Bis Ende Jahr muss sich noch Regierungsrätin Susanne Hochuli (Grüne) mit den Problemen in den unterirdischen Asylunterkünften befassen. Nach ihrem Verzicht auf eine neue Kandidatur könnte das Thema bald Franziska Roth (SVP), Markus Dieth (CVP) oder Yvonne Feri (SP) beschäftigen. Die drei chancenreichsten Kandidatinnen und Kandidaten für die Nachfolge der Sozialdirektorin haben unterschiedliche Ansätze.

CVP-Kandidat Markus Dieth sagt: «Die unterirdischen Unterkünfte sind sowohl für die Insassen als auch für die Bevölkerung je länger je mehr ein Sicherheitsrisiko. Da werden sich die Regierung und der Grosse Rat bald intensiv damit auseinandersetzen.» Das heisse nicht, dass er als Grossrat einen Vorstoss lancieren oder als möglicher Regierungsrat eine Vorlage einbringen würde. «Das Konzept mit den kantonalen Grossunterkünften ist gut, aber man muss sich angesichts solcher Probleme wie jetzt in Aarau überlegen, ob es nicht schneller umgesetzt werden könnte.»

Geht es nach dem aktuellen Zeitplan, steht die erste oberirdische Grossunterkunft des Kantons erst im Jahr 2019. «Wenn ein Standort früher festgelegt werden kann, die lokale Bevölkerung einverstanden und das Ganze finanzierbar ist, könnte ich mir auch ein Provisorium vorstellen», sagt Dieth.

«So kann es nicht weitergehen»

«So kann es nicht weitergehen»

Es stinke, gebe kein Sonnenlicht und die Platzverhältnisse seien extrem eng. Die Bewohner vom Aarauer Asylzentrum sehen einen Zusammenhang zwischen ihren Wohnbedingungen und der tödlichen Messerattacke vom Samstag.

SP-Kandidatin Yvonne Feri ist skeptisch, wenn Asylsuchende unterirdisch untergebracht werden. «Das kann bei hohen Flüchtlingszahlen eine temporäre Lösung sein, längerfristig halte ich dies für problematisch. Wenn viele Menschen auf kleinem Raum zusammenleben, entsteht Konfliktpotenzial, insbesondere, wenn sie keine Beschäftigungsmöglichkeiten haben.» Ob dies in oberirdischen Anlagen anders wäre, sei schwer zu beurteilen.

Feri sagt, vielleicht wäre es hilfreich, die Erfahrungen beim Testzentrum in Zürich zu analysieren und Massnahmen bei grossen Unterkünften im Aargau zu übernehmen, die sich dort bewährt haben.

Toter nach Messerattacke in Asylunterkunft

Toter nach Messerattacke in Asylunterkunft

In der unterirdischen Unterkunft beim Kantonsspital Aarau stach ein Iraner auf zwei Landsmänner ein. Einer stirbt, der andere wird schwer verletzt.

SVP-Kandidatin Franziska Roth räumt ein, eine unterirdische Unterkunft sei nicht angenehm für Asylbewerber. «Ich glaube aber nicht, dass dies entscheidend zu einem erhöhten Aggressionspotenzial beiträgt.» Roth hatte als Richterin schon mehrere Fälle, bei denen Asylbewerber wegen Messerstechereien angeklagt waren, die in oberirdischen Anlagen wohnten.

«Problematisch ist, dass in den Asylzentren viele junge, arbeitsfähige Männer ohne Beschäftigung zusammenleben, die eine ungewisse Zukunft haben, dazu kommt oft noch der Alkohol – so entstehen dann kritische Situationen.» Darum müssten die Asylverfahren dringend schneller abgeschlossen werden, fordert die SVP-Regierungsratskandidatin.