Chef-Suche

So sorgte die AKB vor, um einen erneuten Missgriff zu vermeiden

Ideengeber, der auf Understatement setzt und gerne die Laufschuhe schnürt: Pascal Koradi.

Ideengeber, der auf Understatement setzt und gerne die Laufschuhe schnürt: Pascal Koradi.

Die Kantonalbank-Verantwortlichen haben aus dem Missgriff mit Andreas Wäspi offenbar ihre Lehren gezogen. Auch deshalb sind sie überzeugt, dass der neue CEO Pascal Koradi alle Voraussetzungen mitbringt, um die AKB erfolgreich zu führen.

Vor drei Monaten gab die AKB einen Rekordgewinn von 85 Millionen Franken im ersten Halbjahr bekannt. Weniger erfreulich sah damals die Lage an der Personalfront aus. Eigentlich hätte schon im Frühling dieses Jahres der frühere Bank-Coop-Chef Andreas Wäspi die Leitung der AKB übernehmen sollen. Doch nach dessen Wahl durch den AKB-Bankrat verhängte die Finanzmarktaufsicht wegen Kursmanipulationen ein Berufsverbot gegen Wäspi, der Vertrag mit dem designierten Chef der Kantonalbank wurde aufgelöst.

Der bisherige CEO Rudolf Dellenbach, der in den Ruhestand treten wollte, blieb deshalb interimistisch an der Spitze der AKB. Ein politischer Entscheid erschwerte die Suche nach einem Nachfolger: Der Grosse Rat hatte einen Lohndeckel für den Chef der Kantonalbank beschlossen. Dieser darf pro Jahr nicht mehr als das Doppelte eines Regierungsrats verdienen, er kommt so höchstens auf 600 000 Franken.

Bankrat wählt jungen Aargauer

Dellenbach, der in einem guten Jahr mit Bonus knapp eine Million verdiente, sagte im August im Interview mit der az: «Ich könnte mir vorstellen, dass ein Aargauer bereit ist, Konzessionen zu machen, das heisst konkret: weniger zu verdienen als bisher, dafür einen kurzen Arbeitsweg zu haben.» Denkbar war für ihn auch ein junger Banker, «der deutlich unter 50 ist, noch nie eine Geschäftsleitungsfunktion ausübte, aber das Potenzial dazu hat».

Begrenzt auf höchstens 600 000 Franken pro Jahr – das sagt Pascal Koradi zu seinem Lohn.

Begrenzt auf höchstens 600 000 Franken pro Jahr – das sagt Pascal Koradi zu seinem Lohn.

Mit Pascal Koradi rückt ein Mann auf den Chefsessel der AKB, der einiges davon erfüllt. Der Finanzchef der Post wohnt in Möriken-Wildegg und arbeitete bisher in Bern – sein neuer Arbeitsweg nach Aarau ist kürzer. Er ist mit 43 Jahren vergleichsweise jung – lohnmässig ist der Wechsel zur AKB für ihn kein Rückschritt (siehe Interview rechts). Bankratspräsident Dieter Egloff bezeichnet Pascal Koradi in einer Mitteilung als «Wunschbesetzung». Durch seinen «ausgezeichneten betriebswirtschaftlichen Hintergrund und seine langjährige Führungstätigkeit» sei er der richtige Mann, um die Bank in die Zukunft zu führen.

Zahl der Kandidaten ist unklar

Doch wie gross war die Auswahl, wie viele Kandidaten gab es, die sich für einen Lohn von 600 000 Franken bewarben? «Dazu möchte ich mich nicht äussern», sagt Egloff auf Anfrage der az. Er hält aber fest, der Bankrat habe dem Grossen Rat dargelegt, dass ein Lohndeckel die Suche nach einem neuen CEO erschweren werde. Doch die Bank müsse den Entscheid des Kantonsparlaments als Vertretung des Eigentümers akzeptieren. «Wichtig ist letztlich auch nicht der Weg zum Ziel, sondern dass wir das Ziel erreicht haben – und wir sind überzeugt, dass wir mit Herrn Koradi einen neuen Direktionspräsidenten verpflichten konnten, der alle Voraussetzungen mitbringt, um die AKB erfolgreich zu führen», betont der Bankratspräsident.

