Ältere Menschen sollen so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden wohnen können – wenn sie das möchten. Niemand soll sich aus finanziellen Gründen entscheiden, in ein Pflegeheim einzutreten.

Der Regierungsrat hat das Bedürfnis erkannt und reagiert darauf mit einer Anpassung der Pflegeverordnung per 1. Januar 2020. Neu kann älteren Aargauerinnen und Aargauern unter bestimmten Voraussetzungen ein Pauschalbetrag von monatlich 300 Franken für das selbstbestimmte Wohnen zu Hause gewährt werden. Das teilte die Regierung Anfang Juli mit.

Barbara Hürlimann, Leiterin der Abteilung Gesundheit, sagte damals zur AZ, der Betrag könne bei der SVA Aargau beantragt werden. Um ihn zu erhalten, brauche es eine ärztliche Bescheinigung über die Betreuungsbedürftigkeit sowie eine Betreuung durch eine vom Kanton anerkannte Organisation oder Fachperson.

Bei der SVA wusste man von nichts

Ein Aargauer hat den AZ-Artikel gelesen und sich gefreut, dass der Kanton das selbstbestimmte Wohnen zu Hause finanziell unterstützen will. Er ist davon ausgegangen, dass nach der öffentlichen Ankündigung bei der SVA Aargau die Pauschale beantragt werden kann. Deshalb hat er sich telefonisch gemeldet. Nur: Bei der SVA Aargau konnte ihm niemand weiterhelfen. «Sie wussten nichts von 300 Franken», erzählt er. Wie kann das sein?

Jelena Teuscher, Mediensprecherin beim zuständigen Gesundheitsdepartement, klärt auf: Es seien erst die zuständigen Führungspersonen der SVA Aargau informiert. «Die Instruktion der Mitarbeitenden erfolgt, sobald das Verfahren feststeht», sagt Teuscher.

Die Pflegeverordnung trete 2020 in Kraft. Die Einzelheiten zur Umsetzung würden nach den Sommerferien mit der SVA Aargau erarbeitet, sagt sie. Danach werde kommuniziert, wie das Prozedere im Detail funktioniert. Wer die 300 Franken für das selbstbestimmte Wohnen beantragen möchte, muss sich also gedulden, bis das detaillierte Vorgehen beschlossen ist.

Nur für Bezüger von Ergänzungsleistungen

Teuscher stellt in Aussicht, dass «EL-Beziehende rechtzeitig über die neue Leistung und die Art der Geltendmachung informiert werden». Dass nur Menschen, die Ergänzungsleistungen beziehen, den Pauschalbetrag beantragen können, ist neu. Hürlimann hatte dies auf Anfrage der AZ nicht als Voraussetzung genannt. Sprecherin Teuscher stellt nun aber klar, dies sei «Grundvoraussetzung». So sehe es das Bundesrecht vor, begründet Teuscher.