Jahresrückblick

Sie kämpften, polarisierten und redeten sich um Kopf und Kragen: Diese Aargauer schrieben 2017 Schlagzeilen

Ein turbulentes Jahr 2017 neigt sich seinem Ende zu – und sorgte im Kanton Aargau einmal mehr für zahlreiche positive wie negative Schlagzeilen. Welche Aargauerinnen und Aargauer sich dahinter verbergen, haben wir nachfolgend für Sie zusammengefasst.

Markus Dieth, CVP-Politiker und neuer Regierungsrat

Markus Dieth

Markus Dieth

Die grössten Schlagzeilen schrieb Markus Dieth eigentlich schon letzten Oktober, als der damalige Gemeindeammann von Wettingen mit einem Glanzresultat von 61'890 Stimmen in die Aargauer Regierung gewählt wurde. «Gewaltig! Ein super Gefühl!», erklärte der frischgebackene Regierungsrat damals in seinem ersten Fernsehinterview nach dem Wahlsieg.

«Es ist gewaltig!»: Ein erstes Interview mit Neo-Regierungsrat Markus Dieth.

«Es ist gewaltig!»: Ein erstes Interview mit Neo-Regierungsrat Markus Dieth. (Beitrag vom Oktober 2016)

Zum Jahresanfang trat Dieth als Nachfolger von Finanzvorsteher Roland Brogli (†66) sein Amt an und musste bereits im März ein Rekorddefizit von 105 Millionen Franken verkünden. nach einer über 12-stündigen Debatte im Grossen Rat hat der Kanton Aargau für 2018 zwar wieder ein ausgeglichenes Budget. Doch schon im Jahr darauf droht ein neues grosses Defizit.  

Franziska Roth, SVP-Politikerin und neue Regierungsrätin

Franziska Roth, SVP-Regierungsrätin und Vorsteherin des Departements Gesundheit und Soziales, in ihrem Büro.

Bereits im Wahlkampf um das Rennen auf den letzten Sitz im Regierungsrat sorgte die SVP-Politikerin und damalige Brugger Bezirksrichterin Franziska Roth für Schlagzeilen. Etwa, als sie bei einer TV-Debatte mit allen sechs Regierungsratskandidaten zum Thema integrative Schule mit einer kontroversen Aussage auffiel.

Sie sagte: «Es gibt Kinder, die unterfordert sind und den Betrieb stören – denen würde man am liebsten löffelweise Ritalin geben, damit sie daran ersticken, wenn sie den Mund aufmachen.» Später relativierte die SVP-Politikerin ihre Worte und hielt fest, dass ihre Aussage ironisch gemeint war und komplett falsch angekommen sei. «Ich bin entschieden gegen die Abgabe von Ritalin und finde dies bedenklich», betonte Roth.

Umstrittene Aussage: Das sagt SVP-Regierunsgsratskandidatin Franziska Roth zur integrativen Schulung und zur Ritalin-Abgabe an auffällige Schüler.

Umstrittene Aussage: Das sagte SVP-Regierunsgsratskandidatin Franziska Roth zur integrativen Schulung und zur Ritalin-Abgabe an auffällige Schüler. (Beitrag vom September 2016)

Am 1. Januar 2017 trat die neue Regierungsrätin ihr Amt als Vorsteherin Departement Gesundheit und Soziales an und löste damit Susanne Hochuli (Grüne) ab, die aus eigenen Stücken nicht mehr zur Wiederwahl angetreten war. Nach 100 Tagen im Amt sorgte Roth dann erneut für Schlagzeilen, nachdem sie ihre Vorgängerin an einer Pressekonferenz öffentlich kritisierte. Sie sei überrascht, dass es im Departement keine Strategie gäbe, erklärte die neue Regierungsrätin und ergänzte: «So kann man nicht arbeiten.»  

