Elefantenrunde

«So kommt es sicher nicht gut»: Grünen-Chef nimmt die SVP wegen Corona-Politik ins Visier

Wahlen im Aargau 2020: Ausschnitte aus dem Talk der Parteipräsidenten

Wahlen im Aargau 2020: Ausschnitte aus dem Talk der Parteipräsidenten.

Angriffslust bei Grünen und FDP, eine zuversichtliche SP-Chefin und ein lobender Andreas Glarner: Das war die Diskussionsrunde der Parteipräsidenten nach dem Aargauer Wahlsonntag.

Das neue Parlament war eben erst gewählt, da lancierte Grünen-Chef Daniel Hölzle bereits den ersten Frontalangriff auf die SVP.

Deren Präsident Andreas Glarner hatte in der Elefantenrunde auf Tele M1 konstatiert: "Wir haben kein Klimaproblem, wir haben ein Coronaproblem." Deshalb brauche es nun FDP und SVP, die noch hinter der Wirtschaft und den Arbeitsplätzen stünden.

Das nutzte Hölzle für seine Offensive. Die SVP verhalte sich wirtschaftsfeindlich, wenn sie sämtliche Corona-Massnahmen abschaffen wolle. SVP-Sekretär Pascal Furer hatte am Samstag gegenüber der "Aargauer Zeitung" gesagt, dass es weder Maskenpflicht noch Abstandsregel brauche. "So kommt es sicher nicht gut", prognostizierte Hölzle. Er sei der Meinung, dass die Parteien ein Zeichen gegen diese Politik setzen könnten, "beispielsweise bei der Wahl des Grossratspräsidiums". Ein bewusst gewähltes Ziel: Furer ist derzeit Grossrats-Vizepräsident und soll nächstes Jahr zum höchsten Aargauer gewählt werden.

Glarner entgegnte, alleine wegen der am Sonntag beschlossenen Massnahmen des Bundesrats würden "wieder tausende Existenzen kaputt gehen".

"Freiheiten zu exzessiv gelebt"

Corona überstrahlte die Wahlergebnisse in der Präsidentenrunde mehrmals. "Viele haben die Freiheiten wahrscheinlich zu exzessiv gelebt. Jetzt schränkt uns der Staat wieder ein. Ich bin für sinnvolle Massnahmen, aber das ist schade", kommentierte FDP-Präsident Lukas Pfisterer die Verschärfung durch den Bundesrat. Es gehe nun darum, nur dort kurzfristig Geld zu verteilen, wo Existenzen gefährdet seien. Vor allem brauche es aber Lösungen, damit die Wirtschaft langfristig überlebt.

Pfisterer hofft dabei auf die Mitarbeit der GLP. Sie müsse sich jetzt beweisen. Der Chef der Grünliberalen, Beat Hiller, pocht ebenfalls auf langfristige Massnahmen. Er sagt: "Wir sind sehr interessiert daran, dass es der Wirtschaft gut geht." Es müsse Geld reinkommen, um die Probleme der nächsten Jahre zu lösen.

Wahlsieger Hiller: "Wahnsinns-Spass"

Als Wahlsieger dazustehen, mache einen "Wahnsinns-Spass", freute sich Hiller. Die Grünliberalen holten sechs zusätzliche Sitze. Von Glarner gab es das Kompliment für den besten Wahlkampf: "Ihr hattet die besten Wahlplakate und die besten Köpfe, die man am Strassenrand sehen konnte." Das nächste Ziel der Grünliberalen sind nächstes Jahr die Wahlen auf Gemeinde-Ebene. Dort wolle man vermehrt in die Exekutive eintreten, sagte Hiller.

Zu den Wahlverlierern gehört die SP. Präsidentin Gabriela Suter ist trotz vier verlorener Sitze der Ansicht, einen guten Wahlkampf geführt zu haben. Sie ist zuversichtlich, dank der grünen Welle in der nächsten Legislatur SP-Anliegen im Grossen Rat einfacher durchzubringen.

Der Seitenhieb gegen die CVP

FDP-Chef Lukas Pfisterer wertete das Wahlergebnis trotz eines Sitzverlusts positiv: "Wir haben von den grossen Parteien am wenigsten verloren." Damit holte er zum Seitenhieb gegen die CVP aus, die einen Sitz gewann. Eigentlich müsse man sie mit der BDP verrechnen, die nicht mehr angetreten ist und von der zwei Vertreter zur CVP wechselten. Somit resultiere nicht ein gewonnener, sondern drei verlorene Sitze, resümierte Pfisterer.

Darob schüttelte CVP-Präsidentin Marianne Binder den Kopf. "Noch wahnsinniger als der Herr Pukelsheim", entgegnete sie und spielte damit sie auf das Wahlsystem ("doppelter Pukelsheim") und das Ergebnis im Bezirk Lenzburg an: Obwohl die CVP dort drei Prozent zulegte, holte sie keinen zweiten Sitz.

Binder analysierte das Wahlergebnis als Stärkung des politischen Zentrums. Sie sieht die Möglichkeiten aber noch nicht ausgeschöpft. "Ich bin überzeugt, das im politischen Zentrum noch sehr viel Potenzial ist." Die Aargauerinnen und Aargauer seien nicht für Extreme, so Binder. Darum spiele eine CVP, "eine Mittepartei", eine zentrale Rolle, um Mehrheiten zu finden.

Die Elefantenrunde in voller Länge

Parteipräsidenten-Talk

(mwa)

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