Gut eine Woche vor dem zweiten Wahlgang für den freien Ständeratssitz machen Ruth Humbel, Philipp Müller und Hansjörg Knecht noch einmal mobil. Spätestens gestern Donnerstag mussten alle Aargauerinnen und Aargauer die Wahlunterlagen für den 22. November im Briefkasten haben. Schon früher diese Woche fanden sie dort einen Flyer von SVP-Kandidat Hans-Jörg Knecht.

Wer hat was gesagt? Die besten Sprüche der Aargauer Ständeratskandidaten

Vier Kandidaten stehen im zweiten Wahlgang der Ständeratswahlen 2015 im Aargau: Philipp Müller (FDP), Hansjörg Knecht (SVP), Ruth Humbel (CVP) und Pius Lischer (parteilos). Wir haben die besten Sprüche zusammengetragen. Können Sie sie den Kandidaten zuordnen?

«Die CVP gibt es bei uns in Reinach nicht, da haben wir es relativ gemütlich.»

Philipp Müller (FDP)

Pius Lischer (parteilos)

Hansjörg Knecht (SVP)

Ruth Humbel (CVP)

«Der Marathon-Weltmeister ist Eritreer, mit dem Land muss man reden können.»

Hansjörg Knecht (SVP)

Philipp Müller (FDP)

Ruth Humbel (CVP)

Pius Lischer (parteilos)

«Wenn ein Ständerat von einem Vollzeitjob spricht, hat er zu viele Nebenmandate.»

Hansjörg Knecht (SVP)

Pius Lischer (parteilos)

Ruth Humbel (CVP)

Philipp Müller (FDP)

«Ich war dafür länger Unternehmer als Hansjörg Knecht.»

Hansjörg Knecht (SVP)

Pius Lischer (parteilos)

Ruth Humbel (CVP)

Philipp Müller (FDP)

«Auch die Piraten brauchen doch einen Kapitän.»

Hansjörg Knecht (SVP)

Philipp Müller (FDP)

Pius Lischer (parteilos)

Pius Lischer (parteilos)

«Die Initianten sassen in 8 Millionen Einräpplern und tranken Cüpli.»

Pius Lischer (parteilos)

Ruth Humbel (CVP)

Philipp Müller (FDP)

Hansjörg Knecht (SVP)

«Nelson Mandela sass etwa 26 Jahre im Knast und wurde dann Präsident.»

Pius Lischer (parteilos)

Hansjörg Knecht (SVP)

Ruth Humbel (CVP)

Philipp Müller (FDP)

«Sie sieht mich oft in den Zeitungen und im Fernsehen.»

Hansjörg Knecht (SVP)

Philipp Müller (FDP)

Ruth Humbel (CVP)

Pius Lischer (parteilos)

«Es gibt auch Raucher, die das Gesundheitswesen nicht beanspruchen.»

Hansjörg Knecht (SVP)

Philipp Müller (FDP)

Ruth Humbel (CVP)

Pius Lischer (parteilos)

«Mir war es nie wohl mit AKW, aber ich weiss im Moment nichts Besseres.»

Ruth Humbel (CVP)

Hansjörg Knecht (SVP)

Pius Lischer (parteilos)

Philipp Müller (FDP)

«Weil ich Zeit habe und eine gerechte Welt schaffen will.»

Ruth Humbel (CVP)

Pius Lischer (parteilos)

Hansjörg Knecht (SVP)

Philipp Müller (FDP)

«Man kann keinen Zaun an der Grenze bauen, aber die Leute sensibilisieren.»

Pius Lischer (parteilos)

Hansjörg Knecht (SVP)

Philipp Müller (FDP)

Ruth Humbel (CVP)

Ächz, für Sie tönen die Zitate alle gleich.

Weil der Wahlkampf schon so lange dauert, haben Sie längst auf Durchzug geschaltet. Ist doch egal, wer was gesagt hat!

