Was Andreas Santoni vor 40 Jahren im Kinderheim St. Benedikt in Hermetschwil erlebte, verfolgt ihn bis heute. Er wurde zwischen 1978 und 1981 vom damaligen Pfarrer im Kinderheim sexuell missbraucht. Letztes Jahr hat er sein Schweigen gebrochen und machte den Schritt an die Öffentlichkeit. Er ist nicht das einzige ehemalige Heimkind, das in Hermetschwil Schreckliches erlebt hat.

Die heutigen Verantwortlichen des Kinderheims und das Benediktiner-Kollegium Sarnen haben sich im Sommer öffentlich bei Andreas Santoni und allen anderen Opfern entschuldigt und angekündigt, die dunkle Vergangenheit aufzuarbeiten. «Hinschauen, nicht wegschauen» sei das grosse Anliegen der beteiligten Institutionen. Es gehe nicht nur um sexuelle Übergriffe, sondern um jegliche Art von Machtmissbrauch, die in der Vergangenheit im Kinderheim stattgefunden hat.

Vom Dorfpfarrer sexuell missbraucht: "Ich spüre Gott im Moment nicht mehr."

Vom Dorfpfarrer sexuell missbraucht: "Ich spüre Gott im Moment nicht mehr."

Im "Talk Täglich" erzählt Santoni vom steinigen Weg zurück zu einem glücklichen Leben und davon, warum das Zölibat endlich abgeschafft werden sollte. (Video vom Juni 2018)

  

Für die Aufarbeitung bislang bekannter und möglicher weiterer – heute noch unbekannter – Übergriffe setzen die Verantwortlichen des Kinderheims und des Klosters Muri-Gries eine unabhängige externe Untersuchungskommission ein, wie das Kinderheim St. Benedikt mitteilt. Die Kommission besteht aus drei Personen:

  • Edith Lüscher, Friedensrichterin, Stiftungsrätin des Sozialunternehmens ikj und ehemalige SP-Grossrätin
  • Bruno Meier, Historiker, Baden
  • Hanspeter Thür, Aarauer Stadtrat, Rechtsanwalt und ehemaliger eidgenössischer Datenschützer.

Die Verantwortlichen laden alle ehemaligen Schülerinnen und Schüler, die im Kinderheim Missbrauch erlebt haben, ein, sich bis spätestens Ende Juni bei Hanspeter Thür zu melden. Diejenigen, die sich bereits im Sommer gemeldet hätten, müssten dies nicht mehr erneut tun. Die Untersuchungskommission werde mit ihnen Kontakt aufnehmen. Der Aufruf richtet sich auch an ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die von Missbrauch im Kinderheim Kenntnis haben.

Hier können sich Betroffene melden:

Per Brief: Hanspeter Thür, Weinberstrasse 39A, 5000 Aarau, oder per E-Mail: hanspeter.thuer@bluewin.ch