Die Kantonalbank-Verantwortlichen haben aus dem Missgriff mit Andreas Wäspi offenbar ihre Lehren gezogen. Dieter Egloff betont: «Wir haben Pascal Koradi eingehend überprüft, zudem standen wir im Vorfeld auch mit der Finanzmarktaufsicht in Kontakt.» Deshalb dürfe man davon ausgehen, dass es nachträglich keine Überraschungen geben werde.

Intern oder extern nicht wichtig

Der noch amtierende CEO Rudolf Dellenbach sagte im August im Interview mit der az, wenn die AKB sein Unternehmen wäre, würde er sich nun überlegen, wen er als Nachfolger aufbauen könnte. Auch in der Politik gab es Stimmen, die eine interne Nachfolge favorisierten. Egloff sagt dazu heute: «Der Bankrat hat nicht einen internen oder externen, sondern den geeignetsten Kandidaten gesucht.» Die AKB sei personell derart schlank aufgestellt, «dass wir nicht bei allen wichtigen Führungsfunktionen stets einen Nachfolger aufbauen können», erläutert Egloff.

Das sagt der abtretende Rudolf Dellenbach zu seinem Nachfolger.

Das sagt der abtretende Rudolf Dellenbach zu seinem Nachfolger.

Dellenbach steht seit April 2006 an der Spitze der AKB – im Sommer äusserte er noch Zweifel, ob ein junger Nachfolger der Bank ebenso lange erhalten bleiben würde. «Wenn er sich bewährt, dürfte er rasch für andere Banken interessant werden, die deutlich mehr zahlen können», sagte Dellenbach damals. Egloff geht nicht direkt auf die Frage ein, ob der neue AKB-CEO nach wenigen Jahren wieder abspringen könnte. Er sagt: «Heute ist Pascal Koradi in der Konzernleitung der Schweizerischen Post tätig, also bei einem viel grösseren Unternehmen als die AKB.» Koradi reize es aber, die Gesamtverantwortung für ein Unternehmen tragen zu dürfen. «Dies wird ihm nun bei unserer Bank ermöglicht.» Gegenüber Tele M1 sagt Koradi selbst, er sehe die neue Aufgabe nicht als Sprungbrett für seine weitere Karriere. Schmunzelnd fügt er hinzu: «Das tönt jetzt vielleicht wie eine Drohung, aber ich werde lange bleiben.»

«Sorgfältig, seriös, ruhig»

Bleibt die Frage: Wer ist er eigentlich, dieser Pascal Koradi? Aufgewachsen im Kanton Zürich, lebt er seit 17 Jahren im Aargau, inzwischen mit Frau und zwei Söhnen in Möriken. Ab 1999 arbeitete er bei der Neuen Aargauer Bank, 2006 wurde er dort Finanzchef, 2011 wechselte er zur Post. Markus Gisler, Dozent an der Hochschule Luzern, kennt Koradi aus dem Vorstand des CFO Forums Schweiz. Im Berufsverband treffen sich aktive Finanzchefs regelmässig zu Austausch und Weiterbildung. Gisler zeigt sich von Koradis Ernennung «überrascht und doch nicht überrascht». Er erklärt auch gleich, was er damit meint: «Weil ich es nicht wusste, war ich überrascht. Weil ich ihm das sofort zutraue, bin ich es nicht.» Als Stichworte fallen ihm ein: sorgfältig, seriös, ruhig. Wenn Koradi etwas anpacke, sei klar: «Man muss nicht mehr nachfragen oder kontrollieren, es klappt sowieso.» Er kenne Koradi als «stillen Chrampfer», der Ideen einbringt, aber nicht an die grosse Glocke hängt. Einen Ausgleich zur Arbeit mit Zahlen findet Koradi in den Joggingschuhen: Jedes Jahr nimmt er an Volksläufen wie dem Lenzburger Lauf oder Bremgarter Reusslauf teil.

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