Artenvielfalt

So überwacht der Aargau, wie Lebensraum schrumpft

Schmetterlinge werden als eine der Stellvertreter für alle Tiere gezählt.

Schmetterlinge werden als eine der Stellvertreter für alle Tiere gezählt.

Wie wirken sich die immer stärker bebauten Siedlungsgebiete auf die Natur aus? Nützen Naturschutzprojekte? Welche Tier- oder Pflanzenarten sind bedroht? Seit 1995 misst der Kanton die Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren und geht diesen Fragen nach.

Die Natur umgibt uns überall. Die verschiedenen Tier- und Pflanzenarten prägen unseren Lebensraum massgeblich. Dicht bebaute Siedlungsgebiete dehnen sich im Aargau immer weiter aus. Dies geht nicht spurlos an der Natur vorbei. Lebensraum für Tiere und Pflanzen schrumpft oder verschwindet. Um dem entgegen zu wirken, braucht es ein Monitoring des Tier- und Pflanzenreiches.

Der Aargau als Pionier

Seit 1995 überwacht der Aargau – damals als erster Kanton der Schweiz – systematisch die Vielfalt der Tiere und Pflanzen ausserhalb der Naturschutzgebiete. Stellvertretend für Flora und Fauna werden dabei die Bestände von Brutvögeln, Pflanzen, Schnecken und Schmetterlingen gemessen. Dies geschieht in den Bereichen Wald, Landwirtschaft und in Siedlungsgebieten. 

Über den gesamten Kanton erstreckt sich ein Beobachtungsnetz von 517 Messpunkten. Jährlich wird rund ein Fünftel, also 100 Messpunkte, untersucht. Eine Gesamterhebung im Kanton dauert demnach fünf Jahre. 

Die vier genannten Artengruppen (Vögel, Schnecken, Schmetterlinge und Pflanzen) werden in regelmässigen Zeitabständen auf den bestimmten Flächen gezählt. Aus diesen Daten wird dann jährlich ein Index berechnet. Der sogenannte Kessler-Index wurde nach dem Aargauer Naturschutzpionier Erich Kessler benannt und dient als Indikator für die Qualität des Lebensraumes Aargau. 

Der Index-Wert 100 entspricht dabei der durchschnittlichen Artenvielfalt in allen Lebensräumen des ganzen Kantons, ermittelt in den Jahren 1996 und 1997. Er dient als Basis-Wert, mit dem sich die Entwicklung in den nächsten Jahren vergleichen lässt. Tiefere Zahlen stehen dabei für eine geringere, höhere Zahlen für eine grössere Artenvielfalt, erklärt die kantonale Abteilung Landschaft und Gewässer in einer ihrer Publikationen.

Der Sonne entgegen

Nach zehn Jahren liegen heute für alle Messpunkte zwei Erhebungen vor. Daraus kann geschlossen werden, dass die Artenvielfalt im Aargau seit Beginn der Langzeitbeobachtung zugenommen hat. Dies insbesondere in Waldgebieten.

Zu verdanken ist dies unterem anderem einem sonst eher weniger erfreulichen Naturereignis. 1999 fegte der Sturm «Lothar» über den Aargau und hinterliess in den Wäldern teilweise grosse kahle Stellen im ansonsten dichten Baum- und Blattwerk. Die Standortbedingungen veränderten sich stark und die Lebensbedingungen von Pflanzen und Tieren – für die die Sonne nun öfters schien – verbesserten sich.

Auch Förderprogramme und veränderte Nutzung von Landwirtschaftszonen brachten erfreuliche Ergebnisse und kamen der Artenvieltfalt zugute. Rückläufig sieht die Entwicklung in den Siedlungsgebieten aus. 

Zukunftsmusik

Drei Faktoren werden die weitere Entwicklung der Artenvielfalt im Aargau massgeblich mitbestimmen. Stürme und Trockenzeiten aufgrund der Klimaerwärmung zukünftig vermehrt auftreten. Diese beeinflussen die Standortbestimmungen für Flora und Fauna.

Globalisierung findet auch im Pflanzen- und Tierreich statt. Immer häufiger lassen sich neue Arten dauerhaft in unseren Gefilden nieder. Die Neuzuzügler beeinflussen bestehende Arten und können sie schlimmstenfalls verdrängen.

Politik und der Wirtschaft beeinflussen mit ihren Entscheidungen die Natur. Aber auch der Einzelne kann mit seinem Tun die Artenvielfalt begünstigen. Indem man beispielsweise einen Naturgarten anlegt, in dem sich heimische Pflanzen und Tiere ausbreiten können, kann man einen kleinen Beitrag dazu leisten, dass die Natur in Zukunft so vielfältig und spannend bleibt, wie sie heute ist. (szu)

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