Church League

Sie stürmen auf dem grünen Rasen mit und für Gott

Match von Blue-White United aus Hunzenschwil (blau/weiss) gegen The Saints aus Rothrist, Sieger der Church League Meisterschaft 2009 und 2010.

Match von Blue-White United aus Hunzenschwil (blau/weiss) gegen The Saints aus Rothrist, Sieger der Church League Meisterschaft 2009 und 2010.

Die Church League erfreut sich grosser Beliebtheit – auch bei Nicht-Christen. Fluchen ist an den Spielen dieser Liga strikt verboten - es soll gesittet und respektvoll zu- und hergehen auf dem Spielfeld.

Wenn der Stürmer der FC-Jesus-Freaks in der letzten Minute einen Penalty gegen The Saints verschiesst, schreit niemand auf dem Platz «Gopferdammi». Fluchen ist an Spielen der Church League verboten. Wenn sich jeweils sieben Spieler pro christlicher Mannschaft gegenüberstehen, soll es gesittet und respektvoll zu- und hergehen. Ziel der Church League ist, christliche Werte mittels Sport zu vermitteln. Das Modell kommt an.

Freikirchlicher Hintergrund

Die Liga besteht aus zwanzig Mannschaften. Elf von ihnen, alle mit freikirchlichem Hintergrund, sind Teil der Mittelland-Liga und spielen in dieser Saison auf den Feldern des FC Gränichen. Neun Mannschaften gehören der Church League Nordwestschweiz an. Seit diese vor zwei Jahren gegründet wurde, ist sie stetig gewachsen.

Ausgetragen werden die Partien auf Fussballplätzen der Sportanlage St. Jakob. Gespielt wird jeweils am Sonntag, Saisonauftakt ist heute. Basel und Gränichen sollen aber nicht die einzigen Austragungsorte der Spiele der Kirchen-Liga bleiben.

Das fünfköpfige Organisationskomitee unter der Leitung von Vereinspräsident Frédéric Giger aus Suhr hat Grosses vor. Es möchte mit der Church League, die bis vor kurzem noch Church Cup hiess, in die ganze Deutschschweiz expandieren. Künftig soll auch in Bern, Luzern und in der Ostschweiz Christen-Fussball gespielt werden. Giger plant eine Werbeoffensive. Die neue Homepage ist fast fertig. «Wer mitmachen will, kann sich uns anschliessen und unsere Regeln übernehmen», sagt Giger. Interessierte müssten einen Platz suchen und andere von der Idee überzeugen. So wie er damals.

Vor zehn Jahren hat alles angefangen

Angefangen hat allesauf der Wiese des Theologisch-Diakonischen Seminars Aarau vor zehn Jahren. Dort spielte Giger jeweils am Sonntagnachmittag mit ein paar Freunden Fussball. Mit dabei waren Mitglieder der Minoritätsgemeinde Aarau, einer Freikirche, die aus der evangelisch-reformierten Kirche entstanden ist und der Giger selbst angehört. Hinzu kamen Bibelschüler des Seminars und Kollegen, die «mit der Kirche gar nichts am Hut haben», wie Giger sagt. «Ohne sie würde es die Kirchen-Liga gar nicht in dieser Form geben. In allen Mannschaften hat es Spieler, die keiner Kirchgemeinde angehören.»

Als Missionar sieht sich Giger nicht. Obwohl als Vereinszweck des Church Cups Missionieren quasi als Kerngeschäft angegeben ist: «Die Verbreitung des Evangeliums von Jesus Christus anhand diverser Fussballturniere.» So eng mag Giger die Statuten aber nicht auslegen. «Wer mitspielt, muss nicht an Gott glauben und auch nicht einer Kirchgemeinde angehören», sagt er. Räumt aber ein: «Es wäre schön, wenn es dazu führen würde.» Im Vordergrund stehe jedoch, respektvoll Fussball zu spielen und durch den Sport Freundschaften zu pflegen. Die Liga solle auch den Kontakt unter den Kirchgemeinden fördern.

Sonntag ist Spieltag

Aus dem unverbindlichenSonntagsfussball entstand die Idee einer christlichen Liga. Sie wurde 2002 ins Leben gerufen. Mit dabei waren damals vier Mannschaften, gespielt wurde fünf gegen fünf mit einem Schiedsrichter auf dem Platz. Den Sonntag als Spieltag behielten die Fussballer bei. Gespielt wurde in Suhr, sieben Jahre lang. Danach musste der Church Cup ein neues Zuhause suchen. In Suhr gab es Widerstände von Anwohnern.

Diese hätten reklamiert, weil ihre Fans immer zahlreicher erschienen seien und die Mannschaften lauthals angefeuert hätten, sagt Giger. Und: Eine Anwohnerin habe sie gar als Sekten-Fussballer beschimpft. Vonseiten des FC Suhr heisst es, die Gemeinde habe gesagt, dass zu viele Auswärtige die Felder nutzen würden, deshalb habe die Liga zügeln müssen. In Gränichen hat die Church League ein neues Zuhause gefunden. Und seit 2009 auch in Basel.

Auch Basler Ausgabe der Church League

Initiant der Basler Ausgabe der Church League ist Thomas Vogt. Auch seine Fussballerkarriere begann am Sonntagnachmittag im christlichen Milieu: als er sich jeweils mit ein paar Kollegen seiner Kirchgemeinde, der Freien Evangelischen Gemeinde Rheinfelden, zum Tschutten verabredete. Manchmal organisierten sie auch Freundschaftsspiele gegen eine andere Gemeinde. Vogt schloss sich schliesslich mit Giger zusammen und gründete den ersten Ableger der Church League ausserhalb des Aargaus.

An neun Spieltagen werden sich an der diesjährigen dritten Nordwestschweizer Ausgabe neun Mannschaften begegnen. Im Gegensatz zum Mittelland ist in Basel auch eine Mannschaft der Landeskirche angemeldet: Der FC Speedy der Kirchgemeinde Thomas der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt. Sonst dominieren auch in Basel die Freikirchen wie die Chrischona oder die Freie Evangelische Gemeinde das Feld. Und nicht zu vernachlässigen auch hier: die Unterstützung durch die Ungläubigen. Vogt sagt, dass von verschiedenen Seiten ein Bedürfnis bestehe, in einer Liga friedlich und respektvoll Fussball zu spielen. Er habe etliche positive Rückmeldungen erhalten. Die Zahlen geben ihm recht: Es haben sich bereits vier Mannschaften mehr angemeldet als noch bei der Gründung der Liga vor zwei Jahren.

Zum ersten Malwird in diesem Jahr zudem ein überregionaler Cup ausgetragen, an dem sich Teams aus beiden Regionen anmelden können. Giger hofft, dass am Cup dank seiner Expansionsstrategie künftig mehr Mannschaften teilnehmen. Und natürlich, dass auch im ersten Schweizer Christen-Cup-Final niemand hässlich gefoult, angerempelt oder verflucht wird. Christlichen Werten sei Dank.

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