Tierpflege

Sie helfen freiwillig verwaisten und verletzten Vögel

Susanne Stocker (links), freiwillige Helferin in der Oftringer Vogelpflegestation, füttert Bachstelzen mitFliegenmaden. Birdlife-Vorstandsmitglied Gertrud Hartmeier schaut zu. Annika Bütschi

Susanne Stocker (links), freiwillige Helferin in der Oftringer Vogelpflegestation, füttert Bachstelzen mitFliegenmaden. Birdlife-Vorstandsmitglied Gertrud Hartmeier schaut zu. Annika Bütschi

In den vier Aargauer Stationen Auenstein, Möhlin, Mellingen und Oftringen kümmern sich Freiwillige um verwaiste und verletzte Vögel. Die Helfer sagen, warum man Vögel nicht schnellstmöglich in die Station bringen solte.

Wer am lautesten schreit, kommt zuerst an die Reihe. Das scheinen die rund zwei Wochen alten Bachstelzen bereits verinnerlicht zu haben.

Sie reissen ihren Schnabel auf und zwitschern so laut es geht, um vor ihren Geschwistern ans Futter zu kommen.

Mit den Fliegenmaden gefüttert werden sie aber nicht von ihrer Mutter, sondern von Susanne Stocker. Sie ist eine von vier Freiwilligen, die in der Vogelpflegestation Oftringen dafür sorgen, dass elternlose oder verletzte Vögel wieder in die Luft kommen (siehe Box unten).

Ersatzmutter zu sein ist zeitaufwendig. Sehr sogar. «Es gibt Vögel, die täglich bis zu 900 Mal zum Nest fliegen, um ihre Jungen zu füttern», sagt Gertrud Hartmeier, Vorstandsmitglied im Aargauer Verband Birdlife.

Muskelaufbau im Käfig

Ganz so oft werden die elternlosen Jungvögel, deren Nest auf einer Wohnwagendeichsel gefunden wurde, in der Pflegestation zwar nicht gefüttert. Dennoch steht Susanne Stocker von morgens bis abends im Einsatz, um die hungrigen Jungen zu versorgen.

Doch bald schon dürften die Vögel gross genug sein, um selbstständig Futter zu suchen. Bevor sie jedoch in die grosse Aussenvoliere dürfen, geht es für sie in einen kleineren Käfig zum Flugtraining. «Sie müssen zuerst Muskeln aufbauen, um überhaupt fliegen zu können», erklärt Stocker.

So schnell wie möglich sollen die Vögel wieder selbstständig in der Natur überleben können. Wenn sie so weit sind, bleibt die Türe der Voliere offen, bis sie davonfliegen. Doch nicht alle freuen sich gleichermassen über die wiedergewonnene Freiheit.

Eine Amsel, die drei Tage zuvor entlassen wurde, kehrt immer wieder zur Pflegestation im alten Schützenhaus zurück. «Es kommt häufiger vor, als uns lieb ist, dass die Vögel nicht von hier wegwollen», sagt Susanne Stocker.

Die Vögel erhalten keine Namen

Dabei sind sie darum bemüht, die Bindung zu den Tieren nicht zu stark werden zu lassen. «Wir versuchen, sie nicht zu stark zu verhätscheln und geben ihnen auch keine Namen.»

Denn zutrauliche Vögel sind leichte Opfer – Opfer von Katzen in erster Linie. Neben Fensterscheiben die häufigste Ursache für einen Aufenthalt in der Pflegestation. Nicht alle können gerettet werden.

Etwa ein Drittel der vorbeigebrachten Tiere überlebt nicht. «Oftmals reicht bereits ein Katzenbiss, damit ein Vogel an einer Infektion stirbt», sagt Hartmeier.

Wer verletzte oder verwaiste Vögel findet, sollte diese möglichst rasch und am besten in einer Kartonschachtel mit Luftlöchern in eine der Vogelpflegestationen bringen.

110 Vögel gelangten im letzten Jahr auf diesem Weg in die Oftringer Station. Manchmal würden die Helfer aber auch zu früh eingreifen, sagt Gertrud Hartmeier.

Deshalb rät sie: «Jungvögel, die auf den Boden gefallen sind, sollen auf einen Ast gesetzt werden und erst dann in die Station gebracht werden, wenn die Elternvögel diese innerhalb einer Stunde nicht holen.»

Denn in der Natur sei die Überlebenschance trotz allem am grössten.

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