Serie Frauenstimmen
Christine Egerszegi zum Frauenstimmrecht: «Ich habe mich 1971 nicht für Politik interessiert»

Christine Egerszegi, ehemalige FDP-Ständerätin aus dem Kanton Aargau, erinnert sich, wie sie ihre Mutter nach Annahme des Frauenstimmrechts an die Gemeindeversammlung geschleppt hat.

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Christine Egerszegi (73) ist stolz auf ihre «freundliche Hartnäckigkeit»

Christine Egerszegi (73) ist stolz auf ihre «freundliche Hartnäckigkeit»

Iris Krebs

2021 ist ein Frauenjahr: Vor 50 Jahren wurde das Frauenstimmrecht eingeführt, die Frauenzentrale feiert ihr 50-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass publiziert die AZ unter dem Titel «Frauenstimmen» dieses Jahr jede Woche ein kurzes Interview mit einer Frau aus dem Aargau.

Wer sind Sie?

Christine Egerszegi-Obrist, Frau, Mutter, Grossmutter, Freundin, Französisch- und Italienischlehrerin, Musikbegeisterte, Kulturförderin, langjährige Politikerin auf allen Ebenen (Schulpflegerin, Stadträtin, Grossrätin, Nationalratspräsidentin Ständerätin), Expertin für Sozialversicherungen und Gesundheitspolitik, Ansprechperson für Gremien in denen Erfahrung weiterhelfen kann, auch immer noch auf Bundesebene.

Wofür erheben Sie Ihre Stimme?

Für Gerechtigkeit, für Wertschätzung unabhängig von gesellschaftlicher Stellung, für den Wert kultureller Tätigkeiten in einer Gesellschaft, in der so vieles nur über Kosten definiert wird. Für gute und tragfähige Kompromisse.

Wie haben Sie das Jahr 1971 erlebt?

Ich habe mich – im Gegensatz zu meiner Mutter – 1971 nicht für Politik interessiert. Sie hat mich nach Annahme des Frauenstimmrechtes an die nächste Gemeindeversammlung «geschleppt», weil sie überzeugt war, dass wir Frauen mitbestimmen müssen.

Was braucht es für Chancengleichheit?

Die Überzeugung der Gesellschaft, dass jeder Mensch besondere Talente hat. Es ist unsere Aufgabe mit einer ganzheitlichen Bildung Möglichkeiten zu bieten, dass alle ihre Fähigkeiten erkennen, entwickeln und einsetzen können.

Wovon träumen Sie?

Dass Corona endlich vorbei ist und wir in allen Kulturbereichen nicht nur planen, einstudieren und proben können, sondern auch umsetzen, vorstellen, spielen dürfen.

Worauf sind Sie stolz?

Mit freundlicher Hartnäckigkeit ist es mir ein paar Mal gelungen entscheidende Lösungen auf politischer Ebene zu erreichen, wie die Einführung der Aufsicht über die Krankenkassen, die bisher einzige Revision des Gesetzes der Pensionskassen oder den Verfassungsartikel «Jugend und Musik», der die musikalische Bildung von Kindern und Jugendlichen fördert.

Ihr persönlicher Leitsatz?

Wer nicht aussät, kann auch nicht ernten.

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