Klassische Musik
Sie hat vier Klassen übersprungen: Wunder-Pianistin (17) macht einen Zwischenstopp im Aargau

Ihr grosses Ziel ist die New Yorker Carnegie Hall. Wie aber bleibt man als Wunderkind auf dem Boden? Die 17-jährige Pianistin Laetitia Hahn gewährt vor ihrem Auftritt in Aarau Einsichten.

Sibylle Ehrismann
Drucken
Teilen
Neben der Musik liebt sie auch den Sport: Die 17-jährige Laetitia Hahn ist alles andere als einseitig begabt.

Neben der Musik liebt sie auch den Sport: Die 17-jährige Laetitia Hahn ist alles andere als einseitig begabt.

Zur Verfügung gestellt

Mit 17 Jahren ist die deutsche Wunder-Pianistin Laetitia Hahn kein Kind mehr. Die Pubertät ist oft der Prüfstein – schafft sie es, ihre geniale Hochbegabung ins Erwachsenenalter zu transportieren? Das Klavierspiel dieser Jugendlichen jedenfalls wirkt schon sehr erwachsen, es ist ­zupackend, energisch und überraschend reflektiert.

Heutzutage werden Hochbegabungen meist früh erkannt und in darauf ausgerichteten Schulen entsprechend gefördert. Bei Vater Christian Hahn war es noch anders. Auch bei ihm wurde mit sechs Jahren ein hoher IQ von 137 festgestellt, ab einem IQ von 130 spricht man von Hochbegabung. Doch er hat damals keine entsprechende Förderung erfahren, er fühlte sich unterfordert in der Schule, es fehlten ihm entsprechende Herausforderungen.

Einen solchen Frust sollte Laetitia nicht erleben, das schworen sich die Eltern. Laetitias Mutter Annette ist Philosophin mit IQ 132. Und dann kam da noch das zweite Kind, Philip mit dem treffenden Zweitnamen Amadeus – auch er ein pianistisches Wunderkind. So stellten sich die Eltern ganz in den Dienst ihres hochbegabten Nachwuchses. Und sie achteten darauf, dass die Kinder bei aller Belastung durch Schule und ­Musik auch Kinder sein dürfen.

Starpianist Lang Lang war ihr Mentor

Laetitia klettert gerne, fährt Ski, liest viel und albert mit ihrem kleinen Bruder rum. Und sie wechseln wegen einer passenden Schule auch gerne ihren Wohnsitz, zum Beispiel wegen der Kaleidos University in ­Zürich, die ihren Hauptsitz ursprünglich in Aarau hatte. Hier machte Laetitia ihr Abitur.

Der wohl wichtigste musikalische Förderer Laetitias ist der chinesische Starpianist Lang Lang. Als kleines Mädchen gewann sie zwei Meisterkurse bei Lang Lang, mit elf Jahren ernannte er sie zum «Music ­Ambassador». Zudem trat sie zusammen mit dem weltbekannten Starpianisten in der chinesischen Stadt Nanjing auf.

Die damit verbundene Reise nach Asien hat die Eltern Hahn in ihrem Kurs der Hochbegabtenförderung ohne zu viel Druck bestärkt. «In China herrscht eine ganz andere Mentalität, ja Ellbogenmentalität», so Vater Christian Hahn. «Dort geht es in der ganzen Erziehung darum, stets der Beste zu sein. Selbst unter Kindern tobt ein Konkurrenzkampf.»

Mit vier Jahren wurde sie eingeschult

Laetita Hahn hat eine enorm schnelle Auffassungsgabe. Sie wurde mit vier Jahren eingeschult und übersprang vier Schulklassen. Mit acht Jahren gab sie ihr erstes Solokonzert von einer Stunde und bestand 2012 als Neunjährige die Aufnahmeprüfung als Jungstudentin an der Musikhochschule Düsseldorf.

Als jüngste je immatrikulierte Studentin kam Laetitia dann mit zwölf Jahren an die Kaleidos University, wo sie von Professor Grigory Gruzman und dem Aargauer Pianisten Oliver Schnyder unterrichtet wurde, mit vierzehn machte sie ihr ­Abitur. Mittlerweile spricht sie mehrere Sprachen, darunter auch Chinesisch.

Mit 14 Jahren komponierte sie ein eigenes Konzert. Hier spielt sie "Weapons of Light" im September 2019 mit dem Nationalen Symphonieorchester in Moldawien:

In Aarau zur Schule, ­Auftritte in Lenzburg

Dank der Kontakte Oliver Schnyders kennt man Laetitia Hahn in unserer Region, sie trat schon im Rahmen der Lenzburgiade auf und spielte vor kurzem in Muri. Nun also ist Hahn in Aarau in der Piano Lounge von Irene Näf zu Gast, bei inmusic. Dass dieser eher intime Raum auch hochvirtuose Pianistik gut verträgt, hat sich schon mehrmals gezeigt.

Laetitia Hahn kombiniert in ihrem Rezital die Sonate op.5 Nr. 3 von Brahms mit der brillanten «Chaconne» von Bach in der Bearbeitung von Ferruccio Bu­soni und Franz Liszts farbenreich-virtuosem «Venezia e Napoli». Worauf achtet die junge Künstlerin beim Programmieren? «Die Stückwahl ist eins der schwierigsten Themen,» sagt sie im Gespräch. «In der Regel achte ich auf einen Mix aus unterschiedlichen Epochen, Komponisten, unterhaltenden und komplexen Stücken.»

Laetitia Hahn spielt nicht nur Rezitals im kleinen Rahmen, sie kennt längst die grossen Häuser. So gab sie vor zwei Jahren in der KlassikPhilharmonie Hamburg ein viel beachtetes Orchesterkonzert mit Chopins Polonaise brillante op.22 vor ausverkauftem Saal. Und nur kurze Zeit später spielte sie beide Klavierkonzerte von Chopin. «Mein Traum wäre aber, einmal in der Elbphilharmonie aufzutreten,» sagt sie verschmitzt. «Und dann natürlich in der Carnegie Hall in New York.»

Hinweis

Pianolounge Aarau, Schönenwerderstrasse 42., 11. Dezember, 19.30 Uhr. Platzreservation obligatorisch über info@inmusic.ch.

Laetitia Hahn im Interview: