Catarina und Ueli Rüegg stehen vor dem einstigen Bauernhaus an der Bergstrasse in Windisch. Die zentral gelegene Liegenschaft wurde vor wenigen Jahren sanft renoviert. Neun Studenten leben heute im alten Hausteil.

Im sogenannten Ökonomieteil realisierten sie zusätzlich eine 4½-Zimmer-Wohnung. Als die Gemeinde von diesem Bauvorhaben erfuhr, bat sie Rüeggs, ihnen die Wohnung für eine fünfköpfige anerkannte Flüchtlingsfamilie (Status B) zur Verfügung zu stellen.

Obwohl es selbst aus dem Gemeindehaus warnende Stimmen gab, gingen die beiden Sozialdemokraten das Experiment ein. Mit einer Bedingung: Die Familie müsse betreut und begleitet werden, so wie es im Sozialhilfegesetz festgehalten sei. «Wir konnten und wollten diese Aufgabe nicht übernehmen», betonen die Eigentümer.

Die Eritreerin und ihre vier Kinder befanden sich in einer Notsituation. Ende 2012 war ihnen die zugeteilte Blockwohnung gekündigt worden. Ein Dach über dem Kopf bekam die Familie vorübergehend im abzubrechenden Flügel des Altersheims Windisch.

Gemeinde legte Monatsmiete fest

Im April 2013 zog die Analphabetin mit den Kindern in die 89 Quadratmeter grosse Wohnung an der Bergstrasse ein. Die Gemeinde stellte eine schriftliche Mietzinsgarantie aus für die Dauer der Unterstützungszeit und legte die Monatsmiete auf 1485 Franken inklusive Nebenkosten fest. Die Leistung einer Kaution war kein Thema. «Wir hatten erfreulicherweise über vier Jahre nie nennenswerte Probleme mit den Kindern», halten die Vermieter fest.

Die verlangte Begleitung wurde zirka während einem dreiviertel Jahr gewährleistet. Deutschkurse besuchte die Eritreerin nur quartalsweise. Auch nach rund zehn Jahren in der Schweiz beherrsche die vierfache Mutter die deutsche Sprache nur rudimentär und könne noch immer nicht lesen. Rüeggs fragen sich, warum die Integration nicht besser gelang.

Als die Eritreerin mithilfe des Sozialdienstes die Wohnung im Frühling 2017 kurzfristig kündigte, waren die Räumlichkeiten in einem desolaten Zustand und nicht mehr vermietbar. Der Sozialdienst verweigerte laut Rüeggs schriftlich die Teilnahme bei der Wohnungsabgabe mit dem Argument, das sei Sache der Mieterin. «Es brauchte neue Geräte wie Kochherd und Backofen. Alle Wände mussten gestrichen und die Teppiche zweimal gereinigt werden», erzählt Catarina Rüegg.

Die Gesamtkosten für die Schadenbehebung beliefen sich auf 13'000 Franken, wovon die Haftpflichtversicherung rund 6000 Franken übernahm. Auf den restlichen 7000 Franken blieben die Vermieter sitzen. Die Gemeinde wies die Zusammenstellung der Sanierungskosten zurück. Nach Gesetz sei die Eritreerin dafür zuständig, hiess es. «Die Gemeinde wusste genau, dass diese Frau kein Geld hat, nichts verdient und sich nicht zu helfen weiss. Trotzdem gab es kein Entgegenkommen», sagt Ueli Rüegg.

Auf diesen Fall und die mangelnde Integration angesprochen sagt SVP-Gemeindepräsidentin Heidi Ammon: «Der Immobilienbesitzer ist mit einer Familie ein privatrechtliches Mietverhältnis eingegangen.» Die erwähnte Familie werde von der Gemeinde sozialhilferechtlich unterstützt und intensiv betreut. Die Integration sei im Rahmen des Erforderlichen und Möglichen erfolgt, die Familie verstehe und spreche Deutsch. Im Rahmen des Möglichen werde zudem der Lese- und Schreibschwäche Beachtung geschenkt. «Aus Sicht der Gemeinde gibt es keine offenen Rechnungen mehr», hält Ammon fest.

«Flüchtling bleibt Sozialfall»

Das Ehepaar warnt nun alle Vermieter vor einem solchen Experiment. «Von konstruktiver Zusammenarbeit zwischen Wohnungsbesitzern und öffentlichen Stellen kann keine Rede sein», betont der 79-jährige Architekt. «Was geschieht, wenn eine Person nicht fähig ist, Verantwortung, wie wir sie verstehen, zu übernehmen? Warum verzichtet eine Behörde in solchen Fällen auf klare Anweisungen und Forderungen?», fragt Catarina Rüegg.

Die Vermieter sind überzeugt, dass die Eritreerin ein starkes Vis-à-vis gebraucht hätte: «Wenn eine umfassende Betreuung und Begleitung nicht gleich von Anfang an erfolgt, bleibt ein Flüchtling ein Sozialfall.»

Und: «Wir können die Integrationsprobleme nicht alleine lösen, sondern kommen nur zum Ziel, wenn wir alle miteinander kooperieren. Das war hier leider nicht der Fall.» Die erwähnte Wohnung ist jetzt an Schweizer vermietet und die Eritreer leben in einer kleineren, aber teureren Wohnung.