Sie sind der/die Logische!

Hah genau! Den kennen Sie! Und der hier kann nur er gesagt haben! Sie konnten sich an einige der Zitate erinnern und andere auch einfach logisch zuordnen.

Sie haben immer genau zugehört, ...

wenn die vier Politiker etwas gesagt haben, und wussten daher ganz genau, wer was gesagt hat. Zudem haben Sie als Politexperte die Auswahl auch für «Bubi» gehalten.

Quiz: Wer hat was gesagt? Die besten Sprüche der Aargauer Ständeratskandidaten

Dieser fühlt sich laut seinem Wahlkampfleiter Werner Laube von der az benachteiligt, die Philipp Müller zur Wahl empfohlen habe. «Das ist mit ein Grund, weshalb er sich in einem Briefmailing mit Plakat persönlich an seine Wählerschaft wendet», sagt Laube. So könne man Hansjörg Knecht sozusagen «in den Händen halten». «Wir finden das glaubwürdiger, als in Testimonial-Anzeigen andere für sich sprechen zu lassen», erklärt Knechts Wahlleiter.

Zudem werde im Brief die Herleitung des inzwischen berühmten Slogans «Knecht wählen, Könige hat es genug» deutlich gemacht. «Und wir zeigen die sympathische, menschliche Seite von Hansjörg Knecht auf.» Die vielen positiven Rückmeldungen und «verzweifelte Versuche der Konkurrenz, seinen Slogan mit Klischee-Argumenten zu verdrehen», sind für Laube deutliche Hinweise, dass der Slogan von Knecht bestens funktioniert.

Die drei Aargauer Ständeratskandidaten im «TalkTäglich» vom 27.10.: Sehen Sie die wichtigsten Momente in unserem Zusammenschnitt.

Die drei Aargauer Ständeratskandidaten im «TalkTäglich» vom 27.10.: Sehen Sie die wichtigsten Momente in unserem Zusammenschnitt.

Knecht: Mehr als 300 000 Flyer

Der Flyer des SVP-Kandidaten ist eigentlich ein mehrfach gefaltetes A3-Plakat. Knecht fordert die Wähler auf, das Plakat an «werbewirksamer Stelle» aufzuhängen. Das Briefmailing wurde laut Laube von drei Aargauer Druckereien produziert: Druckerei Meier, Würenlingen für den Bezirk Zurzach; Oeschger Druck, Bad Zurzach für den Bezirk Baden und Druckerei Kromer, Lenzburg, für die übrigen Bezirke. Im ganzen Kanton verteilte die Firma Promopost rund 304 000 Exemplare, finanziert wird die Aktion laut Laube durch die SVP Aargau. Neben den 300 000 Flyern seien weitere mobilisierende Briefe an andere Wählersegmente verschickt worden.

Laube schätzt die Wahlchancen von Hansjörg Knecht persönlich als gut ein. «Nicht wegen seiner Werbung, sondern ganz einfach, weil er als Politiker und Mensch überzeugt.» Gegen den SVP-Kandidaten konnte aus Laubes Sicht im Wahlkampf nichts Negatives ins Feld geführt werden. «Der lauteste Vorwurf war, Hansjörg Knecht sei zu ruhig. Das wiederum finde ich ein starkes Argument für seine Wahl und einen Beweis für seine Glaubwürdigkeit als Sachpolitiker», sagt er.

Müller: CVPler wirbt für ihn

Derweil ruft FDP-Aargau-Präsident Matthias Jauslin in einem Mail zur Wahl von Philipp Müller auf. «Es zählt jede Stimme, damit wir unseren traditionellen Sitz im Stöckli verteidigen können», schreibt Jauslin. Und er fordert die FDP-Sympathisanten auf, ihr Umfeld zu mobilisieren: im persönlichen Gespräch, mit Mobilisierungsmails oder indem sie Beiträge auf die Facebookseite von Philipp Müller stellen und diese danach teilen. Daneben setzt Müller auch auf die Unterstützung von bekannten Persönlichkeiten.

