Grossratspräsident

So feiert Aarau den neuen höchsten Aargauer Marco Hardmeier

Der 39-jähriger Schulleiter Marco Hardmeier (SP) ist vom Aargauer Kantonsparlament zum neuen Grossratspräsidenten gewählt worden. Selbst sieht sich als Vertreter eines vielfältigen und farbigen Kantons, wie er an der Feier sagte.

Die Uhr schlägt sieben, als im grossen Saal des Kultur- und Kongresshauses (KuK) in Aarau das Licht heruntergefahren wird. 300 geladene Gäste aus dem ganzen Kanton erwarten an liebevoll geschmückten und nurmehr mit Kerzen erleuchteten Tischen Marco Hardmeier (SP) – den Stunden zuvor zum neuen Grossratspräsidenten gewählten Wahlaarauer. Dann zieht er, angekündigt von Moderator Jürgen Sahli, zu den Klängen von «Io senza te» von Peter, Sue & Marc in Begleitung von Partner Angelo Barrile und der Göttikinder strahlend in den Saal ein.

«Liebevoll» und mit Humor: Die besten Momente aus Marco Hardmeiers Antrittsrede.

«Liebevoll» und mit Humor: Die besten Momente aus Marco Hardmeiers Antrittsrede.

Stadtpräsidentin Jolanda Urech erinnert dann in der ersten abendlichen Kurzansprache daran, dass es Hardmeier als Luzerner vor 16 Jahren nach Aarau verschlagen hat. Dass er immer noch da ist, sei eine «rüüdige Sache». Sie versteht Hardmeier aber offenkundig, schliesslich sei Aarau eine Kleinstadt, «die man einfach gern haben muss». Grüsse und Gratulationen gibt es natürlich auch von der komplett anwesenden Regierung, überbracht von Frau Landammann Susanne Hochuli. Sie lobt Hardmeiers Fairness und Gerechtigkeitssinn, als Schulleiter wisse er zu vermitteln, sei auch ein Mediator.

Allerorten werde der Gürtel jetzt enger geschnallt, so Hochuli weiter. In Anspielung auf die Aargauer Sparprogramme sagt sie, einige meinten, jetzt sei ein gesunder Body Mass Index erreicht. Andere meinten, noch kleine Pölsterchen zu entdecken, wieder andere sähen solche beim besten Willen nicht mehr.

Freundlichkeit kann gefährlich sein

Ein ganzer Reigen von lobenden Grussworten erfüllt schliesslich den Saal. SP-Co-Fraktionspräsident Dieter Egli ist sicher, dass der Aargau mit Hardmeier «diplomatischer, integrativer, humorvoller und freundlicher» werde. Hardmeiers Freundlichkeit könne aber auch gefährlich sein. Egli: «Je freundlicher er ist, desto unnachgiebiger ist er, wenn er etwas will.»

Zwischen weiteren Ansprachen von Obergerichtspräsident Guido Marbet, dem abtretenden Grossratspräsidenten Markus Dieth und einer Schlussansprache von Hardmeier selbst gibt es ein Bankett. Der Abend startet mit einem feinen winterlichen Blattsalat mit Feigen-Taleggiokäsecrostini, Sprossen, gerösteten Kernen, Zimtcroûtons an Orangendressing. Als Hauptspeise wird Poulet Saltimbocca an leicht pikanter Tomatensalsa mit Kartoffelgratin und Wintermarktgemüse serviert.

Natürlich gibts auch ein Vegi-Menü. Und schliesslich ein feines Dessert. Das Essen mundet augenscheinlich, die anwesende Prominenz aus Politik, Kultur, Wirtschaft, Militär und Gesellschaft unterhält sich angeregt. Unter den Gästen sind auch die Ständeräte Pascale Bruderer und Philipp Müller sowie zahlreiche Nationalräte, unter denen die SVP auch an diesem Abend die grösste Zahl stellt. Sichtlich wohl fühlt sich hier auch Andreas Glarner. 

Wein aus dem Aargau und Sizilien

Der kredenzte Weisswein ist aus Elfingen, der Rotwein als Hommage an die ursprüngliche Herkunft von Hardmeiers Partner, dem Zürcher SP-Nationalrat Barrile, aus Sizilien. Ob Hardmeier heute, am Tag nach dem Bankett, seinem Motto «No Sports» kurz untreu wird? Die SP-Fraktion im Grossen Rat überlegte sich laut Dieter Egli jedenfalls, ihm einen Langlauf- oder Tenniskurs zu schenken, verzichtete dann aber darauf.

Apéro für alle in der Markthalle

Vor dem Abendanlass brach Hardmeier mit einer Tradition im Grossen Rat. Den traditionellen Apéro für die Ratsmitglieder verlegte er in die Markthalle und lud auch die Bevölkerung dazu ein. Die nutzte diese Gelegenheit gern. Schülerinnen und Schüler aus dem Wettinger Schulhaus, dem Hardmeier vorsteht, boten ihrem sichtlich gerührten «Chef» eine heftig applaudierte musikalische Aufführung.

Nach seiner Wahl am frühen Nachmittag hatte sich Hardmeier im Grossen Rat für das ihm ausgesprochene Vertrauen bedankt: «Wir stehen in der Verantwortung für alle unsere Mitmenschen, für die Gemeinschaft der hier Lebenden, für die Umwelt. Und wir alle mögen unseren Kanton und wollen ihn weiter verbessern. So vielfältig, so farbig, so vielschichtig wie unser Kanton ist, so sind die Menschen in diesem Parlament. Und das ist auch gut so.» 

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