Landwirtschaft
Sie wollte keinen Bauern heiraten – doch dann kam es anders

Eigentlich ist Regula Minikus (38) aus Hertenstein Produktmanagerin und hatte nie einen Bezug zur Landwirtschaft. Wegen der Liebe absolviert sie nun eine Bäuerinnenausbildung.

Nora Güdemann
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Der Hof "zum Jägerhuus" in Hertenstein Regula Minikus (38) ist Produktmanagerin. Jetzt ist sie jedoch mit einem Bauern verheiratet, erwartet im April ihr erstes Kind und will sich mehr im Hofleben einbringen. Deswegen absolviert sie die Ausbildung zur Bäuerin.
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Der Hof "zum Jägerhuus" in Hertenstein Die Arbeit im Stall hat für Minikus eine «wunderbare Abwechslung zu meinem sonst stressigen Alltag.»
Der Hof "zum Jägerhuus" in Hertenstein Der Betrieb wird noch von den Eltern ihres Mannes geführt.
Der Hof "zum Jägerhuus" in Hertenstein Auf dem Hertensteiner Betrieb leben Mutterkühe, die meisten Kälber werden mit zehn Monaten geschlachtet.
Der Hof "zum Jägerhuus" in Hertenstein Alle Rinder gehören der Rasse "Limousin" an.
Der Hof "zum Jägerhuus" in Hertenstein Regula Minikus nutzte ihre Fähigkeiten als Produktmanagerin und führte auf dem Hof einen Hofladen ein.
Der Hof "zum Jägerhuus" in Hertenstein Es sei ihr Ding, Produkte gut aussehen zu lassen, sagt Minikus. "Es ist schön, dass ich meinen eigentlichen Beruf mit der Landwirtschaft verbinden kann."
Der Hof "zum Jägerhuus" in Hertenstein Die Kälber schliesst Minikus besonders fest ins Herz – umso härter ist es für sie, wenn die Tiere geschlachtet werden. Doch daran habe sie sich in der Zwischenzeit gewöhnt.
Der Hof "zum Jägerhuus" in Hertenstein Dieses Rind lässt es sich gut gehen.

Der Hof "zum Jägerhuus" in Hertenstein Regula Minikus (38) ist Produktmanagerin. Jetzt ist sie jedoch mit einem Bauern verheiratet, erwartet im April ihr erstes Kind und will sich mehr im Hofleben einbringen. Deswegen absolviert sie die Ausbildung zur Bäuerin.

SEVERIN BIGLER

«Ich war mir sicher, dass ich nie einen Bauern heiraten werde», sagt Regula Minikus. Die 38-Jährige ist Produktmanagerin, arbeitet mit grossen Detailhändlern zusammen und hatte «eigentlich gar nichts mit der Landwirtschaft am Hut». Doch seit kurzem ist Minikus verheiratet – und zwar mit einem Bauern.

Sie steht im Stall in Hertenstein, macht den Eindruck einer modernen Frau, die weiss, was sie will. Unter ihrem Mantel zeichnet sich ein Babybauch ab. Während sie eines der Kälber der Rasse «Limousin» streichelt, erzählt Minikus, dass sie immer viel Respekt vor der Arbeit eines Bauerns hatte: «Sie haben so viel zu tun, können nicht einfach mal spontan wegfahren.» Darum habe sie auch nie einen Landwirt heiraten wollen.

Auch Bauern nehmen Auszeiten

Doch das Schicksal wollte es anders. Roger Minikus, gelernter Landwirt, lebte jahrelang im Nachbardorf. Aber getroffen haben sich die beiden das erste Mal in Davos. «Zuvor sind wir uns nie über den Weg gelaufen.» Die seit kurzem Verheirateten teilen die gleichen Hobbys: Biken, Skifahren, Wandern. «Mit richtiger Planung schaffen es auch Landwirte, sich eine Auszeit zu nehmen», sagt Minikus.

Noch wird der Hof «zum Jägerhuus» von Minikus’ Schwiegereltern geführt: «Mein Mann arbeitet momentan als Gartenbauer, engagiert sich aber täglich auf dem Hof.» Später will er den Betrieb von seinen Eltern übernehmen.

«Wir werden uns gut ergänzen»

Einmal in der Woche besucht Regula Minikus die Bäuerinnenschule der Liebegg. Ihr Ziel: «Ich möchte die verschiedenen Aufgaben einer Bäuerin in einem landwirtschaftlichen Familienunternehmen besser kennen lernen.» Durch die Ausbildung verfüge sie über Fachwissen, könne sie sich eine eigene Meinung bilden und auf Augenhöhe mit ihrem Mann diskutieren: «Ich denke, dass wir uns gut ergänzen werden.»

Noch ist Minikus zu hundert Prozent als Produktmanagerin angestellt. Inzwischen kann sie es sich aber auch gut vorstellen, noch mehr im Landwirtschaftsbetrieb involviert zu sein und nach der Geburt ihres Kindes das Arbeitspensum zu reduzieren.

Als die 38-Jährige das erste Mal den Hof «zum Jägerhuus» besuchte, war sie positiv überrascht. «Ich war begeistert, mit wie viel Leidenschaft und Enthusiasmus der Betrieb geführt wird.» Da der Stall direkt an einem Spazierweg gelegen ist, kämen häufig Neugierige vorbei, die die Kühe anschauen wollen, erzählt sie. «Die vielen Besucher brachten uns auf die Idee, einen Hofladen zu realisieren.»

Das sei eine Chance, den Leuten zu zeigen, wie ein landwirtschaftlicher Betrieb funktioniert und wie artgerechte Tierhaltung aussieht. «Mein Mann ist auch gelernter Koch. Er kümmert sich mit dem Metzger um die Verarbeitung der Produkte – ich mich um das Erscheinungsbild.» Im Lädeli stehen liebevoll dekorierte Nahrungsmittel. «Das ist mein Ding, Produkte gut aussehen zu lassen», sagt Minikus. Es sei schön, dass sie ihren Beruf mit der Landwirtschaft verbinden könne.

Ausmisten und Kopf befreien

Auf dem Hertensteiner Betrieb leben Mutterkühe, die meisten Kälber werden mit zehn Monaten geschlachtet. Das zu akzeptieren, fiel der Quereinsteigerin am Anfang schwer. «Man schliesst die Kleinen ins Herz. Sie sind so süss, laufen einem hinterher.» Inzwischen habe sie aber gelernt, Produktions- und Zuchttiere zu unterscheiden. «Wir legen fest, welches Kalb wir weggeben und welches wir behalten. Dann stelle ich mich darauf ein.»

Ansonsten spricht Regula Minikus so, als habe sie ihr ganzes Leben auf einem Bauernhof verbracht. Die Kühe kennt sie beim Namen und sie weiss, worauf man im Umgang mit den Tieren achten muss. Immer sonntags hilft sie auf dem Hof mit. «Die Arbeit ist eine wunderbare Abwechslung zu meinem sonst stressigen Alltag.» Beim Ausmisten könne sie auch ihren Kopf befreien. Die Quereinsteigerin freut sich auf die Zukunft. «Ich mache bewusst einen Schritt Richtung Natur und Bodenständigkeit.» Vor allem aber sei es für ihr Kind schön, auf einem Bauernhof aufwachsen zu können.

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