Asyl

So helfen Private im Aargau 142 jungen Flüchtlingen auf die Beine

Noch nehmen erst wenige am Unterricht teil, das Programm zur Beschäftigung von jungen Asylsuchenden läuft nun an. Bald sollen in den Räumlichkeiten in Aarau bis zu 60 Jugendliche ein- und ausgehen.

Noch nehmen erst wenige am Unterricht teil, das Programm zur Beschäftigung von jungen Asylsuchenden läuft nun an. Bald sollen in den Räumlichkeiten in Aarau bis zu 60 Jugendliche ein- und ausgehen.

Diese Woche stellt der Kanton Aargau die Ikea-Häuser für Asylsuchende vor. Sie sollen die Lage bei der Unterbringung entschärfen. Ein neues Projekt unterstützt derweil minderjährige Flüchtlinge auf dem schwierigen Weg ins Arbeitsleben.

Die Kritik am Kanton Aargau war heftig: Die unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden seien zusammen mit Erwachsenen untergebracht, würden kaum betreut. Inzwischen leben die Jugendlichen in speziellen Unterkünften.

Doch nach wie vor besteht eine Lücke bei der Betreuung — die 16- bis 18-Jährigen, deren Asylentscheid noch aussteht, fallen durch die Maschen. 110 Jugendliche sind es derzeit — Tendenz steigend. Sie sind nicht mehr schulpflichtig, aber noch nicht volljährig.

Ihre Situation: keine Tagesstruktur, keine Beschäftigung, keine Perspektive. Das muss sich ändern, finden die Verantwortlichen vom Netzwerk Asyl. Weil der Kanton Aargau für diese Jugendlichen kein Angebot bietet, wird der Verein nun aktiv: Er ruft ein neues Beschäftigungsprogramm ins Leben.

Neben Deutsch und Mathematik sollen die jungen Flüchtlinge auch «Alltagskompetenzen» erlernen, wie Projektleiter Werner Senn sagt. «Wir wollen ihnen dabei helfen, sich besser in der fremden Welt zurechtzufinden.»

Das grosse Ziel

Dabei werden sie von Freiwilligen unterstützt — bis jetzt vor allem pensionierte Lehrer. Doch gesucht wären auch Helfer mit handwerklichem Hintergrund. Denn die Jugendlichen sollen nicht nur theoretisch lernen, sondern auch praktische Erfahrungen sammeln. Kochen, Zeichnen, Velos reparieren, Werken — das Programm soll möglichst vielseitig sein. Dadurch erhöhen sich die Chancen auf ein selbstständiges Leben.

Gartenarbeit, Hausaufgaben, Zitherspiel: So leben die jugendliche Flüchtlinge in Aarau. (August 2015)

Gartenarbeit, Hausaufgaben, Zitherspiel: So leben die jugendliche Flüchtlinge in Aarau.

«Das grosse Ziel der meisten Jugendlichen ist die kantonale Schule für Berufsbildung, um sich auf den Einstieg ins Arbeitsleben vorzubereiten», sagt Senn. Dabei wolle das Projekt helfen.

Denn: «Die Flüchtlinge möglichst schnell in den Arbeitsmarkt zu integrieren, ist für die Gesellschaft genauso wichtig wie für die Jugendlichen. Verbringen sie die Tage gelangweilt und beschäftigungslos auf der Strasse, ist das für alle schlecht.»

Die halbjährige Pilotphase verlief erfolgreich, 15 junge Asylsuchende konnten bereits profitieren. Die Nachfrage nach Plätzen in solchen Programmen ist gross — der Verein kann maximal 60 Teilnehmer aufnehmen, für mehr reicht der Platz in den gemieteten Räumlichkeiten im Aarauer Telliquartier nicht.

Das Projekt ist auf 18 Monate begrenzt. Dies aus zwei Gründen: Einerseits sei es für eine freiwillige Organisation schwierig, das Angebot über längere Zeit aufrechtzuerhalten, sagt Senn.

Andererseits sei die Betreuung und Schulung der unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden Aufgabe des Kantons, nicht von Privaten. «Dem ist man sich dort bewusst, aber die Mittel sind im Moment nicht vorhanden.

Wir gehen davon aus, dass der Kanton ab 2017 oder 2018 selbst ein Angebot machen wird.» Insgesamt rechnen die Verantwortlichen mit Kosten von zwei Millionen Franken — wovon drei Viertel durch die freiwilligen Einsätze gedeckt sind.

Rund 450 000 Franken an Spenden muss das Netzwerk Asyl auftreiben, 150 000 fehlen noch. «Je mehr Mittel wir erhalten, desto mehr können wir bieten», sagt Senn. Gesucht sind Spender, die mit Geld oder Sachspenden wie Werkzeug oder Spiele einen Beitrag leisten möchten.

Kein Geld vom Kanton

Vom Kanton ist keine finanzielle Unterstützung zu erwarten, wie es beim zuständigen Departement Soziales und Gesundheit (DGS) heisst. Das Projekt sei grundsätzlich zu begrüssen, sagt Sprecher Balz Bruder. Es sei aber nicht der Fall, dass der Verein Aufgaben des Kantons übernehme. «Für die Unterbringung und Betreuung ist im Grundsatz der Kanton verantwortlich.

Ergänzende beziehungsweise unterstützende Angebote — wie zum Beispiel jene des Netzwerks Asyl — sind äusserst willkommen, weil sie in einer schwierigen Situation zur Entspannung beitragen.» Ob nach Ablauf der 18 Monate der Kanton übernehme, «wird zum gegebenen Zeitpunkt zu klären sein».

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