Franziska Roth zieht Bilanz nach 100 Tagen

Franziska Roth zieht Bilanz nach 100 Tagen (Beitrag vom April 2017)

Lucas Fischer, ehemaliger Kunstturner und Autor

Kämpfte sich aus der Krise zurück ins Rampenlicht: Lucas Fischer.

Kämpfte sich aus der Krise zurück ins Rampenlicht: Lucas Fischer.

Er galt als eines der grössten Nachwuchstalente im Kunstturnen: 2013 holte sich der in Möriken-Wildegg aufgewachsene Lucas Fischer an der Europameisterschaft gar die Silbermedaille am Barren. Dann folgt der Schock: Wegen einer chronischen Handverletzung musste der Spitzensportler seine junge Karriere jäh abbrechen. 

Fischer wird depressiv, entwickelt eine Schlaf- und Essstörung. Auch die Beziehung zu seiner langjährigen Freundin geht in die Brüche. Doch Fischer rafft sich wieder auf: er beginnt wieder zu trainieren und stellt eine eigene Show – eine Mischung aus Artistik, Tanz und Gesang – auf die Beine. Nebenbei schreibt er an seiner Biografie «Tigerherz», mit der er anderen Menschen in ähnlichen Situationen Mut machen will. 

Und nicht nur das: In der deutschen TV-Show «Das Supertalent» tanzt und singt sich der Aargauer zurück ins Rampenlicht. Mit seiner Darbietung aus Barrenturnen und Gesang wird Lucas Fischer gar direkt ins Finale gewählt – als erster Schweizer in der Geschichte der RTL-Sendung.

Lucas Fischer - Das Supertalent 2017

Lucas Fischers Darbietung in der RTL-Show «Das Supertalent»

 

Marinko Jurendic, neuer Cheftrainer des FC Aarau

Marinko Jurendic startete mit dem FC Aarau mit viel Ambition in die neue Saison. Der grosse Erfolg blieb bislang aus.

Marinko Jurendic startete mit dem FC Aarau mit viel Ambition in die neue Saison. Der grosse Erfolg blieb bislang aus.

Die Bombe platzt im Juni: Der FC Aarau setzt Marco Schällibaum als Cheftrainer ab. Als Grund dafür führte der Verein die enttäuschende Saison an. In der Tat konnten die Aarauer unter der Leitung von Schällibaum von 64 Spielen nur 27 für sich entscheiden. 

Schon einen Tag nach der Entlassung Schällibaums steht im Brügglifeld der Mann auf der Matte, der es richten soll: Marinko Jurendic, der in der Szene als grosses Trainertalent gehandelt wird. Zuletzt trainierte er drei Jahre lang den SC Kriens und führte das Team von der 1. Liga an die Spitze der Promotion League.

Doch auch unter Jurendic startet der FC Aarau alles andere als erfolgreich in die neue Saison und verharrt stets am unteren Ende der Tabelle. Den Spielern fehlt es an Aggressivität und Einsatz. Die Ambitionen, vorne mitzuspielen, haben der Abstiegsangst definitiv Platz gemacht.

Neuer FCA-Trainer Marinko Jurendic im Video-Interview: «Ich habe genug Selbstvertrauen»

«Ich habe genug Selbstvertrauen»: So hoffnungsvoll klang Marinko Jurendic im Juni noch.

Funda Yilmaz, Kämpferin für ihre Einbürgerung

Funda Yilmaz mit ihrem Freund Nico, bei der Abstimmung zu ihrer Einbürgerung am 18. Oktober in Buchs.

Blitzlichgewitter: Funda Yilmaz nach dem positiven Einbürgerungsbescheid mit ihrem Freund Nico.

Funda Yilmaz mit ihrem Freund Nico, bei der Abstimmung zu ihrer Einbürgerung am 18. Oktober in Buchs.

