Verschont bleiben auch die Bauern nicht. Den starken Franken bekommen sie bereits wenige Wochen nach dem Nationalbank-Entscheid zu spüren: Sie erhalten weniger Geld für ihre Milch. Um 2,6 bis 5 Rappen pro Kilogramm senken die drei Verbände mit Aargauer Mitgliedern die Preise auf diesen Monat hin.

Am härtesten trifft es die Bauern der Milchproduzenten Mittelland (MPM), bei denen die grosse Mehrheit der Aargauer Landwirtschaftsbetriebe ihre Milch abliefert. Seit Anfang Monat erhalten die 800 Mitglieder rund 5 Rappen weniger pro Kilogramm – im Fall der MPM werden einem Bauern nun durchschnittlich 50 Rappen pro Kilo ausbezahlt.

Die Milchbüchleinrechnung

Nur auf den ersten Blick eine kleine Summe, wie eine grobe Rechnung zeigt: 200 000 Kilogramm Milch produziert ein durchschnittlicher Aargauer Betrieb pro Jahr; folglich sinken die Einnahmen um 10 000 Franken. Auf die gesamten 150 Millionen Kilo von der Genossenschaft jährlich produzierten Milch gingen bei der aktuellen Lage für alle Mitglieder zusammen rund 7,5 Millionen Franken verloren.

Auch die 60 Aargauer Bauern, welche die Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP) beliefern, müssen Abstriche machen: Sie erhalten 2,6 Rappen weniger pro Kilogramm Milch.

Eine Preissenkung in einer ähnlichen Grössenordnung ist auch beim Milchverband der Nordwestschweiz (Miba) geplant. Von den 1500 Mitgliedern stammen rund 150 aus dem Aargau. Der Hauptgrund für die gesenkten Preise: der erstarkte Franken.

Mit der Aufhebung des Mindestkurses sind die exportierten Schweizer Produkte im Euroraum auf einen Schlag um 20 Prozent teurer geworden. Mehr als ein Fünftel der Schweizer Milchproduktion wird in die EU exportiert. Um im Konkurrenzkampf bestehen zu können, bezahlen die Milchverarbeiter den Bauern nun weniger.

Preissturz aus heiterem Himmel

«Es ist ein harter Schlag», sagt Miba-Geschäftsführer Christophe Eggenschwiler. «Die ganze Branche ist herausgefordert.» Die Bauern gerieten nun als Erste unter Druck. Ihr Problem: Sie erhalten für die Milch weniger Geld, können die Produktionskosten aber selber kaum senken. Im Unterschied zu anderen Branchen können sie ihren Betrieb nicht ins günstigere Ausland verlegen.

Daniel Schreiber vom Aargauer Bauernverband sieht denn auch in der aktuellen Situation kaum Sparpotenzial: «Abwarten und hoffen, dass es wieder besser wird», lautet deshalb sein Rat. Der Preissturz sei aus heiterem Himmel gekommen und werde schon bald deutlich zu spüren sein. «Das wird einfahren», sagt Schreiber.

Reichen die Fettpolster?

MPM-Präsident Andreas Hitz sagt: «Die aktuelle Lage ist enorm hart für die Bauern.» Es sei wohl niemand darauf vorbereitet gewesen, dass der Frankenkurs auf einen Schlag so stark steigt. «Zwar ist das Geschäft im letzten Jahr nicht schlecht gelaufen, doch ich bezweifle, dass alle Betriebe genügend Fettpolster auf die Seite legen konnten, um die Situation zu überstehen.»

Nun hofft Hitz auf das Entgegenkommen der Milchverarbeiter und des Handels: «In einer solchen Krisensituation ist es am besten, die Last auf mehreren Schultern zu verteilen.» Das heisst, nicht nur die Landwirte, sondern auch die verarbeitende Industrie und der Handel müssten sich daran beteiligen. «Beharren die einen auf ihren Gewinnvorgaben, wird es sehr schwierig.»