Vordemwald

Sennhof-Heimleiter: «Der ