Notfall
So läuft eine Rettung ab, wenn Sie den Notruf 144 wählen

Nicht der Helikopter, sondern die Ambulanz kommt zuerst. Innerhalb von 15 Minuten sollte ein Rettungswagen vor der Tür stehen. Doch nicht bei jedem Anruf fährt einer der 25 Aargauer Rettungswagen los.

Manuel Bühlmann und Aline Wüst
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Nicht der Helikopter, sondern die Ambulanz kommt zuerst.

Nicht der Helikopter, sondern die Ambulanz kommt zuerst.

Keystone

Wer jetzt die Notrufnummer 144 wählt, bei dem steht mit grosser Wahrscheinlichkeit in spätestens 15 Minuten ein Rettungswagen vor der Tür. Diese Zeitlimite schreibt der Kanton vor.

Insgesamt 48 980-mal wurde im vergangenen Jahr die Notrufnummer 144 gewählt. Im Schnitt klingelt in der kantonalen Einsatzzentrale in Aarau also alle elf Minuten das Telefon – Tag und Nacht, Tag für Tag.

Nicht bei jedem Anruf fuhr einer der 25 Aargauer Rettungswagen los. 2012 lösten lediglich 60 Prozent aller Anrufe einen Rettungseinsatz aus.

Rettungsteam wird unterstützt

Fährt ein Rettungswagen los, bleibt das Zweierteam stets in Kontakt mit der kantonalen Einsatzzentrale in Aarau. Von dort wird es bei Bedarf unterstützt mit dem Aufgebot zusätzlicher Rettungsmittel, wie beispielsweise dem Helikopter, oder aber durch den Beizug von Partnerorganisationen wie Feuerwehr, Polizei oder Bezirksarzt.

Klingelt in der Einsatzzentrale das Telefon, kann es aber auch sein, dass kein medizinischer Notfall vorliegt, sondern die Feuerwehr, Polizei oder der Notarzt gefragt ist. Die Einsatzzentrale leitet den Anrufer dann an die richtige Nummer weiter.

Eine solche Verwechslung der Notruf-Nummern bleibt ab 2018 ohne Folgen. Ab diesem Zeitpunkt sollten sämtliche Anrufe auf die gängigen Notrufnummern in einer neu gebauten Notrufzentrale zusammenlaufen.

Kosten von 40 Millionen

40 Millionen wird das kosten. Befinden wird sich diese Zentrale in einem Neubau neben dem Polizeikommando in Aarau. Grund für diese Modernisierung ist auch die stetig steigende Anzahl Anrufe, die bei den Notrufzentralen eingehen.

Die Zunahme der Anrufe hat damit zu tun, dass die Bevölkerung heute rascher als früher eine Notrufnummer wählt. Diese Hemmschwelle gesenkt haben auch Kampagnen wie beispielsweise diejenige zur häuslichen Gewalt.

Auch die zunehmende Mobilität und die 24-Stunden-Unterhaltungs- und -Konsumgesellschaft haben einen Einfluss auf die Anzahl Anrufe.

So läuft eine Rettung im Detail ab

1 Alarmierung

Ruft die Person von einem Festnetzanschluss an, kann ihr Standort direkt bestimmt werden. Ist die Person ortunkundig und wählt 144 vie Handy: Ortung mithilfe von Beschreibung von Geschöften, Kirchen, markanten Gebäuden. Weitere Angaben: Art der Verletzung, Krankheit, Alter und Person.

2 Zentrale

Das Leitsystem in der Einsatzzentrale schlägt den Rettungswagen vor, der am schnellsten vor Ort sein kann. Das Team wird via Pager informiert. Ein Fax mit allen Angaben wird an Rettungswagen, Rettungswache und ans Spital geschickt. Nach Bedarf wird bereits in der Zentrale ein Helikopter aufgeboten.

3 Rettungsmobil

Das Rettungsmobil informiert die Einsatzzentrale mittels Statusmeldungen über den Verlauf des Einsatzes: Nr. 1: Einsatz übernommen. Nr. 2: Am Einsatzort eingetroffen. Nr. 3: Patient übernommen, unterwegs zum Spital. Nr. 4: Im Spital eingetroffen. Nr. 5: Patient abgegeben. Nr. 6: Wieder einsatzbereit

4 Spital

Der Patient wird normalerweise ins Spital gebracht, von wo der Rettungswagen zuvor ausgerückt ist. Je lebensbedrohlicher der Gesundheitszustand des Patienten ist, desto eher wird auf ein Kantonsspital ausgewichen. Der Helikopter bringt Patienten bei Bedarf auch in ein ausserkantonales Spital.