Es genügen fremde Stimmen, ein unbekannter Geruch – schon fremdeln die Hühner. Zwar spähen sie neugierig durch die Öffnungen. Bloss zögerlich aber wagen sie sich über die Schwelle, aus dem Stall, ans Tageslicht. Einzig Berti Dietiker kennen sie gut. Auf dem Rüdlenhof ist sie die Hühnerfrau. Trotzdem muss auch sie ihre Rundgängen durch den Stall immer in gleicher Richtung absolvieren und stets die gleiche Jacke tragen, deren Geruch die Hühner kennen. Zum Aufstand der Hühner würde es anderenfalls zwar kaum kommen. Unter den Tieren aber steigt die Nervosität, sobald Fremde eindringen.

12'000 weisse und braune Hühner sind im Stall der Familie Dietiker in Densbüren. Platz hätten über 13'000 – so viele erlaubt das Tierschutzgesetz.

Nur Zwischenhalt ist der Rüdlenhof für die Hühner. Ein Lastwagen fährt 12'000 flaumgelbe Küken, frisch geschlüpft, in Hunderterkisten vom luzernischen Oberkirch nach Densbüren.

Nach 18 Wochen verlassen Küken den Hof

Nach der 45-minütigen Fahrt sollten sie im Stall sofort mit Futterrinne und Nippeltränke klarkommen. Dort aber hocken sich die Küken schnell mal irgendwo hin und schlafen. «Sie sind müde nach dem Schlüpfen», sagt Dietiker. «Erst nach drei oder vier Tagen hüpfen sie herum.» Dann kann man besonders Abenteuerlustige auch in der Futterrinne durch den ganzen Stall fahren sehen. Ungefährlich ist das nicht: Denn am Ende wartet der Maschendraht.

Für die Küken gilt daher, rechtzeitig runterhüpfen, für Hühnerfrau Dietiker, wachsam zu sein. Ihr ist es wichtig, dass es den Hühnern gut geht: «Ich sehe schnell, wenn sich eines nicht zurecht findet, weil es nur auf einem Auge sieht oder verletzt ist.» Dann holt Dietiker das Tier aus der Masse, setzt es in ihren privaten Hühnerstall und beschert dem Huhn ein schönes Leben auf grüner Wiese.

Weniger lang leben die anderen Hühner: Nach 18 Wochen, verlassen sie als ausgewachsene Legehennen den Hof. «Wenn sie gehen», sagt Dietiker, «leben sie noch ein Jahr.» Ein Jahr, um oft in einem ähnlich grossen Betrieb, irgendwo in der Schweiz, Eier zu legen. Danach werden die Eier zu Brucheiern, die Legehenne zum Suppenhuhn, und dieses endet in der Schweiz allzu oft als Biogas.

Es ist nicht so, dass Berti Dietiker, diese Entwicklung gutheissen würde. «Mir wäre nur der kleine Hühnerstall vor unserem Haus auch lieber», sagt sie. «Aber aus ökonomischen Gründen funktioniert das heute einfach nicht mehr.»