Vanessa Jenni

Sie ist die einzige Aargauerin am Frauenschwinget – von David Schmid lernt sie den Wyberhaken

«Öpper gäge öpper, das gfallt mir.» – Vanessa Jenni (oben) im direkten Kampf mit Monika Gassmann. Bild: zvg

«Öpper gäge öpper, das gfallt mir.» – Vanessa Jenni (oben) im direkten Kampf mit Monika Gassmann. Bild: zvg

Vanessa Jenni aus Vordemwald ist am Frauenschwinget vom nächsten Wochenende in Uezwil die einzige Aargauer Aktiv-Schwingerin.

«Was, ich bin in der Jahreswertung auf dem 10. Zwischenrang? Super, hab ich noch gar nicht gesehen. Dann muss ich mich ja in den verbleibenden Schwingfesten doppelt anstrengen, damit es bis zum Schluss so bleibt», sagt die 18-jährige Vanessa Jenni aus Vordemwald.

Das nächste Mal in den Ring steigt die Kaminfeger-Lernende am 17. August, am zweiten Frauen- und Meitlischwingfest in der kleinen Freiämter Gemeinde Uezwil. Dort steht sie im gleichen Sägemehl, auf dem am vergangenen Sonntag in Wittnau ihr grosses Vorbild David Schmid das Nordwestschweizerische gewonnen hat. Es ist bereits mit Lastwagen nach Uezwil transportiert worden, damit die Organisatoren dort kein neues kaufen müssen.

Festsieger als Vorbild und Trainingspartner

David Schmid gehört, zusammen mit Nick Alpiger, nicht nur zu den beiden Schwingern, denen Vanessa am meisten nacheifert. Er ist ab und zu auch ihr Trainingspartner: «Neben meinem Stammverein, dem Frauenschwingclub Steinhuserberg, trainiere ich auch in Olten und im Fricktal mit den Männern. In Frick durfte ich auch schon mit David ins Sägemehl. Zurzeit lehrt er mich grad den Wyberhaken», berichtet sie stolz.

Vanessa Jenni ist die einzige Aargauer Aktiv-Schwingerin in der Meisterschaft. Die zweite Aargauer Frau, Rebekka Forrer aus Neuenhof, hat sich leider verletzt und muss pausieren. Mit dem 10. Zwischenrang bei 56 Rangierten liegt die Vordemwälderin gut im Rennen. Das freut auch Vater Daniel. Der ehemalige Kranzschwinger ist der Coach und Trainer seiner Tochter: «Sie ist ehrgeizig, hat Talent, zeigt Trainingsfleiss und ist technisch schon sehr weit. Jetzt muss sie nur noch lernen, das, was sie kann, auch auf den Platz zu bringen. Es fehlt ihr manchmal noch etwas an Selbstvertrauen», sagt er.

In Estavayer auf den Geschmack gekommen

Obwohl Schwingen in der Familie Jenni seit Jahren ein grosses Thema ist und sie ihren Vater mit der Familie oft an die Feste begleitete, hat es bis zu Vanessas erstem Hosenlupf etwas gedauert: «Schwingen hat mir lange nicht viel gesagt, vor drei Jahren hat es mich am Eidgenössischen in Estavayer aber gepackt.» Im Schwingklub Olten stieg sie vorerst gegen Buben in den Ring, dann wechselte sie zum Frauenschwingclub Steinhuserberg.

Nach wie vor trainiert sie aber auch mit Männern: «Ich brauche starke Gegner, das motiviert mich dazu, noch mehr zu trainieren, und stärkt mich auch mental», sagt sie. Und wie reagieren die Bösen auf die weibliche Gegnerin? «Sie händ Sorg zuemer», lacht sie und sagt weiter: «Ich werde von den Männern akzeptiert und kann viel von ihnen lernen.» Freuen würde es sie natürlich, wenn der eine oder andere Schwinger sie auch einmal an einem Frauenschwinget anfeuern würde.

Die Faszination des Sports liegt für sie in der direkten Begegnung: «Öpper gäge öpper, das gfallt mir.» Und deshalb sieht man Vanessa auch oft an Männer-Schwingfesten: «Die Männer schwingen anders als wir Frauen. Trotzdem kann ich von den Bösen viel lernen auf dem Weg zu meinem grossen Ziel, der Schwingerkönigin.»

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Autor

Toni Widmer

Toni Widmer

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