Eine Handvoll Futter fliegt ins Wasser und schon zappeln die Forellen im Netz. Sie werden irgendwann auf einem Teller landen, vorerst lässt sie August Nadler wieder schwimmen. In der Rohrer Fischzucht wachsen nicht nur Speisefische heran, sondern auch jene Bachforellen, die in den Aargauer Gewässern ausgesetzt werden.

Wozu bislang eine einzige Population gezüchtet wurde, müssten es künftig bis zu 35 sein. So viele Einheiten jedenfalls empfehlen die Studienautoren. «Wie weit sich dies verwirklichen lässt, ist offen», sagt Nadler. Fest stehe aber: «Künftig werden nur noch selektiv Forellen ausgesetzt.»

Lange ein gutes Geschäft

Als Mitglied der Fischereikommission hat Nadler die genetische Untersuchung von Anfang an mitbekommen. «Ich war neugierig, was dabei rauskommen würde.» Doch das, was die Studie hervorgebracht hat, sei dann doch in einem gewissen Sinne ernüchternd gewesen, sagt er. «Ganz vergeblich war der Besatz zwar nicht. Doch die Spuren, die von den Zuchtfischen gefunden wurden, waren bei weitem nicht im erwarteten Ausmass.» Von den wissenschaftlichen Erkenntnissen lässt sich Nadler nicht entmutigen. Existenzielle Ängste seien nie aufgekommen. Das hat auch damit zu tun, dass sich der Trend weg vom Besatz ein wenig abgezeichnet habe – auch deshalb, weil bereits bei den Äschen genetische Untersuche ähnliche Ergebnisse hervorgebracht hatten.

War der Verkauf von Forellen, die zum Aussetzen gebraucht werden, lange ein gutes Geschäft, ist die Nachfrage in den letzten drei Jahren bereits zurückgegangen. In Spitzenzeiten verkaufte Nadler jährlich bis zu 130 000 Forellen für den Besatz in Aargauer Fliessgewässern. Wie viele es künftig sein werden, ist offen. Klar ist: In seinem Betrieb, den er in dritter Generation führt, dürfte sich der Aufwand für die Zucht deutlich erhöhen. Aus den einzelnen Gewässern müssten die Muttertiere abgefischt, deren befruchtete Eier ausgebrütet, die kleinen Fische separat aufgezogen und wieder am gleichen Ort ausgesetzt werden. Bei einem Rundgang auf dem Areal der Zucht zeigt Nadler, wie sich dies realisieren liesse. «Das kann auch eine Chance sein», sagt er. Für ihn selbst oder wohl eher für seinen Nachfolger, wie er kurz darauf anfügt. August Nadler, letztes Jahr 65 geworden, möchte den Betrieb verkaufen, in dem er während fünf Jahrzehnten gearbeitet hat.

Sollte Nadlers Nachfolger dereinst mit der Zucht von Forellen für den Besatz aufhören, könnte Bernhard Kaufmann einspringen. «Ich wäre sicher daran interessiert, dass die Aufzucht im Kanton Aargau bleibt.» In seinem Zuchtbetrieb Aquacultur in Klingnau konzentriert er sich bislang auf Zander. Die Forellenzucht würde für Kaufmann aber nur dann zur Option, wenn die Fischzucht Nadler aus diesem Geschäft aussteigen würde, betont er. «Ich will niemanden konkurrenzieren.»