Bemerkenswert ist dabei ein Inserat, das im «Wohler Anzeiger» erschienen ist. Darin wirbt Hanspeter Weisshaupt, der für die CVP im Gemeinderat Wohlen sass, für die Wahl des FDP-Präsidenten. «Ich wähle Philipp Müller in den Ständerat, weil mich sein politischer Leistungsausweis überzeugt. Aber auch, weil damit Matthias Jauslin in den Nationalrat nachrutscht und das Freiamt wieder in Bern vertreten ist», heisst es in seinem Inserat. Auf Nachfrage der az sagt Weisshaupt, einst Direktor von Basel Tourismus, Leiter Region Nordschweiz der UBS und Euro-Delegierter beider Basel: «Ich finde es falsch, was die CVP gemacht hat, mit der Kandidatur von Ruth Humbel wird nur die Position von Hansjörg Knecht gestärkt.»

Weisshaupt ist der Meinung, Humbel hätte nach dem schlechten Abschneiden im ersten Wahlgang – sie erreichte mit 33 900 Stimmen weniger als die Hälfte der Stimmenzahl von Müller und Knecht – nicht mehr antreten sollen. «Nun unterstütze ich Philipp Müller, weil ich seine Wahlchancen deutlich höher einschätze», sagt er.

Matthias Jauslin, der wie Weisshaupt in Wohlen wohnt, freut sich über die Unterstützung. «Hanspeter Weisshaupt hat mir am 19. Oktober nach der Wahl zu meinem Resultat gratuliert», erinnert sich Jauslin. Er habe Weisshaupt spontan gefragt, ob dieser bereit wäre, die FDP im zweiten Ständerats-Wahlgang zu unterstützen. «Hanspeter Weisshaupt hat zugesagt und dies bestätigt, nachdem die Kandidatur von Ruth Humbel bekannt wurde», sagt Jauslin.

Dies sei für ihn ein sehr erfreulicher Umstand und das Beispiel zeige, dass Philipp Müller über die Parteigrenzen hinaus Unterstützung geniesse. Jauslin ergänzt, es freue ihn natürlich auch persönlich, «dass Hanspeter Weisshaupt sich wünschen würde, dass ich als Wohler in den Nationalrat nachrutsche». Jauslin ist auf der FDP-Liste auf den ersten Ersatzplatz gewählt worden.

Humbel: Sternmarsch nach Aarau

Marianne Binder, die bei einer Wahl von Ruth Humbel für die CVP in den Nationalrat nachrutschen würde, sagt dazu: «Es ist immer falsch, jemanden zu wählen, um einen anderen Kandidaten zu verhindern.» Die CVP trete mit Ruth Humbel im zweiten Wahlgang an, weil sie sich intakte Chancen ausrechne. «Mit dieser Kandidatur zeigen wir das nötige Selbstbewusstsein, und dies ist wichtig für unsere Partei», sagt Binder.

Humbel, langjährige Spitzen-Orientierungsläuferin, setzt auf Testimonials von bekannten Persönlichkeiten. Daneben findet am Sonntag noch ein spezieller Anlass statt: Unter dem Motto «Zeit für eine gute Mitte-Politik, Zeit für Ruth Humbel in den Ständerat» wird ein Sternmarsch durchgeführt. Dieser endet um 17 Uhr auf dem Bahnhofplatz in Aarau, die Teilnehmer werden aufgefordert, «mit schönen Lichtern wie Kerzen, Fackeln und Stirnlampen» ihre Unterstützung für Ruth Humbel zu demonstrieren. Über den Online-Dienst Doodle kann man sich für den Sternmarsch anmelden. Der prominenteste Name unter den Teilnehmern ist bisher Bauernverbands-Geschäftsführer und CVP-Grossrat Ralf Bucher.