Bezirksgericht Aarau

Sieben Jahre Gefängnis für Sozialarbeiter: «Ich habe den Opfern sicher viel Leid zugemutet»

Einem der Opfer muss der Beschuldigte zudem eine Genugtuung von 20'000 Franken zahlen. (Symbolbild)

Einem der Opfer muss der Beschuldigte zudem eine Genugtuung von 20'000 Franken zahlen. (Symbolbild)

Er hatte sich jahrelang an minderjährigen Buben aus zerrütteten Familien vergangen – jetzt wurde er verurteilt. Zu Gunsten einer psychiatrischen Behandlung wird der Strafvollzug aufgeschoben.

Er hatte seine Opfer – Teenagerbuben im Alter zwischen 14 und 15 Jahren – immer auf der Arbeit kennen gelernt. Franco (Name geändert) arbeitete zuerst in einem Kinderheim, dann leitete er als Sozialpädagoge eine Jugendfachstelle im Aargau, und zuletzt war er sogar als Schulsozialarbeiter im Aargau angestellt. Er, der als Ansprech- und Vertrauensperson den Jugendlichen hätte helfen sollen, nutzte diese aus, um seine sexuellen Bedürfnisse zu befriedigen. Dies gab er vor Gericht selbst zu. «Ich habe meine Machtposition und ihre emotionale Abhängigkeit ausgenutzt für meine Bedürfnisse und den Opfern sicher viel Leid zugemutet», sagte der 46-Jährige, als er am Schluss der Verhandlung um Vergebung bat.

Seine Störung ist laut Gutachterin nicht heilbar

Eine Gutachterin attestierte ihm eine Störung der Sexualpräferenz. Franco fühle sich hingezogen zu Kindern und jungen Pubertierenden. «Diese Störung wird ein Leben lang bestehen bleiben», sagte sie gegenüber den Aarauer Bezirksrichtern. Sie sei nicht heil-, aber therapierbar. «Unternimmt man nichts, ist die Rückfallgefahr extrem hoch.»

Der Sozialarbeiter sei gezielt und immer ähnlich vorgegangen, erklärte die Gutachterin: «Er konnte präzise darlegen, wie er einzelne Schritte anwendete, um die Pubertierenden gefügig zu machen.» Er habe sich bewusst Jugendliche aus zerrütteten Familien ausgesucht, weil er wusste, dass er bei solchen aus einem stabilen sozialen Umfeld keine Chance hatte.

Aufgeflogen weil Behörden einen Pädophilenring sprengten

Franco baute Vertrauen auf, war als Helfer da, fand heraus, was die Jugendlichen gerne unternahmen. Er bot ihnen Marihuana und Alkohol an. Sowie regelmässige Übernachtungsmöglichkeiten, wenn es zu Hause wieder einmal schwierig wurde. «In einem dritten Schritt machte er eine langsame Annäherung an die Sexualität. Etwa nebeneinander schlafen oder zufällige Berührungen.» Zuletzt kam es mit allen drei Opfern zu Anal- oder Oralverkehr.

Aufgeflogen war er, weil die deutschen Behörden einen Pädophilenring sprengten. Franco hatte online nach einem minderjährigen Prostituierten gesucht und dessen Dienste für 400 Euro in Anspruch genommen. In der Folge durchsuchten die Behörden Francos Wohnung und beschlagnahmten sein Mobiltelefon.

Nur eines der Opfer erschien vor Gericht

Das Bezirksgericht Aarau verurteilt ihn nun zu einer Freiheitsstrafe von 7 Jahren. Der Strafvollzug wird aufgeschoben zu Gunsten einer stationären psychiatrischen Behandlung. Ausserdem wird ihm ein lebenslanges Tätigkeitsverbot von beruflichen und ausserberuflichen Tätigkeiten mit Minderjährigen auferlegt. Franco ist schuldig der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern, mehrfachen sexuellen Handlungen mit Abhängigen, der sexuellen Handlungen mit Minderjährigen gegen Entgelt, der mehrfachen harten Pornografie und der Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz.

Seine Verteidiger hatten für ihn eine Freiheitsstrafe von maximal drei Jahren gefordert, aufgeschoben zu Gunsten einer ambulanten Behandlung. Vor Gericht erschien nur eines der drei Opfer. Ihm muss der Beschuldigte eine Genugtuung von 20'000 Franken bezahlen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig und kann an die nächste Instanz weitergezogen werden.

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