Wer erwischt wird, wenn er am Steuer ein SMS schreibt, kommt an die Kasse: In der Schweiz haben im vergangenen Jahr 10232 Autolenker ihren Ausweis wegen Unaufmerksamkeit und Ablenkung abgeben müssen. Der Bund stellte eine Steigerung um fast 7 Prozent fest.

Die Tendenz ist auch im Kanton Aargau zu spüren. Das Bedienen von Smartphones oder Navigationsgeräten wird unter dem Begriff «Ablenkung» erfasst, erklärt Martin Bruder, Leiter Sektion Massnahmen im Departement Volkswirtschaft und Inneres (DVI). Gegenüber 78 Entzügen «aufgrund dieser Ablenkungen» im Jahr 2011 sei die Zahl auf 95 Entzüge im letzten Jahr angestiegen.

Ein Zusammenhang mit der allgemeinen Zunahme an Smartphones sei zwar durchaus naheliegend, ist gemäss Bruders Kenntnisstand – «zum Beispiel mittels empirischer Studien» – nicht erwiesen. «Die Art des bedienten Gerätes wird zumindest beim Strassenverkehrsamt nicht erfasst.»

Jeder Fall wird geprüft

Mediensprecher Bernhard Graser von der Kantonspolizei Aargau pflichtet bei: Das Schreiben von SMS stelle kein eigenständiger Tatbestand dar. Grundsätzlich müsse der Fahrzeugführer – so will es die Verkehrsregelverordnung – seine Aufmerksamkeit der Strasse und dem Verkehr zuwenden und dafür sorgen, dass seine Aufmerksamkeit nicht beeinträchtigt werde. Unter diesen Tatbestand fallen laut Graser also verschiedene Tätigkeiten, wie beispielsweise auch das Lesen von Lieferscheinen oder das Essen eines Hamburgers. «Wir führen jedoch keine Statistik.»

Nicht immer muss bei Ablenkung der Ausweis abgegeben werden, führt Martin Bruder vom DVI aus. Es könne auch zu einer Verwarnung oder in besonders leichten Fällen zu gar keiner Administrativmassnahme kommen. «Hier gibt es kein Schematismus.» Die Fälle müssten einzeln betrachtet und im konkreten Fall auf den Grad der entstandenen Gefährdung geprüft werden.

Komme es zu einem Ausweisentzug, hänge die Dauer des Entzugs vom Einzelfall und auch vom fahrerischen Leumund ab. Nebenbei, so bemerkt Bruder, sei reines Telefonieren am Steuer ein Ordnungsbussentatbestand und gebe somit keinen Ausweisentzug.

Zu schnell, zu viel Alkohol

In der ganzen Schweiz wurden im vergangenen Jahr 76196 Führerausweise entzogen, 717 weniger als im Jahr 2011. Das zeigen die Zahlen aus dem Administrativmassnahmenregister des Bundesamts für Strassen (Astra). Hauptgründe für die Ausweisentzüge sind wie in den letzten Jahren das Überschreiten der Höchstgeschwindigkeit sowie Alkohol am Steuer.