Corona-Virus
So trifft die Sperrzone Norditalien die Aargauer Transport-Unternehmen

Am meisten zu spüren bekamen die Corona-Krise bis jetzt die Gastro-Betriebe. Viele mussten auf Kurzarbeit umstellen. Nun spüren auch die Aargauer Transportunternehmen die Auswirkungen.

Sébastian Lavoyer
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Laden geschlossen: Italien riegelt sich ab.
27 Bilder
Touristen mit Maske im Kolosseum von Rom.
Wie leergefegt: eine einsame chinesische Touristin mit Atemschutzmaske in der sonst proppenvollen Galleria Vittorio Emanuele in Mailand.
Der Platz vor dem Dom in Mailand.
Ein Mädchen mit Maske vor dem Trevi-Brunnen.
Ein fast leerer Markusplatz am 2.März.
Leere Regale in einem Supermarkt in Mailand.
Rettungssanitäter in Schutzkleidung holen ein Corona-Opfer aus einem Hotel in Ligurien.
Ein Mann mit Schutzmaske begutachtes das Bildnis Madonna mit Kind in Rom.
Per 8. März wird die Ausstellung mit Werken des Malers Raffaello geschlossen.
Sicherheitsabstand bei der Präsentation des neuen FIAT 500 in Mailand.
Ministerpräsident Giuseppe Conte während einer Pressekonferenz am 5. März.
Das Angelusgebet von Papst Franziskus wird auf einer Leinwand übertragen.
Maskenträger im Hauptbahnhof von Mailand.
Leere Reihen auf dem Petersplatz im Vatikan. Das Gebet von Papst Franziskus wurde per Video live übertragen.
In den Turiner Bistros war auch schon mehr los.
«Alles geschlossen» – ein unmissverständlicher Hinweis in Rom.
Fussball im leeren Stadion. Die AC Milan verliert am Sonntag zuhause gegen Genua – Fans sind keine zugelassen.
Das gleiche Bild zeigt sich beim Geisterspiel zwischen UC Sampdoria und Hellas Verona.
Verwaist: Der Mailänder Hauptbahnhof.
Warte, warten und nochmals warten an einer Zugstation in Rom.
Experten desinfizieren eine Gebäude in der Region Lazio.
Die meisten Läden bleiben geschlossen. Hier zwei Kunden mit Hund in einem Einkaufszentrum in Padua.
Das Corona-Virus in Italien
Deutlich weniger Passagiere als auch schon am Fiumicino Flughafen in der Nähe von Rom.
Warteschlange vor einem Supermarkt in San Donato Milanese. Die Quote bestimmt, wie viele Personen sich gleichzeitig in einem Geschäft aufhalten dürfen.
Schönes Wetter, nicht allzu viele Leute im Sempione Park in Mailand.

Laden geschlossen: Italien riegelt sich ab.

Roberto Monaldo/LaPresse/AP

Als die italienische Regierung am Sonntagnachmittag verkündete, dass man Norditalien weitestgehend absperre, ging bei Benjamin Giezendanner der Puls hoch. Knapp 200 Mitarbeitende beschäftigt sein Transportunternehmen in Rothrist; darunter zahlreiche Italiener aus Varese und Como in Norditalien. «Wir dachten im ersten Augenblick, dass sie nicht über die Grenze fahren können», sagt Geschäftsleiter und SVP-Nationalrat Benjamin Giezendanner. Er musste davon ausgehen, dass sie nicht arbeiten können.

Doch vorläufig ist dem nicht so. Die Lombardei und die weiteren zum Sperrgebiet erklärten Zonen bleiben durchlässig. «Der Güterverkehr und der Pendlerverkehr sind ja ausgenommen», sagt Jan Arnet. Er ist Geschäftsführer der Bertschi AG mit Sitz in Dürrenäsch. Die Gruppe beschäftigt weltweit 3100 Mitarbeitende, 700 davon in der Schweiz. Momentan rollt also der Verkehr. Aber: «Es kann sich jederzeit ändern», so Arnet. Wie lange die Grenze noch offen ist, weiss niemand.

