Ständeratswahlen

So geben sich Knecht und Humbel nach ihrer Wahl-Niederlage

Ihr Lachen trotz Niederlage nicht verloren: Hansjörg Knecht und Ruth Humbel.

Ihr Lachen trotz Niederlage nicht verloren: Hansjörg Knecht und Ruth Humbel.

Philipp Müller überholt im zweiten Wahlgang zu den Aargauer Ständeratswahlen Hansjörg Knecht. Ruth Humbel blieb chancenlos. Der «stille Schaffer» der SVP und die CVP-Nationalrätin zu der Niederlage im zweiten Wahlgang.

Knecht: «Man spürte einen Anti-SVP-Reflex»

Nationalrat Hansjörg Knecht kam als guter Verlierer nach Aarau, um Philipp Müller zu gratulieren. Am Schluss fehlten 10 000 Stimmen, dabei war er nach sieben Bezirken noch gleichauf mit Müller: «Ich hätte in diesen sieben Bezirken einen deutlicheren Vorsprung erarbeiten müssen, da Philipp Müller in den folgenden, eher städtischen Gebieten nachher mehr Stimmen geholt hat.

Am Schluss war es aber keine Überraschung», so Knecht. Warum nicht? Er selbst habe in den Landgemeinen wie schon im ersten Wahlgang gut abgeschnitten, Müller in den eher städtischen. Zudem komme er, Knecht, aus dem einwohnermässig schwächsten Bezirk.

Da schwang er deutlich obenauf, gesamtkantonal sind dies aber relativ wenig Stimmen. Die Enttäuschung sei natürlich da, er freue sich jetzt aber auf die weitere Arbeit im Nationalrat, es gebe viel zu tun, das wolle er jetzt anpacken.

«Ich wusste, dass ich kaum über das Potenzial meiner eigenen Partei hinauskommen werde, wir haben es aber versucht. Schliesslich bin ich ein konsensfähiger Sachpolitiker. Ruth Humbel hat zu wenig Stimmen aus der Mitte und von links geholt», meint Knecht schmunzelnd.

«Ich habe vor allem auch im 2. Wahlgang wegen des grossen Erfolgs bei den Nationalratswahlen einen Anti-SVP-Reflex gespürt», so Knecht. Etwa in Leserbriefen oder Online-Kommentaren.

Insgesamt ist Knecht mit dem Resultat aber zufrieden, «denn unsere eigene Wählerschaft haben wir sehr gut mobilisieren können. Im ersten Wahlgang ist es uns sogar gelungen, mit 43 Prozent darüber hinaus Stimmen zu holen.»

Ein Fest mache man am Abend nicht, so Knecht. Seine Frau – die ihn gestern zur Gratulation an Philipp Müller nach Aarau begleitet hat – sei auch froh, dass sie nun wieder etwas Ruhe hat. Sie gingen also einfach privat essen. 

Enttäuscht – aber mit Blick nach vorne: Ruth Humbel verliert den zweiten Aargauer Ständeratswahlgang.

Enttäuscht – aber mit Blick nach vorne: Ruth Humbel verliert den zweiten Aargauer Ständeratswahlgang.

Humbel: «Es kam grosser Kampfgeist auf»

Auch Ruth Humbel kam als faire Verliererin nach Aarau, um Philipp Müller zu gratulieren. Wie enttäuscht ist die CVP-Nationalrätin angesichts des doch deutlichen Rückstands auf Philipp Müller und Hansjörg Knecht?

Ruth Humbel: «Wenn ich die Prognose von Urs Haeny, die vor einer Woche publiziert wurde, anschaue, so habe ich doch 10 000 Stimmen mehr gemacht. Ich habe als Einzige der drei Kandidaten gegenüber dem ersten Wahlgang meine Stimmenzahl erhöht – und sogar deutlich.

Das zeigt, ich hatte die breite Unterstützung aus der Mitte und bis links, von Parteien, von Frauenorganisationen, weiteren Organisationen und vielen bekannten Persönlichkeiten.»

Dass offenbar aber doch viele aus dem rot-grünen Lager daheim geblieben und den Wahlkampf den Bürgerlichen überlassen haben, sieht auch Humbel. Offenbar habe man diese Wählerinnen und Wähler zu wenig mobilisieren können, so Humbel.

«Zudem hat die az-Diktion ‹Wer Humbel wählt, wählt Knecht› viele Wählerinnen und Wähler verunsichert. Das habe ich persönlich oft gehört.» Ist im Nachgang nicht mit Verstimmungen zwischen SVP, FDP und CVP zu rechnen, weil die CVP so deutlich auch nach Stimmen von rot-grün gefischt hat?

«Das glaube ich überhaupt nicht», sagt Humbel, «ich stelle aber fest, dass ich in der CVP sehr grosse Unterstützung und Engagement erfahren durfte. Es kam grosser Kampfgeist auf. Es war gut, dass wir in diesen zweiten Wahlgang gestiegen sind. Den so wieder geweckten Kampfgeist nehmen wir in die Grossratswahlen 2016 mit.» In einer Woche startet die Wintersession in Bern. Da will Humbel ihre Arbeit im Nationalrat «mit voller Energie weiterführen». 

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