Serie
50 Jahre Frauenstimmrecht: «Ich frage mich manchmal, wie wohl mein Vater abgestimmt hat»

Sabina Vögtli-Fischer ist Frau Gemeindeammann von Hendschiken. Sie spricht über Respekt, Toleranz und ihre Träume. Sie erzählt, warum sie ihre Mutter geprägt hat und was sie nicht aushalten kann.

Drucken
Teilen
«Die Förderung und entsprechend die Präsenz von Frauen in Beruf, Wirtschaft und Politik ist mir ein grosses Anliegen», sagt Sabina Vögtli-Fischer.

«Die Förderung und entsprechend die Präsenz von Frauen in Beruf, Wirtschaft und Politik ist mir ein grosses Anliegen», sagt Sabina Vögtli-Fischer.

Iris Krebs

Wer sind Sie?

Ich bin Sabina Vögtli-Fischer, 59 Jahre alt, verheiratet, Mutter von zwei erwachsenen Kindern und wohne in Hendschiken. Ich arbeite zum einen beim Parlamentsdienst des Kantons Aargau und bin für die grossrätliche Kommission für Bildung, Kultur und Sport (BKS) zuständig, und zum anderen bin ich als Historikerin für das Staatsarchiv des Kantons Tessin tätig und publiziere gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen mittelalterliche Notariatsdokumente. Seit 13 Jahren engagiere ich mich im Gemeinderat; während neun Jahren als Gemeinderätin und seit vier Jahren als Frau Gemeindeammann.

Wofür erheben Sie Ihre Stimme?

Da ich eine sehr temperamentvolle und engagierte Frau bin, erhebe ich meine Stimme wohl häufiger als andere. Ich kann Ungerechtigkeit nicht aushalten und setze mich für Chancengleichheit ein. Als Frau Gemeindeammann erhebe ich die Stimme für unser Dorf und seine Einwohnerinnen und Einwohner.

Was haben Sie 1971 gemacht, als das Frauenstimmrecht eingeführt wurde?

Ich war damals neun Jahre alt und kann mich nicht an die Diskussionen und die Abstimmung erinnern. Das bedaure ich heute sehr und frage mich manchmal, wie wohl mein Vater abgestimmt hat. Meine Mutter war damals schon eine sehr «emanzipierte» Frau, denn sie hat bereits in den 1950ern als Posthalterin gemeinsam mit meinem Vater die Post in Hendschiken geführt und in diesem Sinne das Modell «Beruf und Kinder» gelebt; ohne sich dessen bewusst zu sein. Dieses Vorbild hat mich geprägt, und Gleichberechtigung ist für mich sehr wichtig. In diesem Sinne ist mir die Förderung und entsprechend die Präsenz von Frauen in Beruf, Wirtschaft und Politik ein grosses Anliegen.

Chancengleichheit, was braucht es dazu?

Es braucht Frauen und Männer, die sich engagieren. Wir müssen Rahmenbedingungen schaffen, die es sowohl Frauen als auch Männern erlauben, Kinder und Beruf, Karriere sowie Politik zu vereinbaren. Die Politik, die Wirtschaft und die Gesellschaft sind gefordert. Wichtig erscheinen mir in diesem Zusammenhang vor allem auch entsprechende Vorbilder für Mädchen und für Knaben.

Wovon träumen Sie?

Wovon ich privat träume, bleibt mein Geheimnis. In der Politik träume ich von engagierten Frauen in der Exekutive, und zwar auf allen drei Ebenen; Gemeinde, Kanton und Bund. Weiter wünsche ich mir einen Umgang, der geprägt ist von Respekt und Toleranz, und ich wünsche mir weniger Verbissenheit und dafür etwas mehr Humor.

Worauf sind Sie besonders stolz?

Das ist keine einfache Frage und ich beantworte sie folgendermassen: Ich bin stolz nach Gemeinderatssitzungen, an denen wir nach guten Diskussionen den richtigen Entscheid gefällt haben. Wenn ich ein wichtiges Geschäft erfolgreich an einer Gemeindeversammlung abschliessen kann. Wenn ich meine Freundinnen und Freunde mit einem feinen Znacht verwöhnen durfte und wenn ich mich wieder einmal zu einer sportlichen Aktivität überwinden konnte!

Was ist Ihr Wunsch für die Zukunft?

Die Präsenz von Frauen in Wirtschaft und Politik sollte kein Thema mehr sein, das für Diskussionen sorgt, da wir Frauen überall entsprechend vertreten sind.

Haben Sie einen persönlichen Leitsatz?

Nein. Für mich sind Werte wie Respekt und Toleranz sehr wichtig.

Aktuelle Nachrichten