonale Verwaltungsgericht prüfen, ob die lohnmässige Einstufung der Primarschullehrpersonen diskriminierend ist.

«Die Beweislast wird dank des Bundesgerichtsurteils umgekehrt», erklärt alv-Geschäftsführer Manfred Dubach. «Sie liegt nun beim Kanton, während wir lediglich glaubhaft machen müssen, dass wir im Recht sind.»

Die Detailarbeit wartet also vor allem auf den Kanton. Trotzdem die Frage an den alv: Mit wem vergleichen sich die Lehrer eigentlich, wenn sie von «gleich hoch bewerteten Tätigkeiten» in der Verwaltung sprechen?

«Wir vergleichen uns nicht direkt mit anderen Verwaltungsangestellten», sagt Dubach. Dies ist auch nicht nötig, denn der alv hat mit Abakaba ein gutes Instrument in der Hand.

Abakaba ist ein von der gleichnamigen Firma in den 90er-Jahren entwickeltes Bewertungssystem von Arbeitstätigkeiten, mit dem unterschiedliche Berufe und Funktionen verglichen werden können.

«System ohne Logik»

Auch der Kanton Aargau ist Abakaba-Kunde. Und Dubach weiss: «Würden die Lehrer wie die anderen Verwaltungsangestellten nach diesem System entlöhnt, würde die Lohnsumme grob geschätzt um 50 bis 70 Millionen Franken steigen.»

Heute setzt sich die Lohnberechnung für Aargauer Lehrpersonen aus drei Teilen zusammen: Aus dem Ist-Lohn, dem Markt-Lohn, und nur zu 12,5 Prozent aus der Abakaba-Bewertung. Dubach sass, als das Lohnsystem für die Lehrkräfte im Jahr 2005 eingeführt wurde, in der zuständigen Grossrats-Kommission. «Eine Logik steckt dahinter keine», sagt er. «Es wurde eingeführt, weil man zu wenig Geld hatte.»

Kindergärtnerinnen: Nur 1,2 Prozent Männer

Zu wenig Geld: Dieses Problem hat der Kanton bekanntlich auch heute noch. Ob es jetzt zum Systemwechsel kommt, kann Dubach denn auch nicht sagen. Bei den Kindergärtnern – mit einem Frauenanteil von 98,8 Prozent zweifelsfrei ein Frauenberuf – entschied sich die Regierung letztes Jahr aufgrund einer Diskriminierungsklage für eine Stufenweise Lohnerhöhung auf das Primarlehrer-Niveau.

«Sie wollte kein neues Lohnsystem aufbauen», sagt Dubach. «Und wir waren fürs Erste mit dieser Lösung einverstanden.» Nun, ist er überzeugt, müsse man aber zwingend das ganze System neu anschauen.

Das ganze System: Das beinhaltet auch die Mittelschule, wo die männlichen Lehrkräfte mit 53,1 Prozent in der Mehrheit sind – obwohl die Frauenquote seit dem Jahr 2000 auch hier um 13 Prozentpunkte zugelegt hat.

Die Differenz zwischen dem jetzigen und einem ausschliesslich auf die Abakaba-Bewertung abstützenden Lohn wäre bei den Mittelschullehrern laut Dubach allerdings kleiner als bei den Primarschullehrern: «Gymnasiallehrer sind bereits heute praktisch gleich eingestuft wie die Verwaltung».

Je weiter nach «unten» man im Schulsystem geht, desto grösser wird die Differenz. Ob es Zufall ist, dass die Frauenquote in die gleiche Richtung ansteigt, ist eine andere Frage.

Meistgesehen

Artboard 1