Nationalrat

So bereiten sich die vier neuen Nationalräte auf ihr Amt vor

Gemeinsam gewählt: Andreas Glarner und Thomas Burgherr im Grossratskeller – wie gehts jetzt weiter?

Gemeinsam gewählt: Andreas Glarner und Thomas Burgherr im Grossratskeller – wie gehts jetzt weiter?

Thomas Burgherr bleibt der SVP-Präsident, Jonas Fricker stellt grünes Präsidium zur Diskussion – er sei ein Gegner von Amtskumulation. SVP-Hardliner Glarner will auch «so schnell wie möglich» das Fraktionspräsidium zurückgeben.

Der Aargau schickt neu 16 Nationalräte nach Bern, darunter 12 Bisherige und vier Neue. Wir wollten von den vier Neuen wissen, wie sie sich die dafür nötige Zeit freischaufeln. Immerhin rechnet man für ein Nationalratsmandat mit einem Zeitaufwand von rund 50 Prozent.

Das ist klar mehr als für das Engagement als Grossrat. Und verträgt sich dies mit einem Parteipräsidium? Für Thomas Burgherr ist klar: Er bleibt Präsident der SVP Aargau. Jonas Fricker ist bis im Frühling als Präsident der Grünen gewählt. Auf jenen Zeitpunkt will er dieses Amt zur Diskussion stellen. Fricker macht klar: «Ich bin ein Gegner von Ämterkumulationen.»

Burgherr und Andreas Glarner (SVP) werden ihr Grossratsmandat zurückgeben, Glarner folglich auch das Fraktionspräsidium, und zwar «so schnell wie möglich». Derweil macht Thierry Burkart (FDP) erst eine grosse Auslegeordnung und entscheidet dann, wo er sich entlasten wird.

Die neu gewählten Nationalräte freuen sich nicht nur alle auf ihre neue Aufgabe; sie wissen auch schon, in welcher Kommission sie sich engagieren wollen – wenn ihre Partei sie denn lässt.

Ein Küsschen für Andreas Glarner: "Ich habe eine 'Schiissfreud' - aber dieses Amt ist auch eine Bürde."

Ein Küsschen für Andreas Glarner: "Ich habe eine 'Schiissfreud' - aber dieses Amt ist auch eine Bürde."

Reaktionen Nationalratswahl Aargau: Die FDP-Abgeordneten Thierry Burkart und Corina Eichenberger im Interview

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Beim Präsidenten der kantonalen SVP, Thomas Burgherr, war am Sonntag Feiern angesagt – natürlich auch, weil die SVP ein Allzeithoch erreicht hat. Trotzdem war Burgherr um Mitternacht im Bett. Und am Montag um halb fünf wieder auf den Beinen. Wie holt er sich als Unternehmer die Zeit fürs neue Mandat? Er unterrichtet seit 25 Jahren an der Berner Fachhochschule in Biel, aktuell in einem 40-Prozent-Pensum. Dieses hat er gestern gekündigt: «Schweren Herzens gebe ich es auf und nutze die gewonnene Zeit fürs Nationalratsmandat.» Im eigenen Unternehmen (er hat bereits einen Geschäftsführer) wird er Arbeiten delegieren müssen, aber immer noch operativ tätig sein. Das Parteipräsidium wird er behalten, das Grossratsmandat bis Ende Dezember abgeben. Er möchte bei der Behandlung eigener Vorstösse noch dabei sein. Für ihn nachrutschen wird der Gemeindeammann von Uerkheim, Markus Gabriel. In Bern interessiert sich Burgherr für die Mitgliedschaft in der Wirtschaftskommission WAK.

Burgherr kündigt sein Fachhochschulpensum

Beim Präsidenten der kantonalen SVP, Thomas Burgherr, war am Sonntag Feiern angesagt – natürlich auch, weil die SVP ein Allzeithoch erreicht hat. Trotzdem war Burgherr um Mitternacht im Bett. Und am Montag um halb fünf wieder auf den Beinen. Wie holt er sich als Unternehmer die Zeit fürs neue Mandat? Er unterrichtet seit 25 Jahren an der Berner Fachhochschule in Biel, aktuell in einem 40-Prozent-Pensum. Dieses hat er gestern gekündigt: «Schweren Herzens gebe ich es auf und nutze die gewonnene Zeit fürs Nationalratsmandat.» Im eigenen Unternehmen (er hat bereits einen Geschäftsführer) wird er Arbeiten delegieren müssen, aber immer noch operativ tätig sein. Das Parteipräsidium wird er behalten, das Grossratsmandat bis Ende Dezember abgeben. Er möchte bei der Behandlung eigener Vorstösse noch dabei sein. Für ihn nachrutschen wird der Gemeindeammann von Uerkheim, Markus Gabriel. In Bern interessiert sich Burgherr für die Mitgliedschaft in der Wirtschaftskommission WAK.

SVP im Aargau im Hoch: «Das ist fantastisch», freut sich Parteipräsident Thomas Burgherr am Wahlsonntag.

