Wer einen Wildunfall nicht sofort meldet, macht sich strafbar – dies hat am Montag das Bezirksgericht Muri entschieden. Bei solchen Unfällen entsteht nicht nur ein Schaden für den Verursacher, sondern auch für den Kanton. Dieser beträgt laut dem Strafbefehl der Staatsanwaltschaft im konkreten Fall 200 Franken. «Der angefahrene Rehbock ist rechtlich als Sache qualifiziert und gehört grundsätzlich dem Kanton», sagte Gerichtspräsident Michael Plattner.

Dieser versucht seit einigen Jahren, die Zahl der Wildunfälle zu reduzieren. So hat die kantonale Sektion Jagd und Fischerei jene sieben Strecken im Aargau ermittelt, wo am häufigsten Wildtiere angefahren werden. Dabei stellte sich heraus: In den Jahren 2001 bis 2006 kamen um Murgenthal, Rothrist und Vordemwald 394 Tiere im Strassenverkehr ums Leben. Allein auf der Strecke durch den Boowald, das grösste zusammenhängende Waldgebiet des Aargaus, ereigneten sich damals jährlich rund 60 bis 70 Wildunfälle.

Sensoren erfassen Wildtiere

Um diese Zahl zu senken, ging der Kanton neue Wege und installierte eine aktive Wildwarnanlage. Dies aufgrund der Erkenntnis, «dass herkömmliche, fixe Wildwarntafeln nur auf eine stän-dige potenzielle Gefahr hinweisen und kaum beachtet werden», wie es im Februar 2013 in «Umwelt Aargau» hiess. Auch andere Systeme, die Tiere mit Piepstönen, Menschengeruch oder Blinkern vom Überqueren der Strasse abhalten sollten, erwiesen sich als wenig wirkungsvoll. Stattdessen wurde eine Anlage installiert, welche die Umgebung mit Infrarotsensoren auf warme und sich bewegende Körper absucht. Werden die Infrarotstrahlen von einem Tier unterbrochen, leuchten an der Strasse umgehend Warntafeln auf und die Autofahrer werden auf die akute Gefahr aufmerksam gemacht. Dank der neuen Warnanlagen haben sich die Wildunfälle im Boowald massiv reduziert. «In Murgenthal verzeichneten wir seit 2011 nur noch einen einzigen Fall, in dem ein Tier überfahren wurde», sagt Reto Fischer von der Sektion Jagd und Fischerei. Warnanlagen stehen inzwischen auch im Fricktal zwischen Kaisten und Sisseln und im Seetal zwischen Seon und Schafisheim.

Zehn gefährliche Strecken

Gratis ist das Plus an Sicherheit aber nicht, wie Fischer sagt. «Die Kosten hängen von der Länge und von kurvigen Strassenabschnitten ab. Bei den realisierten Anlagen lagen sie zwischen 80 000 und 120 000 Franken.» Dazu kamen die Kosten für das Verlegen der Leitungen zu den Anlagen und weitere Arbeiten. Alle heiklen Stecken konnten mit den Anlagen allerdings nicht entschärft werden. Kritisch sind insbesondere jene Strassen, die durch Wildtierkorridore führen, wie Umfragen bei den Jagdgesellschaften ergeben haben. «Es gibt knapp zehn Strecken, auf denen jährlich zehn und mehr Wildunfälle registriert wurden. Die drei unfallreichsten sind die Kantonsstrassen zwischen Rheinfelden und Möhlin, Hertenstein und Freienwil und zwischen Bremgarten und Wohlen», zählt Fischer auf. Diese stehen im Vordergrund, wenn es um weitere Anlagen geht. «Ob diese installiert werden, entscheidet Regierungsrat Stefan Attiger», hält Reto Fischer fest.