Home Instead
Sie betreuen ältere Menschen zu Hause und nicht im Altersheim

Der private Anbieter Home Instead verspricht Lebensqualität für ältere Menschen und Entlastung für staatliche Institutionen. Als Konkurrenz zu Heimen oder zur Spitex sehen sich die Betreuer allerdings nicht.

Hans Lüthi
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Dank Hilfe können ältere Menschen selbstständig bleiben.

Dank Hilfe können ältere Menschen selbstständig bleiben.

Home Instead

Die Zahl der älteren Menschen steigt und steigt, parallel dazu der zeitliche und finanzielle Aufwand für ihre Betreuung. Mag die Betreuung im Alters- und Pflegeheim auch noch so gut sein, der grösste Teil der über 80- und 90-jährigen Seniorinnen und Senioren wären lieber zu Hause. Weil es fast keine Grossfamilien mehr gibt, fehlt oft die nötige Hilfe und Betreuung, sei es punktuell für ein bis zwei Stunden oder im Ausnahmefall rund um die Uhr.

Hier springt «Home Instead» ein, die sich nicht als Konkurrenz zu Heimen oder Spitex sieht: «Die Spitex macht den medizinischen Teil, wir entlasten die pflegenden Angehörigen», sagt Geschäftsleiter Hansjörg Käser von Home Instead mit Sitz in Oberweningen. Die Seniorenbetreuung ist im Grenzgebiet Aargau-Zürich tätig, der Radius reicht vom Grossraum Baden bis nach Bad Zurzach. Eine weitere Organisation gibt es im Fricktal und in Solothurn für die Region Aarau-Olten.

Hilfe im täglichen Leben

Oft genügt eine Hilfe von zwei bis drei Stunden, damit ältere Menschen länger im trauten Heim bleiben können. Am Anfang sind die Betagten skeptisch, wenn eine fremde Person auftaucht. «Es braucht oft vier bis fünf Einsätze, bis die Senioren die Betreuerin in ihr Herz schliessen. Aber viele blühen richtig auf, ihre Lebensfreude kehrt zurück und ihre Lebensqualität steigt», versichert Käser. Auf 90 Betreuerinnen kommen nur fünf bis sechs Männer, die in Grundkurs und Weiterbildungen vorbereitet werden. «Eine ähnliche Mentalität und ähnliche Hobbys sind uns wichtig, denn die Chemie muss stimmen», sagt Käser.

Deshalb stelle die Organisation nur sozialkompetente Personen an, die gut Mundart verstehen und sich gerne um Betagte kümmern. Neben Gesellschaft leisten und Alltagsbegleitung geht es um die Unterstützung im täglichen Leben. So im Haushalt, beim Einkaufen, beim Spazieren, bei Besuchen, Begleitung zum Seniorentreffen oder ins Restaurant. Hilfe ist möglich von der Gartenarbeit bis zur Betreuung in der Nacht.

Hemmschwelle bei den Kosten

Eine Hemmschwelle bilden bisweilen die Kosten, die den sparsamen Senioren oft als zu hoch erscheinen. «In 95 Prozent wäre das Geld vorhanden, aber die Leute haben das Gefühl, sie könnten sich das nicht leisten», beschreibt Hansjörg Käser diese Hürde. Eine erste Beratung ist darum kostenlos und unverbindlich. «Oft bezahlen Sohn oder Tochter die Rechnung, weil es den Eltern zu teuer ist», sagt der Geschäftsleiter. Viele Leute hätten Anrecht auf eine Hilflosenentschädigung und könnten damit einen Grossteil der Kosten decken. Auch Ergänzungsleistungen würden bei mittellosen Senioren via Gemeinde ausgerichtet.

«Die Anreize sind völlig falsch gesetzt, man könnte riesige Summen einsparen», ist Käser überzeugt. Mit Hinweis auf weniger Aufenthalte in den Spitälern und Pflegeheimen, mit besserer Gesundheit dank richtiger Ernährung – weil sich jemand um Essen, Trinken und Einnahme der Medikamente kümmert.

Möglich ist auch eine Betreuung während 24 Stunden, die gleiche Person lebt dann zwei Wochen lang Tag und Nacht im Haus der Betagten. Bei 350 Franken pro Tag läppert sich das auf 11'500 Franken im Monat zusammen. Das kann sich nicht jede Person leisten. Dagegen sei die Betreuung für im Mittel 45 Franken pro Stunde recht günstig und bezahlbar.

Eher Ergänzung als Konkurrenz

«Eine gesundheitspolitische Bewilligung ist nicht notwendig, weil die Organisation keine Pflegeleistung erbringt», betont Balz Bruder, Leiter Kommunikation im Departement Gesundheit und Soziales. Die Seniorenbetreuer von Home Instead erhalten auch kein Geld aus der Krankenpflegeversicherung.

Es bestehe zwar eine gewisse Konkurrenzsituation, aber man arbeite zusammen, heisst es bei der Spitex Aargau. Die Betreuung zu Hause sei eine gute Ergänzung zur Pflege und den Heimen, glaubt Käser. Die 1994 in den USA gegründete Seniorenbetreuung Home Instead hat in der Schweiz 22 Standorte.

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