Berufung
Sex-Lehrer: Anwalt zieht Fall weiter ans Obergericht

Der Anwalt des Opfers im Prozess gegen den Aarauer Sex-Lehrer zieht das Urteil weiter. Er hofft auf den Durchbruch der Minderheitsmeinung im Bezirksgericht, wonach der ehemalige Bezirkslehrer seine Schülerin doch vergewaltigt haben soll.

Thomas Röthlin
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Der Beschuldigte unterrichtete bis im November 2006 an der Bezirksschule Aarau

Der Beschuldigte unterrichtete bis im November 2006 an der Bezirksschule Aarau

Christoph Voellmy

Am Mittwochabend hat das Bezirksgericht Aarau den ehemaligen Bezirkslehrer I. schuldig gesprochen, weil er Sex mit einer unter 16-jährigen Schülerin hatte. Einen Freispruch erreichte I. jedoch vom Vorwurf, er habe S. vergewaltigt. Das Gericht verurteilte ihn zu drei Jahren Gefängnis, wovon er ein Jahr absitzen muss.

Am Donnerstag gab der Anwalt von S., Patrick Stutz bekannt, er lege gegen das Urteil Berufung ein. Dies, weil eine Minderheit des fünfköpfigen Gerichts seiner Mandantin glaubte, sie sei psychisch unter Druck gesetzt worden. Die Mehrheit sah diese Voraussetzung für eine Vergewaltigung nicht als gegeben an.

Kein Schuldspruch bei fehlender Klage

Zweitens setzt Stutz auf eine Verurteilung von I. wegen sexuellen Handlungen mit Abhängigen. Diese betreffen unmündige Personen über 16 Jahren mit einem Machtgefälle zum Täter - zum Beispiel Schülerinnen, die von ihrem Lehrer ausgenützt werden. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch das Gericht hatten aus dem Sachverhalt geschlossen, der entsprechende Straftatbestand könnte vorliegen. Die Richter wollten jedoch auf eine Schuldigsprechung verzichten für etwas, das nicht formell angeklagt war.

Schliesslich geht es Stutz auch um die Genugtuungssumme. Er verlangte 30‘000 Franken, zugesprochen wurden 9000 Franken. Die Minderheit des Gerichts hätte 15‘000 Franken gegeben - und I. für viereinhalb Jahre ins Gefängnis geschickt.