Corona-Kontrolle

So geht die Aargauer Polizei gegen Verstösse vor: «Es ist nicht unser Ziel, Tausende von Bussen zu verteilen»

Trotz der Corona-Krise: Das Hauptaugenmerk der Polizei liegt nach wie vor wo anders.

Trotz der Corona-Krise: Das Hauptaugenmerk der Polizei liegt nach wie vor wo anders.

Kantons- und Regionalpolizisten wollen bei der Corona-Kontrolle mit Augenmass vorgehen. Der Fokus liegt weiterhin bei Verbrechensbekämpfung und Bearbeitung von Notrufen. Darum appelliert die Polizei an die Eigenverantwortung der Menschen.

Im Mojo-Take-away in der Telli Aarau zeigen geklebte Kreuze am Morgen, wie viel Abstand die Kunden beim Anstehen halten sollen. «Die Polizei war am Morgen schon da und hat kontrolliert», sagt der Betreiber. Solche Aktionen dürften aber die Ausnahme bleiben. Zwar ist es Aufgabe der Kantons- und Regionalpolizisten im Aargau, die Vorgaben des Bundes umzusetzen.

Das heisst: überprüfen, ob die Läden tatsächlich geschlossen sind, ob keine Veranstaltungen durchgeführt werden, ob die Hygienemassnahmen in denjenigen Läden, die noch offen sind, eingehalten werden. Nur: Um all dies zu tun, dazu fehlen schlicht die Ressourcen.

Die Prioritäten liegen woanders, sagt René Lippuner, ­Präsident des Verbands der Aargauer Regionalpolizeien. Er appelliert an die Eigenverantwortung der Menschen: «Wir reden mit den Leuten und informieren sie. Unser Ziel ist es nicht, wie in Italien, Tausende Bussen verteilen zu müssen.» Nur wenn sich die Leute renitent weigerten, die Vorschriften einzuhalten, würde die Polizei eingreifen.

Fokus liegt weiterhin bei Verbrechensbekämpfung

Dann könne es auch Anzeigen geben. Lippuner betont aber auch: Wenn die Vorschriften jetzt nicht eingehalten werden, wird der Bund sie vermutlich nochmals verschärfen, möglicherweise bis hin zu einer Ausgangssperre. Und die müsste die Polizei dann rigoros umsetzen.

Trotz der Corona-Krise: Das Hauptaugenmerk der Polizei liegt nach wie vor wo anders. Dazu sagt der Kommunikationschef der Kantonspolizei, Roland Pfister: «Wir müssen immer noch in der Lage sein, auf Notrufe reagieren zu können.» Auch in Zeiten von Corona kommt es zu Einbrüchen, zu Bränden, zu Gewaltdelikten.

Die Straftaten könnten sich aber in einer Gesellschaft, die praktisch still steht, verändern. Bei der Kantonspolizei macht man sich auf alle Fälle Gedanken dazu. So könne es durchaus sein, dass die Anzahl Einbrüche zurückgeht. Denn zahlreiche Einbrüche werden von Kriminaltouristen begangen, und da die Grenzen für Ausländer praktisch geschlossen sind, kommen diese gar nicht mehr in die Schweiz. Auch die Anzahl Verkehrsunfälle dürfte zurückgehen, vermutet die Kapo.

Weil die Menschen wegen der Corona-Krise vermehrt zu Hause sind, befürchtet die Polizei hingegen eine Zunahme von Delikten mit häuslicher Gewalt. Spezielle Herausforderungen stellen sich den Polizisten dann, wenn die Fälle im Umfeld von Personen vorkommen, die mit dem Corona-Virus infiziert sind. Für diese Fälle verfügen Patrouillen über Schutzausrüstungen, so Pfister. Zudem würde man dann auch medizinische Fachleute beiziehen. Denn es müsse unbedingt verhindert werden, dass sich Polizisten mit Corona anstecken und nicht mehr ausrücken können.

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