Josef Schmid ist 86 Jahre alt, Aargauer Grossrats-Kandidat der Sozial-Liberalen Bewegung SLB - und einschlägig vorbestrafter Sexualstraftäter. Das zeigen Recherchen des Regionalsenders Tele M1.

1967 hat ihn nämlich das Geschworenengericht Aargau wegen sexueller Übergriffe zu viereinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Eine weitere Freiheitsstrafe von einem Jahr erhielt der heute 86-Jährige wegen sexueller Handlungen mit Abhängigen im Jahr 2003.

Bei letzterem Prozess stritt er alle Vorwürfe ab. Es stecke ein Komplott dahinter mit dem Ziel, ihn und sein Hilfswerk zu erledigen. Josef Schmid leitet mit seinem Sohn Samuel, dem Präsidenten der SLB, ein internationales Hilfswerk, welches sich unter anderem für die Erdbebenopfer in Haiti engagiert hat.

SLB weiss Bescheid

Heute spricht Josef Schmid, der älteste Grossratskandidat im Aargau, etwas distanziert über seine Strafpozesse: «Im ersten Prozess habe ich moralisch gefehlt», sagt er gegenüber Tele M1.

Noch heute glaubt er an einen Komplott des zweiten Prozesses: «Der wurde sehr gut organisiert. Ich kann den Richter aber nicht verübeln, wenn er mich wegen Vorstrafen verurteilt hat», so der 86-jährige Schmid.

Josef Schmid mit seinem Sohn Samuel, dem SLB-Präsidenten: Sie führen gemeinsam ein Hilfswerk

Josef Schmid mit seinem Sohn Samuel, dem SLB-Präsidenten: Sie führen gemeinsam ein Hilfswerk

Trotz Gefängnisstrafe will er in seinem hohen Alter in die Politik einsteigen. Das ist laut Urs Meier, dem Leiter der Aargauer Wahlbüros nicht verboten. So können sich laut Gesetz auch Sexualstraftäter in der Politik wählen lassen.

Auch der SLB scheints egal zu sein: «Wir wissen über die Vorgeschichte Bescheid und stehen voll und ganz dazu», sagt Sohn und SLB-Präsident Samuel Schmid. Die Wahlkommission der SLB lag Josef Schmid eine Kandidatur sogar nahe: «Wir wollen Politik für Menschen im Unrecht machen. Mein Vater hat eine reiche Lebenserfahrung, ist voller Tatendrang und sehr frisch im Geist», so Samuel Schmid auf Anfrage der az.