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So tief verlief 1850 der Graben zwischen reformierten und katholischen Gemeinden – und so sieht es heute aus

Dass alle Einwohner einer Gemeinde dieselbe Religion haben, ist heute im Aargau kaum mehr vorstellbar. 1850 war das aber gar nicht so unüblich. Trotzdem: Die Grenzen sind geblieben.

Auf der Religions-Karte von 1850 zeigt sich ein klares Bild: Das Freiamt, ganz besonders das Oberfreiamt, als auch die Bezirke Rheinfelden und Laufenburg sind hoch katholisch. So findet sich etwa im südlichen Zipfel unterhalb von Geltwil kein einziger Reformierter mehr.

Auch wenn man den reformierten Teil des Kantons betrachtet, so waren die Mehrheitsverhältnisse nicht minder deutlich. In den meisten war der Anteil der Reformierten bei über 90 Prozent: 

Auffällig: Der blaue Fleck im Nordosten. Die Gemeinde Oberendingen (heute Endingen) war 1850 die einzige, in der weder die Reformierten noch die Katholiken in der Mehrheit waren. 990 Personen, und damit gut 45 Prozent gaben an, einer anderen Religion anzugehören.

Lengnau und Endingen waren Ende des 18. Jahrhunderts die einzigen Ortschaften in der Schweiz, in denen sich Juden dauerhaft niederlassen und eigene Gemeinden gründen durften. Erst 1866 erhielten sie vom Bund die Freiheit, sich in der ganzen Schweiz niederzulassen. In den Jahrzehnten danach zogen die meisten weg, etwa nach Baden, Zürich oder ins Ausland.

Insgesamt war das Verhältnis zwischen Reformierten und Katholiken ziemlich ausgeglichen. Der Anteil an anderen Religionen war verschwindend klein. 

Aus der Volkszählung im Jahr 2000 ergibt sich zwar ein wesentlich durchmischteres Bild, ordnet man aber die Gemeinden der Religion zu, der die Mehrheit angehört, dann verlaufen die «Grenzen» noch ziemlich genau an der selben Stelle, wie 150 Jahre zuvor:

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