Aargauer Schulprotest

So pariert SVP-Grossrat Furer die Angriffe von Lehrerpräsidentin Abassi

SVP-Grossrat Pascal Furer und Elisabeth Abassi, Präsidentin der Aargauer Lehrer

SVP-Grossrat Pascal Furer und Elisabeth Abassi, Präsidentin der Aargauer Lehrer

Die Lehrerinnen und Lehrer wollen am Dienstag gegen Sparmassnahmen bei der Bildung protestieren. SVP-Grossrat Pascal Furer hält dies für völlig daneben. Lehrer-Präsidentin Elisabeth Abassi provoziert ihn dafür: «Sie haben wohl in den letzten 20 Jahren kein Schulzimmer von innen gesehen.»

Die Aargauer Lehrerinnen und Lehrer wollen am kommenden Dienstag in Aarau demonstrieren. Sie kämpfen gegen einen Bildungsabbau und gegen entsprechende Sparmassnahmen von Regierung und Grossem Rat. Die Ankündigung hat eine emotionale Debatte ausgelöst: Dürfen Lehrer streiken und ist es überhaupt gerechtfertigt, dass sie auf die Strasse gehen?

Diese Frage diskutierte az-Chefredaktor Christian Dorer im TalkTäglich auf Tele M1. Die Gäste: SVP-Grossrat Pascal Furer. Dieser ist dafür, überall zu sparen, auch bei der Bildung. Und: Elisabeth Abassi, die Präsidentin des Aargauer Lehrerverbands, der zur Kundgebung aufgerufen hat.

Warum wird nicht in einer Randzeit demonstriert sondern genau zur Schulzeit? Diese Frage treibt viele um. Für Abassi ist klar: "Wir wollen jenen, die entscheiden, zeigen, was Schulabbau bedeutet." Und weil der Grosse Rat jeweils am Dienstag tagt, fallen die Schulstunden während dieser Zeit aus. 

SVP-Grossrat Pascal Furer: «Es ist absurd»

SVP-Grossrat Pascal Furer: «Es ist absurd»

Furer stichelt: "Es ist absurd, dass die Lehrer Stunden ausfallen lassen, um gegen den Stundenausfall zu protestieren. Sie missbrauchen Schülerinnen und Schüler für ihre Zwecke."

Lehrerverbands-Präsidentin Elisabeth Abassi: «Wir bauen Überstunden ab»

Lehrerverbands-Präsidentin Elisabeth Abassi: «Wir bauen Überstunden ab»

Abassi macht deutlich, dass Schulstunden kompensiert werden können. Es zähle die Jahresarbeitszeit. Die Lehrer haben laut Abassi Überstunden, die abgebaut werden könnten.

Furer weist darauf hin, dass von 2006 bis 2016 die Ausgaben um 25% ausgebaut worden sind. Fuhrer: "In die Schule zu investieren ist richtig. Wenn man jetzt etwas korrigiert, ist das normal." 

SVP-Grossrat Pascal Furer: «Jetzt muss man halt ein kleines bisschen korrigieren»

SVP-Grossrat Pascal Furer: «Jetzt muss man halt ein kleines bisschen korrigieren»

Von einer leichten Korrektur könne keine Rede sein, entgegnet Abassi. "Wenn pro Jahr 147 Lehrerstellen eingespart werden, bei steigender Schülerzahl, dann ist das nicht nichts." Natürlich seien die Ausgaben gestiegen, aber es gehe nicht um mehr Komfort für Lehrer. Ein Teil der Kosten sei deshalb angefallen, weil der Kindergarten (60 Millionen) jetzt durch den Kanton bezahlt werde, wo vorher die Gemeinden zuständig waren.

Lehrerverbands-Präsidentin Elisabeth Abassi: «Das ist überhaupt nicht wahr, es ist keine leichte Korrektur»

Lehrerverbands-Präsidentin Elisabeth Abassi: «Das ist überhaupt nicht wahr, es ist keine leichte Korrektur»

Kaputtsparen

Der Kanton will 126 Millionen einsparen, davon ist die Bildung mit 10 bis 24 Millionen betroffen. Furer: "Ich wehre mich dagegen, dass man die Schule kaputt macht, es geht nur um eine kleine Korrektur."

Abassi: "Das stimmt doch nicht, Herr Furer hat wohl in den letzten 20 Jahren kein Schulzimmer von innen gesehen." Was im Klassenzimmer abgehe, das sei enorm anspruchsvoll. Die Klassengrössen wurden erhöht. Sparen könnte man, wenn die Schüler möglichst früh gut Deutsch lernen würden.

Furer will darauf nicht eingehen, schiesst aber zurück. "Es ist lobenswert, dass Sie sich für Ihre Lehrer gewerkschaftlich einsetzen. Die meisten Punkte betreffen gar nicht die Schülerinnen und Schüler."

Der Regierungsrat will weniger Lektionen für Schüler, was die Bildungskommission bereits abgelehnt hat. Furer: "Diese Massnahme halte ich nicht für wahnsinnig schlau, aber wenn sie von der Bildungsverwaltung vorgeschlagen ist und wenn es keine bessere Massnahme gibt, kann man das verantworten. Tatsache ist: Die Staatsausgaben dürfen nicht unbeschränkt wachsen."

Furer und Abassi über Sparmassnahmen

Furer und Abassi über Sparmassnahmen

Lohnkosten

Die Lehrerlöhne sind zu tief, sagt Abassi. Es sei übrigens nicht der falsche Zeitpunkt, darüber zu diskutieren. Die jungen Lehrerinnen würden in Nachbarkantone abwandern. Im Vergleich zum Kanton Zürich verzichteten Aargauer Lehrerinnen und Lehrer im Verlauf ihrer Karriere auf 1,3 Millionen Franken Lohn. "Das macht ein Einfamilienhaus aus und zwar ein richtiges", so Abassi.

Furer: "Wir haben genug Lehrer. Zudem haben wir die Löhne angehoben. Dann haben die anderen Kantone nachgezogen. Es ist eine Art Wettrüsten. Wir können doch wegen Zürcher Lehrern die Löhne nicht anheben."

Abassi kontert: "Wir hatten noch nie so viele Lehrer wie dieses Jahr, die wegen dem Lohn abgewandert sind."

Furer zweifelt daran, wie noch mehr Lohn überhaupt finanziert werden kann.

Plakatverbot

Bildungsdirektor Alex Hürzeler (SVP) hat an den sechs Kantonsschulen den Schülern das Aufhängen von Plakaten gegen das Sparprogramm verboten. 

Furer und Abassi über Instrumentalisierung

Furer und Abassi über Instrumentalisierung

Für Furer geht das in Ordnung. Die Schüler hätten ja auch provokative Aktionen geplant.

Für Abassi ist diese Schüleraktion harmlos. Zu ihrer Zeit hätte man ganz anders reagiert. "Wir hätten niemanden gefragt, sondern die Plakate einfach aufgehängt."

Furer: "Die Eltern und Schüler werden instrumentalisiert." Abassi entgegnet: "Das stimmt nicht. Wenn Sie das behaupten, instrumentalisieren Sie die Stimmbürger."

Einig waren sich Furer und Abassi einzig in einem Punkt: Den Lehrern fehlt die Anerkennung, die sie verdient hätten.

Die ganze Sendung können Sie hier anschauen: 

Demo gegen Bildungsabbau

Demo gegen Bildungsabbau

Dürfen Lehrpersonen für ihre Anliegen während der Unterrichtszeit demonstrieren und ist es legitim, dass sie einmal mehr für ihre Interessen auf die Strasse gehen?

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