Im Juni sorgt die Gemeinde Buchs für Schlagzeilen – nicht nur im Aargau, sondern weit über die Kantonsgrenzen hinaus. Die Geschichte nimmt ihren Lauf an der Einwohnerratssitzung der Gemeinde. Dort wird das Einbürgerungsgesuch der gebürtigen Türkin Funda Yilmaz abgelehnt. Dies, obwohl die junge Frau perfekt Schweizerdeutsch spricht, einen einwandfreien Leumund hat und den Staatskundetest mit 100 Prozent bestanden hat.

«Ich war extrem nervös»

«Ich war extrem nervös» (Beitrag vom Juni 2017)

Ausschnitte aus der Sendung «TalkTäglich» mit Funda Yilmaz und SVP-Asylstratege Andreas Glarner. 

Der Entscheid der Einbürgerungskommission löste in der Folge grosse Empörung aus. Besonders umstritten waren insbesondere die 92 Fragen der Einbürgerungskommission, welche die junge Türkin in Verlegenheit und teils in Bedrängnis brachten. 

Das wochenlange Ringen um die Einbürgerung endete schliesslich mit einem Happy End für die junge Frau: Am 18. Oktober beschloss der Einwohnerrat von Buchs mit 27 zu 8 Stimmen bei 3 Enthaltungen, Funda Yilmaz das Gemeindebürgerrecht zuzusichern.

Funda Yilmaz eingebürgert: Jetzt will sie Freund Nico heiraten

Funda Yilmaz eingebürgert: Jetzt will sie Freund Nico heiraten (Beitrag vom 19. Oktober 2017)

Endlich Schweizerin! Der Buchser Einwohnerrat hat Funda Yilmaz am Mittwoch im zweiten Anlauf eingebürgert. Was die 25-Jährige jetzt vorhat.

Michelle Heimberg, Vize-Europameisterin im Wasserspringen

Die Aargauer Wasserspringerin Michelle Heimberg bei der EM in Kiew.

Die Aargauer Wasserspringerin Michelle Heimberg bei der EM in Kiew.

Ihre Leistung war historisch: Michelle Heimberg aus Fislisbach ergatterte im Juni an der Europameisterschaft im Wasserspringen die Silber-Medaille vom 3-Meter-Brett. Es ist in dieser Disziplin die erste Schweizer Medaille in der 91-jährigen Geschichte der kontinentalen Titelkämpfe.

Hier springt die Aargauerin Michelle Heimberg sensationell zu EM-Silber:

 

Für ihren sportlichen Erfolg wurde die junge Aargauerin zudem mit sechs weiteren Kandidaten für die Auszeichnung «Aargauer des Jahres» nominiert. 

Walter Dubler, Ex-Gemeindeammann von Wohlen

Walter Dubler, der ehemalige Gemeindeammann von Wohlen, sorgte monatelang für Schlagzeilen. Der Regierungsrat enthob Dubler aus seinem Amt, weil dieser Reglemente verletzt, Kompetenzen überschritten und Geld nicht an die Gemeinde abgeliefert hatte. Juristisch blieb dagegen nichts hängen. Der parteilose Politiker wurde zwar vom Bezirksgericht Zurzach und vom Obergericht des Betrugs und der ungetreuen Geschäftsbesorgung schuldig gesprochen - das Bundesgericht hat diese Urteile dann aber aufgehoben und an das Obergericht zurückgewiesen. Das Obergericht hat Dubler darauf in allen Punkten freigesprochen.

Walter Dubler bricht sein Schweigen: «Absolut grotesk, was da passiert ist»

Walter Dubler bricht sein Schweigen: «Absolut grotesk, was da passiert ist»

Er habe Sitzungsgelder in den eigenen Sack gesteckt und sich zu hohe Pensionskassenbeiträge ausbezahlt – das wurde dem Wohler Ammann Walter Dubler vorgeworfen. Erst wurde er abgesetzt, im September dann auf ganzer Linie freigesprochen. Jetzt äussert er sich zum ersten Mal in den Medien – und spricht von einer «Überreaktion».

