Seit mehr als 14 Jahren vertreten Pascale Bruderer (SP) und Philipp Müller (FDP) den Kanton Aargau in Bundesbern – erst im Nationalrat, seit 2015 gemeinsam im Ständerat. Müller bedauert den Rückzug seiner langjährigen Politgefährtin, wie er zu "Tele M1" sagt: "Es ist schade, dass sie geht. Sie hatte nicht den klassischen Sozialistengroove." Bruderer sei eine pragmatische Sozialdemokratin, mit der man gut diskutieren könne, auch über Parteigrenzen hinweg. Die Zusammenarbeit sei stets angenehm gewesen.

Bruderer will die politische Bühne Ende Legislatur 2019 verlassen. Das hat sie am Donnerstag am Parteitag der SP Aargau in Spreitenbach bekannt gegeben. Damit hat sie auch Müller überrascht, wie er sagt. "Sie scheint mir voll im Saft zu sein." 

"Werden den Sitz nicht kampflos aufgeben"

Auch SP-intern war man "bis zu einem gewissen Grad überrascht" von Bruderers Ankündigung, wie Cédric Wermuth sagt. Der Entscheid sei früher als vermutet gekommen. "Das ist der persönliche Entscheid von Pascale Bruderer, den wir respektieren", sagt Wermuth.

Cédric Wermuth: "Wir wussten, dass der Tag irgendwann mal kommt"

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Er weiss: Es wird nicht einfach, Bruderer zu ersetzen. Die Ständerätin sammelte auch ausserhalb des linken Lagers Stimmen, gilt als Brückenbauerin und Mehrheitsmacherin. Wermuth sagt: "Die SP Aargau verliert ein namhaftes Gewicht."

Angst vor der Wahl in zwei Jahren und dem drohenden Verlust des Ständeratssitzes haben die Genossen laut Wermuth aber nicht. "Wir werden den Sitz nicht kampflos aufgeben." Bereits führe man Gespräche mit möglichen Nachfolgern. Namen nennt Wermuth keine. Der Nationalrat weiss, was auf seine Partei zukommt: "Es wird eine harte Auseinandersetzung." Aber auch Bruderers erste und zweite Wahl in den Ständerat hätten Knochenarbeit bedurft.

Reaktionen auf Twitter

Mehrere Parteikolleginnen und -kollegen sowie Weggefährten bedauern in den sozialen Medien Bruderers Rücktritt. Roger Nordmann, SP-Fraktionspräsident im Nationalrat, schreibt auf Twitter: "Liebe Pascale Bruderer, dein Abschied ist ein grosser Verlust. Wir zählen aber voll auf dich für die 2 letzten Legislaturjahre." Auf Facebook äussert sich auch Ex-CVP-Präsident Christophe Darbellay: Bruderer sei eine "bemerkenswerte Kollegin, gesegnet mit aussergewöhnlichen menschlichen und politischen Fähigkeiten".

Immer wieder wurde Bruderer als mögliche SP-Bundesrätin gehandelt. "Nordwestschweiz"-Redaktor Dennis Bühler vergleicht ihre Situation nun mit jener Peter Spuhlers: Der ehemalige SVP-Nationalrat wird seit Jahren als Bundesrat gehandelt, obwohl er immer wieder klarstellt, er hege keinerlei Ambitionen auf ein Magistratenamt.

(mwa)