Die hohen Zahlen sagen alles. Alte Gemüsesorten sind beliebt wie nie zuvor: Rund 10 000 Hobbygärtner werden dieses Wochenende zum Schloss Wildegg fahren, um sich mit Setzlingen für den eigenen Garten einzudecken. Dabei erleben sie heute einen zusätzlichen Höhepunkt. Autorin Marianna Serena wird das neue Lexikon über altes Gemüse vorstellen. Mit 800 Sorten in Wort und Farbbildern gilt das dicke Buch als umfangreichstes Nachschlagewerk im deutschsprachigen Raum.

Vier Jahre Arbeit hat sie investiert, mit Stolz hält sie das 2,7 Kilogramm schwere, reich und schön illustrierte Buch in den Händen. Es enthält alles, was Profis und Laien über die alten Gemüsesorten wissen wollen.

Einsatz für eine grössere Vielfalt

Die Bedrohung der Vielfalt ist durchaus real, weil in der Saatgutlobby immer weniger Firmen einen immer grösseren Teil des Marktes beherrschen. Pro Specie Rara ist vor anderthalb Jahren von Aarau nach Basel gezogen und kämpft mit der Erklärung von Bern für freies Saatgut. Vor acht Jahren kam Marianna Serena zur Stiftung und war auf
Anhieb «unglaublich fasziniert von den alten Sorten». Bisher enthielt der Überblick pro Sorte fünf Wörter. Daraus ist im neuen Buch ein ganzer Abschnitt geworden. «Die klare
Beschreibung gibt dem Laien sofort einen Überblick, mit Tipps zum Anbau und zur Eignung in der Küche sowie zum kulturhistorischen Hintergrund», sagt die Autorin.

Als strengsten Einsatz hat sie die Fototour durch die ganze Schweiz erlebt. Drei Sommer lang war sie mit zwei Fotografen unterwegs, um Pflanzen und Früchte im Reifezustand ablichten zu können. Denn die 500 Saatgut-Erhalter sind im ganzen Land verteilte Biogärtner. Sie arbeiten freiwillig und schicken die geerntete Saat an Pro Specie Rara.

Tomaten, Gurken und Melonen

Bei den Kartoffeln gibt es mittlerweile 80 Sorten, bei den Tomaten deren 70, wobei viele aus der Erzeugung von Rebekka Herzog aus Hottwil kommen. Sie allein hat für den Verkauf auf der Wildegg 10 000 Setzlinge vorbereitet. Auch bei den Gurken gibt es 20 Sorten, und selbst bei exotischem Gemüse können die Aargauer heute und morgen zugreifen: «Es gibt Zuckermelonen und Auber-ginen für unser Klima», erklärt Marianna Serena. Aber bis Juni müssten sie schon im Treibhaus sein.