Grünen-Nationalrat Jonas Fricker tritt zurück

Jonas Fricker zieht während der Debatte um die Fair-Food-Initiative einen Vergleich zwischen Schweinetransporten und der Deportation von Juden nach Auschwitz. Als er das letzte Mal eine Dokumentation über solche Tiertransporte gesehen habe, «sind mir unweigerlich die Bilder der Massendeportation nach Auschwitz aus dem Film ‹Schindlers Liste› hochgekommen», sagte er. Und weiter: «Die Menschen, die dort deportiert wurden, die hatten wenigstens eine kleine Chance zu überleben. Die Schweine, die fahren in den sicheren Tod.»

Jonas Frickers Votum im Nationalrat zur Fair-Food-Initiative, 28.9.2017

Jonas Frickers Votum im Nationalrat zur Fair-Food-Initiative, 28.9.2017

Kinderarzt Markus Wopmann ist Aargauer des Jahres

Dunkler Anzug statt weisser Arztkittel: Markus Wopmann bei der NAB-Gala.

Dunkler Anzug statt weisser Arztkittel: Markus Wopmann bei der NAB-Gala.

Der neue Aargauer des Jahres heisst Markus Wopmann (62). Der Kinderarzt aus Würenlos gewinnt das Voting mit 52,7 Prozent der Stimmen. Er wird für sein grosses und jahrzehntelanges Engagement für misshandelte Kinder ausgezeichnet.

Aargauer des Jahres 2017

Aargauer des Jahres 2017

Kinderarzt Dr. Markus Wopmann ist neuer Aargauer des Jahres 2017. Der Moment der Entscheidung und das Sieger-Interview.

Auch Gala-Gäste sind sich einig: Wopmann hat den Sieg verdient

Auch Gala-Gäste sind sich einig: Wopmann hat den Sieg verdient

Für den Kinderarzt Markus Wopmann gab es gestern sogar eine Standing Ovation. Auch die Gala-Gäste waren sich einig: Sein Sieg war hochverdient.

Seit 30 Jahren engagiert sich Wopmann für den Schutz misshandelter Kinder. Im Gespräch bei Talk Täglich lässt er die Momente nach seiner Wahl Revue passieren und spricht über die schlimmsten Misshandlungsfälle, die er je erlebte.

Markus Wopmann: «Eltern, die ihre Kinder misshandeln, sind nicht offensichtlich böse Menschen»

Markus Wopmann: «Eltern, die ihre Kinder misshandeln, sind nicht offensichtlich böse Menschen»

Letzten Samstag wurde Kinderarzt Markus Wopmann zum Aargauer des Jahres gewählt. Seit 30 Jahren engagiert er sich für den Schutz misshandelter Kinder. Im Gespräch bei Talk Täglich lässt er die Momente nach seiner Wahl Revue passieren und spricht über die schlimmsten Misshandlungsfälle, die er je erlebte. 

Herbert Bolliger, abtretender Chef der Migros

Herbert Bolliger tritt nach fast 13 Jahren an der Spitze des Migros-Genossenschafts- Bundes ab. Im grossen Interview spricht er über verpasste Deals, den Kauf seines Lebens und über den «Herzwert» des orangen Riesen. Und im «TalkTäglich» setzt der Wettinger nochmals Ausrufezeichen: zum Einkaufstourismus, Manager-Boni, seiner Begegnung mit Mick Jagger – und wieso er sich kein Haus an der Goldküste leistet.

«Meinem Nachfolger übergebe ich ein Couvert mit Geld – das ich nicht verbuchen konnte»

«Meinem Nachfolger übergebe ich ein Couvert mit Geld – das ich nicht verbuchen konnte»

Die besten Momente aus der Sendung TalkTäglich mit dem abtretenden Migros-Chef Herbert Bolliger.

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