Abschaffung

«Sie war immer ein Verlustgeschäft»: Bieten Aargauer Gemeinden die Tageskarte bis am Schluss an?

Mit der Tageskarte quer durch die Schweiz – per Ende 2023 wird das Angebot eingestellt.

Mit der Tageskarte quer durch die Schweiz – per Ende 2023 wird das Angebot eingestellt.

Nach 2023 ist Schluss: Die Gemeinde-Tageskarte wird durch ein neues, noch unbekanntes Format ersetzt. Lenzburg bietet sie bereits seit Juni nicht mehr an, Turgi will ab Dezember auf das Angebot verzichten. Andere Aargauer Gemeinden halten daran fest – noch.

Die Gemeinde-Tageskarte wird zum Opfer der Digitalisierung. Dass das Angebot Ende 2023 ersetzt werden soll, sorgte für Unmut unter den Lesern. In einer nicht-repräsentativen Umfrage unserer Zeitung sprachen sich 83 Prozent (Stand: Freitag, 9 Uhr) gegen eine Abschaffung aus. Die Tageskarten seien nach wie vor beliebt.

Auf Nachfrage schreibt Thomas Ammann, Mediensprecher der Alliance SwissPass, die Verkäufe seien seit 2017 schweizweit um 100'000 Stück zurückgegangen. In der Coronapandemie hätten einige Gemeinden ihre Tageskartensets nicht mehr oder nur teilweise erneuert. Mediensprecher Ammann: «Gemäss momentanem Stand sind die Bestellungen markant zurückgegangen.»

Turgi: Defizit im fünfstelligen Bereich

Die Gemeinde Turgi will das Angebot bereits per 7. Dezember 2020 einstellen, wie sie diese Woche mitteilte. Hauptgrund seien die «jährlich zu verbuchenden Verluste». Das Defizit werde in diesem Jahr wegen Corona noch höher ausfallen. Ohne Berücksichtigung des administrativen Aufwandes werde es eine fünfstellige Summe betragen, heisst es weiter.

Auf Nachfrage sagt Ammann Adrian Schoop: «Die Tageskarte war schon immer ein Verlustgeschäft.» 14'000 Franken muss die Gemeinde jährlich pro Stück berappen. Schoop rechnet vor: Nur, wenn jeden Tag beide Tageskarten verkauft werden können, käme die Gemeinde auf den gleichen Erlös. Der «dabei nicht zu unterschätzende Personalaufwand» sei aber nicht miteinberechnet. Bereits vor einem Jahr wurde das Angebot von vier auf zwei Stück reduziert. «Die Tageskarte lohnt sich nicht, weil man sie nicht kostendeckend anbieten kann.» Dafür müsste die Gemeinde die Preise erhöhen, wäre dann aber nicht mehr günstiger als die SBB-Angebote.

Seit Jahren stehe die Tageskarte zur Diskussion. Schliesslich sei man zum Schluss gekommen, dass diese «Quersubventionierung» nicht Aufgabe der Gemeinde sei, so Schoop. 

Hoher Verlust auch in Lenzburg

Als erste Aargauer Gemeinde stellte Lenzburg das Angebot bereits per 1. Juni ein. 2019 betrug die Auslastung nur 66 Prozent. Lenzburg fuhr einen Verlust von insgesamt gut 10'000 Franken ein. 

Reger genutzt werden die acht Tageskarten in Aarau. Die Auslastung lag im vergangenen Jahr bei 88 Prozent, wie die Mediensprecherin mitteilt. 2020 werde aufgrund der Corona-Lage eine Einbusse zu verzeichnen sein. Ob Aarau weiter an der Tageskarte festhält, liess die Mediensprecherin offen. Weitere Informationen würden nächste Woche folgen.

Kleinere Gemeinden teilen sich Tageskarten

Auch in kleineren Gemeinden sind die Tageskarten beliebt. «Das Angebot wird in Sarmenstorf – mit Ausnahme von Corona – sehr gut genutzt», meint Gemeindeschreiberin Barbara Kastenholz. Eine Reduktion oder Abschaffung sei kein Thema.

Zeiningen bietet gemeinsam mit Hellikon und Zuzgen drei Stück an. «Unsere Bevölkerung schätzt das Angebot. Auch Auswärtige schätzen das Angebot sehr und vielen Personen können wir eine Freude machen», sagt die stellvertretende Gemeindeschreiberin von Zeiningen, Livia Grossmann. Die Auslastung betrug im letzten Jahr 88 Prozent.

Einen Verlust habe es noch nie gegeben, weil sich die Partnergemeinden finanziell beteiligen. «Der Verlust besteht nur offiziell auf Papier, wir werden daher das Angebot weiterhin anbieten – solange als möglich», so Grossmann. Wegen Corona müsse in diesem Jahr allerdings mit hohen Einbussen gerechnet werden. Stehe fest, wie hoch diese ausfallen, werde man das Angebot nächstes Jahr vielleicht trotzdem überdenken. 

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