Ich gehe davon aus, dass wir Corona in den nächsten Wochen deutlich zu spüren bekommen.

(Quelle: Jan Arnet, Geschäftsführer der Bertschi AG)

In Busto-Arsizio, 15 Kilometer nordöstlich von Mailand, hat das Transportunternehmen eine seiner Niederlassungen. Schon vor zwei Wochen habe man den Fahrern dort Schutzmasken verteilt. Wenige Tage nach Bekanntwerden der ersten Fälle in Italien. «Leute, die aus betroffenen Gebieten in Asien zurückkamen, schickten wir vorsichtshalber in Quarantäne», sagt Arnet. Weil man die Ausbreitung so verhindern kann. Deshalb kritisiert er den Kanton: «Es hilft nicht, wenn man jetzt die Quarantänepflicht aufhebt.»

Auch der Schienentransport zunehmend von Corona betroffen

Bertschi-Geschäftsführer Arnet will vorbereitet sein. Deswegen habe man angefangen, die Güter auf verschiedene Terminals zu verteilen. «Der Vorteil am kombinierten Transport ist, dass bei uns die Güter mannlos unterwegs sind», sagt er. Die Container werden vom Schiff auf die Bahn verladen, soweit wie möglich mit dem Zug transportiert und erst für die Feinverteilung auf Lastwagen umgeladen. Arnet: «Das funktioniert sehr gut.»

Auch Giezendanner setzt auf kombinierten Verkehr. «Wir merken erste Auswirkungen auf den Zugverbindungen von Norden in den Süden, von Rotterdam oder aus dem Ruhrgebiet nach Mailand. Es hat zu wenig Lokführer, die in das Krisengebiet fahren wollen», sagt Giezendanner. Man fahre zwar selbst viel nach Italien, aber wenn man zusätzliche Kapazität in Deutschland einkaufen wolle, spüre man dort die Angst der Chauffeure.

Grund dafür gibt es eigentlich nicht. Solange der Chauffeur in seiner Kabine sitzt und nicht direkt mit jemandem in Kontakt kommt, ist er isoliert, also sicher. Bertschi hat deswegen die Schalter bei den Terminals wo nötig mit Plastikschutzwänden aufgerüstet. «Damit es zu keiner Tröpfchenübertragung kommen kann», sagt Arnet. Zudem helfe es, dass man seit etwa einem Jahr eine eigens entwickelte App habe. Auftragserteilung, Lade- und Entlade bestätigung, Frachtbrief-Scanning – alles ist jetzt digitalisiert und ohne Kontakt.

Auch Galliker mit Sitz in Altishofen LU hat grosse Niederlassungen in Italien. Verwaltungsratspräsident Rolf Galliker sagt zur AZ: «Wir schauen, dass die italienischen Chauffeure nicht mehr gross in die Schweiz kommen.» Wann immer möglich werden die Auflieger in der Filiale im Tessin ausgetauscht. Um das Risiko zu minimieren, bleiben die Chauffeure in der Kabine. Sie haben zudem eine eigene Toilette und eine eigene Kantine, damit sie nicht mit Maske herumlaufen müssen.

Einen Corona-Fall hat noch keines der drei Unternehmen zu beklagen – und bis jetzt auch nicht grosse Auftragsrückgänge. Allzu optimistisch blickt aber keiner in die Zukunft. Arnet: «Ich gehe davon aus, dass wir Corona in den nächsten Wochen deutlich zu spüren bekommen.» Härter getroffen hat es im Aargau indes schon kleinere Transportunternehmen. Nur die Event- und Gastrobranche hat es noch härter getroffen. Drei mittlere Betriebe mit 40 bis 50 Mitarbeitern haben auf Kurzarbeit umgestellt, wie Stephan Nauer vom Amt für Wirtschaft und Arbeit sagt. Sie seien aufs Container-Geschäft spezialisiert, wohl stark von China abhängig. «Die beklagen massive Einbrüche.» Sie dürften nicht die Letzten sein.