SVP im Aargau im Hoch: "Das ist fantastisch", freut sich Parteipräsident Thomas Burgherr am Wahlsonntag.

Der SVP-Fraktionschef Andreas Glarner will nach seiner Wahl in den Nationalrat das Fraktionspräsidium «so schnell wie möglich abgeben». Wer wird ihn beerben? Glarner will nicht vorgreifen, entscheiden werde die Fraktion. Er könnte sich aber «vorstellen, dass es Jean-Pierre Gallati sehr gut machen würde.» Auch sein Grossratsmandat will er abgeben. Doch wer auf ihn folgt, ist noch offen. Von der SVP-Liste sei schon einer nachgerutscht, der nächste sei inzwischen Bezirksrichter, komme deshalb nicht mehr in-frage. Ansonsten will Glarner «versuchen, noch etwas effizienter zu werden», will aber nirgendwo sonst kürzer treten. In Bern nimmt er sich vor, in der Fraktion eine aktive Rolle zu spielen. Wird er dort jetzt der neue Mörgeli? Er habe grossen Respekt vor dessen Leistung, Mörgeli sei ein brillanter Stratege, er habe die Parteiprogramme geschrieben, sagt Glarner, aber: «Wenn es einen Scharfmacher braucht, bin ich wohl prädestiniert dafür.»

«Bin wohl prädestiniert als Scharfmacher»

Der SVP-Fraktionschef Andreas Glarner will nach seiner Wahl in den Nationalrat das Fraktionspräsidium «so schnell wie möglich abgeben». Wer wird ihn beerben? Glarner will nicht vorgreifen, entscheiden werde die Fraktion. Er könnte sich aber «vorstellen, dass es Jean-Pierre Gallati sehr gut machen würde.» Auch sein Grossratsmandat will er abgeben. Doch wer auf ihn folgt, ist noch offen. Von der SVP-Liste sei schon einer nachgerutscht, der nächste sei inzwischen Bezirksrichter, komme deshalb nicht mehr in-frage. Ansonsten will Glarner «versuchen, noch etwas effizienter zu werden», will aber nirgendwo sonst kürzer treten. In Bern nimmt er sich vor, in der Fraktion eine aktive Rolle zu spielen. Wird er dort jetzt der neue Mörgeli? Er habe grossen Respekt vor dessen Leistung, Mörgeli sei ein brillanter Stratege, er habe die Parteiprogramme geschrieben, sagt Glarner, aber: «Wenn es einen Scharfmacher braucht, bin ich wohl prädestiniert dafür.»

Auch Thierry Burkart schlief in der Nacht auf gestern sehr gut. Er war todmüde, als er nach Hause kam. Erstmals hatte er etwas Zeit für sich: «Da erst wurde mir richtig bewusst, was geschehen ist.» Doch was tut der Badener Anwalt jetzt, um Zeit fürs Mandat zu gewinnen? Er rechnet mit einem 50-Prozent-Pensum, wird jetzt eine grosse Auslegeordnung inklusive Grossratsmandat machen und analysieren, was er weiterführen und wo er kürzertreten will. Burkart: «Dafür und für das Gespräch mit meinen Kanzleikollegen nehme ich mir Zeit.» In der Fraktion in Bern wird er seine Wünsche für eine Kommission vorbringen. Er wisse aber, dass die «Neuen» hinten anstehen müssen. Welche Kommission er avisiert, sagt er nicht. Viel Fantasie braucht es aber nicht, sich auszumalen, wohin es den kantonalen TCS-Präsidenten drängt. Um eine Übernachtungsmöglichkeit in Bern muss er sich nicht sorgen. Seine Schwester wohnt dort. Burkart freut sich: «So sehe ich auch meinen Göttibuben und meinen Neffen häufiger.»

Burkart macht erst eine grosse Auslegeordnung

Auch Thierry Burkart schlief in der Nacht auf gestern sehr gut. Er war todmüde, als er nach Hause kam. Erstmals hatte er etwas Zeit für sich: «Da erst wurde mir richtig bewusst, was geschehen ist.» Doch was tut der Badener Anwalt jetzt, um Zeit fürs Mandat zu gewinnen? Er rechnet mit einem 50-Prozent-Pensum, wird jetzt eine grosse Auslegeordnung inklusive Grossratsmandat machen und analysieren, was er weiterführen und wo er kürzertreten will. Burkart: «Dafür und für das Gespräch mit meinen Kanzleikollegen nehme ich mir Zeit.» In der Fraktion in Bern wird er seine Wünsche für eine Kommission vorbringen. Er wisse aber, dass die «Neuen» hinten anstehen müssen. Welche Kommission er avisiert, sagt er nicht. Viel Fantasie braucht es aber nicht, sich auszumalen, wohin es den kantonalen TCS-Präsidenten drängt. Um eine Übernachtungsmöglichkeit in Bern muss er sich nicht sorgen. Seine Schwester wohnt dort. Burkart freut sich: «So sehe ich auch meinen Göttibuben und meinen Neffen häufiger.»

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