Waldinitiative
Sie kämpfen für den Aargauer Wald – Mit Leidenschaft und Eichhörnchen Sämi

Das Initiativkomitee von «Ja für euse Wald» eröffnet in Aarau den Abstimmungskampf. Informationstafeln und ein Werbe-Video sollen die Bevölkerung überzeugen.

Jörg Meier
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Sie kämpfen für mehr finanzielle Unterstützung für den Aargauer Wald (von links): Förster Urs Gsell (Vorsteher Initiativkomitee), Vreni Friker (Präsidentin Wald Aargau), Oliver Frey (Präsident Aargauischer Försterverband).

Sie kämpfen für mehr finanzielle Unterstützung für den Aargauer Wald (von links): Förster Urs Gsell (Vorsteher Initiativkomitee), Vreni Friker (Präsidentin Wald Aargau), Oliver Frey (Präsident Aargauischer Försterverband).

Chris Iseli

Die Aargauer Förster machen sich Sorgen um den Wald. Die Sorgen sind so gross, dass sie nicht nur politisch aktiv geworden sind, sondern jetzt auch an die Öffentlichkeit gelangen. Was doch eher ungewöhnlich ist. Politischer Aktivismus ist den Förstern eher fremd; sie denken gerne in grösseren Zeiträumen; ihre Arbeit berücksichtigt eher die Zukunft des Waldes, wie er in 50 oder 100 Jahren sein soll.

Mit der Volksinitiative «Ja! Für euse Wald» wollen der aargauische Försterverband und weitere waldverbundene Organisationen erreichen, dass auch für zukünftige Generationen der Wald als Natur- und Lebensraum erhalten bleibt. Deshalb sollen zugunsten des Waldes zwischen Kanton und den Waldeigentümern die jährlichen Leistungen von heute 5 auf 16 Millionen Franken erhöht werden. Im Februar 2017 wurde die Initiative mit rekordverdächtigen 10 568 gültigen Unterschriften eingereicht, was darauf schliessen lässt, dass das Begehren grosse Sympathie in der Bevölkerung geniesst.

Mit diesem Video wollen die Initianten die Bevölkerung für den Wald sensibilisieren

Im Aargau bedeckt der Wald rund 35 Prozent des Kantons. Er ist öffentlicher Raum und für die Bevölkerung jederzeit zugänglich. Durch die stark wachsende Bevölkerung steigt der Druck auf den Wald. «Die Leute drängen in den Wald. Er ist zum 24-Stunden-Fitnesscenter» geworden», erklärte Vreni Friker, Präsidentin von Wald Aargau.

Dadurch steigen die Ansprüche und damit auch die Aufwendungen für Waldpflege, Unterhalt und Aufsicht fortwährend. «Von der grossen Mehrheit der Waldeigentümer können diese Kosten nicht mehr mit dem Holzerlös erwirtschaftet werden», sagte Förster Urs Gsell, Vorsitzender des Initiativ-Komitees. Seit Jahren sei die grosse Mehrheit der Forstbetriebe defizitär. Seit 1990 haben sich die Holzerlöse halbiert.

Trotzdem müssen die Waldbesitzer ihre Aufwendungen zum grössten Teil selber erwirtschaften; so sind sie auch für den Strassenunterhalt zuständig, auch wenn die Strassen meist von Spaziergängern, Bikern und Joggern genützt werden. Von den 49 000 Hektaren Aargauer Wald gehören gut 64 Prozent den Ortsbürgergemeinden, knapp 7 Prozent den Einwohnergemeinden, etwa 22 Prozent sind Privatbesitz, den Rest teilen sich Kanton und Bund.

Werbung im Wald

Bei der Behandlung der Initiative im Grossen Rat am 5. Juni 2018 beteuerten zwar alle Grossrätinnen und -räte, wie sehr ihnen der Aargauer Wald am Herzen liege. Dennoch hatte die Initiative keine Chance und wurde mit 86 gegen 32 Stimmen deutlich abgelehnt. Die rund 50 Förster auf der Tribüne nahmen erstaunt zur Kenntnis, dass die Mehrheit des Rates zwar für den Wald an sich war, aber dagegen, dass er in diesem Ausmass vom Kanton finanziert werden soll. Weil er doch vor allem den Gemeinden und Privaten gehört.

Das Initiativkomitee sieht das aber ganz anders. Der Kanton sei mitverantwortlich, dass die Vitalität des Waldes erhalten bleibe. Von den vergleichbaren Kantonen gibt nur gerade der Kanton Jura noch weniger Geld für den Wald aus. «Die Verantwortung für den Wald mit finanziellen Argumenten zu verweigern, ist eine unverantwortliche Haltung gegenüber kommenden Generationen», kritisierte Urs Gsell.

Deshalb werben die Förster jetzt dort für die Initiative, wo es wohl am wirkungsvollsten ist: Überall in den Wäldern im Kanton werden jetzt Informationstafeln platziert. Als Botschafter für den Wald und als Sympathieträger für die Initiative tritt dabei das Eichhörnchen Sämi auf. Abstimmungstermin ist der 25. November.

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