TalkTäglich

Sind Aargauer Lehrer resistenter als die Zürcher? Bildungsdirektoren erklären unterschiedliche Lösungsansätze

Sind Aargauer Lehrer resistenter als die Zürcher? Bildungsdirektoren erklären unterschiedliche Lösungsansätze in der Sendung TalkTäglich vom 4. Mai.

Schulbeginn nach dem Lockdown — Aussschnitte aus dem TalkTäglich.

Am Montag öffnen die Schulen wieder. Zwar gibt es Vorgaben vom Bund, trotzdem haben die Kantone viel Spielraum, wie sie das Konzept umsetzen wollen. So kann es vorkommen, dass in Schulen, die nur wenige Kilometer auseinander liegen, ganz anders unterrichtet wird. Der Aargauer Bildungsdirektor Alex Hürzeler (SVP) und seine Kollegin aus Zürich, Silvia Steiner (CVP), verteidigen im TalkTäglich den Föderalismus.

Wenn am Montag die Schüler in Dietikon nach der Corona-Pause wieder in ihre Klassen dürfen oder müssen, dann werden sie nur in kleinen Gruppen arbeiten. Jede Klasse, die mehr als 15 Schüler hat, wird aufgeteilt. Die eine Gruppe wird am Morgen, die andere am Nachmittag unterrichtet. Diejenigen Kinder, die nicht in der Schule sind, lösen Aufgaben zu Hause – so sieht es der Kanton Zürich vor.

Etwas anders sieht es in der Nachbargemeinde Spreitenbach aus, dort werden die Klassen nicht geteilt, es sitzen also bis zu 25 Kinder in einem Zimmer. Braucht es angesichts dieses «Kantönligeists» nicht eine nationale, einheitliche Lösung? Diese Frage stellt TalkTäglich-Moderator Markus Gilli dem Aargauer Bildungsdirektor Alex Hürzeler. «Das wäre der falsche Weg», zeigt sich dieser überzeugt. «Gerade im Bereich Volksschule leben wir das seit Jahrhunderten. Die Kantone setzen hier auch ohne Corona ihre eigenen Lösungen um.» Promotionsordnungen, Klassengrössen, die Finanzierung – viele Fragen würden unterschiedlich geregelt, und das sei auch gut so.

Auch Silvia Steiner verteidigt den Föderalismus: «Ich glaube, Alex Hürzeler hat bei sich eine Lagebeurteilung gemacht, und das gleiche habe ich gemacht. Bei uns gibt es wohl viele Lehrpersonen, die zur Risikogruppe gehören, das mussten wir einbeziehen.» Zudem gäbe es viele Eltern, die Panik hätten.

Hürzeler sieht die Verantwortung beim Bundesrat: «Er gibt den Takt vor, und die Expertinnen und Experten haben entschieden, dass es keine Auflagen bezüglich Klassengrösse braucht. Auch im Vollunterricht sei es zudem möglich, in manchen Fällen in Halbklassen zu unterrichten.» Das Bundesamt für Gesundheit habe die Fragen zur Gesundheit beantwortet, jeder Kanton beantworte nun die Fragen betreffend Pädagogik und Organisation.

Dagmar Rösler, Präsidentin des Dachverbandes Lehrerinnen und Lehrer Schweiz, hätte eine national einheitliche Lösung begrüsst. «Hätten wir ein einheitliches Konzept, dann wäre es einfacher gewesen, die Lage zu erklären und Vertrauen zu schaffen.»

Eltern werden nicht gebüsst

Was passiert, wenn besorgte Eltern ihre Kinder einfach nicht zur Schule schicken? Werden sie gebüsst? «Ich glaube, es wäre der falsche Weg, wenn wir versuchen würden, mit Repression das Vertrauen wieder herzustellen. Die Leute haben Angst und Zweifel», sagt Steiner. Das Konzept sei extra so gewählt, weil man so auf die Kinder individuell eingehen könne. Kommt ein Kind nicht zur Schule, dann werde die Lehrperson das Gespräch mit den Eltern suchen. Auch im Aargau werde dies so gehandhabt, erklärt Hürzeler: «Die Entscheidungsträger sind die Schulen, davon haben wir über 200, da ist es sowieso überall etwas anders.»

Bei den Maturaprüfugen gehen die beiden Kantone ebenfalls andere Wege. Im Kanton Zürich finden keine schriftlichen Prüfungen statt. Stattdessen beruht das Zeugnis der Maturanden auf Erfahrungsnoten. Nur diejenigen Schüler, die aufgrund der Vornoten nicht bestehen, haben die Gelegenheit, eine Prüfung abzulegen. «Hier geht es um Ressourcenplanung», erklärt Steiner. «Wir hätten die Prüfung völlig neu konzipieren müssen. Und viele der Prüflinge hatten ganz unterschiedliche Möglichkeiten, am Fernunterricht teilzunehmen.» Es sei so nicht garantiert, dass alle die gleichen Chancen hätten. Im Aargau würden die schriftlichen Prüfungen durchgeführt, die mündlichen nicht, so Hürzeler: «Man übt eine ganze Bildungskarriere auf die Maturaprüfung. Es kann ja nicht sein, dass man dann wegen der letzten paar Wochen nicht die richtige Prüfungsvorbereitung hat.» Das müsse in den dreieinhalb Jahren vorher geschehen. 

Schulbeginn nach dem Lockdown

Die ganze Sendung: Schulbeginn nach dem Lockdown

      

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