Präventionskurs
Sexuelle Übergriffe: So werden Aargauer Seelsorger für die Thematik sensibilisiert

Im März und Mai finden im Aargau obligatorische Präventionskurse für Seelsorgende mit Missio statt. Damit will das Bistum Basel sexuelle Übergriffe vorbeugen und die Seelsorger für die Thematik sensibilisieren.

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Mehr als die Hälfte der sexuellen Übergriffe durch katholische Seelsorger richtete sich gegen Kinder. (Symbolbild)

Mehr als die Hälfte der sexuellen Übergriffe durch katholische Seelsorger richtete sich gegen Kinder. (Symbolbild)

Keystone

Es ist ein Thema, das immer wieder für Schlagzeilen sorgt: Sexuelle Übergriffe in der Kirche. Dagegen will das Bistum Basel vorgehen – mit einem obligatorischen Präventionskurs für alle Seelsorgende mit Missio.

«Nähe und Distanz in der Pastoral» hat das Bistum bereits in anderen Kantonen angeboten, nun finden im März und Mai auch Kurse im Aargau statt.

«Sexuelle Übergriffe sind Gott sei Dank Ausnahmen. Umso wichtiger ist es, sich mit dem Thema Nähe und Distanz zu befassen, um sich bewusst zu machen, wo Grenzverletzungen entstehen können», sagt Rita Wismann-Baratto gegenüber dem Aargauischen Pfarrblatt «Horizonte». In den aktuellen Kursen für das Seelsorgepersonal gehe es darum, die Leute an das Thema heranzuführen und entsprechend zu sensibilisieren.

Was ist zu viel?

Die Gemeindeleiterin aus Suhr wirkt als eine der Referentinnen bei der Durchführung der Präventionskurse mit. Die Teilnehmer seien meist nicht durch eindeutige Situationen verunsichert, sondern durch den «Graubereich»: Was ist zu viel? Darf man noch Hand auflegen oder wird die Geste bereits als Übergriff empfunden? «Wir klären, wo Abhängigkeitverhältnisse beginnen, was Formen der sexuellen Belästigung sind.»

Weiter soll die Kirche den Seelsorgern aber auch Sicherheit in diesem Thema geben. Einereits als eine «Bewusstseinsstärkung im Zusammenhang mit dem eigenen Verhalten», wie Wismann-Baratto erklärt, andererseits sollen die Teilnehmer und Teilnehmerinnen auch wissen, wie sie mit problematischen Situationen in der Gemeinde umgehen können.

Der Besuch des Kurses ist obligatorisch. Das schliesst nicht nur Priester und Diakone, sondern auch Laientheologen und Katecheten, die als Religionslehrer tätig sind, mit ein.

«Schmaler Grat für Seelsorger»

«Eine Seelsorge-Beziehung darf nie in ein private Beziehung uminterpretiert werden», stellt Wismann-Baratto klar. Es dürfe nicht darum gehen, dass im Kontakt zum Gegenüber eigene Bedürfnisse eine Rolle spielen. Seit drei Jahren ist die Suhrerin als Ansprechsperson Mitglied im «Fachgremium gegen sexuelle Übergriffe im Bistum Basel» tätig.

«Als Seelsorger bewegt man sich auf einem schmalen Grat», bestätigt auch Kurt Grüter, Leiter des Pastoralraumes «Unteres Freiamt» gegenüber «Horizonte». Der Wohler kam als Mitglied einer Expertenkommission zu sexuellen Übergriffen in der Pastoral bereits mit dem Thema in Kontakt. Der aktuelle Kurs hat einen guten Zugang zur Thematik, ist Grüter überzeugt. Und auch bei den Teilnehmern und Teilnehmerinnen kam der Kurs bisher gut an. Sie schätzten vor allem den Austausch mit anderen Seelsorgenden.

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