So gut besucht müssten Gemeindeversammlungen sein. Bis auf den letzten Stuhl besetzt war der Gemeindesaal der Zofinger Reformierten – Seniorinnen und Senioren wollten Informationen zum Thema «Sicherheit im Alter» abholen. Sicherheit im Alter? Viele Tipps, welche Wachtmeister Stefan Kuster von der Regionalpolizei Zofingen gab, waren eigentlich altersneutral, wie eine aktuelle Meldung in der Ausgabe von gestern zeigt. Da ist die Rede von wachsendem Internet-Betrug. Handys, Handtaschen, Uhren, Laptops werden da angeboten, aber nach Bezahlung nie geliefert.

Wenn das Lächeln schwindet

Mitleidiges Lächeln – das verschwand aus den Gesichtern von Internet-Aficionados im Zuhörerkreis, als sich Polizist Kuster selber als Opfer «outete». Ferien in den USA waren angesagt. Gerne hätte er in deren Rahmen in Nashville ein NHL-Spiel gesehen. Er buchte per Internet, bezahlte – und bekam sein Ticket nie. «Da wird Druck aufgebaut», sagt Kuster, «nur noch ganz wenige Eintrittskarten verfügbar – da klickt man rasch.» Die Warnung: Nichts überstürzen und sich via Google über die gewählte Verkaufsseite informieren.

Enkelbetrug? Wie kommt eine meist ältere Person dazu, Wildfremden hohe Geldbeträge zu übergeben? «Die vermeintlichen Verwandten gehen am Telefon sehr geschickt vor», sagt Fachmann Kuster. «Oft appellieren sie gleich bei Gesprächsbeginn an das schlechte Gewissen – weisst du wirklich nicht mehr, wer ich bin?» Dies dränge das Opfer in die Defensive und es beginnt, seine Biografie nach Verwandten zu durchsuchen. Geschickte Fragen des Anrufers tun das ihre und die «Notsituation» wird geschildert. Zigtausend Franken sollen übergeben werden. Geld geben können – und so noch immer Einfluss haben – ist ein Mitmotiv tatsächlich zur Bank zu gehen.

Aber hallo – so die Reaktion aus dem Publikum, das sich sehr engagiert zeigte und Stefan Kuster viele Fragen stellte. «Wo liegt da die Verantwortung der Bank?» Hans-Peter Wernli, Leiter der Fachstelle Alter und Gesundheit der Stadt Zofingen, war selber einmal «Banker». Die Polizei anrufen? Dies verstosse gegen das Bankkundengeheimnis. Die Auszahlung verweigern geht auch nicht. Fragen stellen? Daran hätten viele Kundinnen und Kunden keine Freude – eine Gratwanderung.

Entwicklungshelfer auf Ski

Da ist ein Beispiel, das von sechs Jahren Schlagzeilen gemacht hat. Ein Zürcher Arzt – 77 Jahre alt, körperlich und geistig fit – half einem vermeintlichen Entwicklungshelfer mit 80'000 Franken aus. Kennen gelernt hatte er diesen in den Skiferien. Skifahren konnte der Betrüger, wie der Arzt zu Protokoll gab.

Der Rat von Fachmann Kuster: «Mit dem mutmasslichen Verwandten einen Rückruf vereinbaren – Geld innert Stundenfrist benötigt niemand.» Generell gebe es heute kaum je einen Grund, eine grössere Summe in Form von Bargeld zu übergeben.

Trickbetrug – der «gute» alte Handtaschendieb – noch immer hochaktuell, sagt Kuster. Bei Einkaufen nie das Portemonnaie an der Kasse irgendwo hinlegen, nie beim Geldwechsel sich in die Brieftasche schauen oder gar hineingreifen lassen. Und hält jemand beim Geldbezug am Bankomaten nicht Abstand – den Auszahlungsprozess abbrechen.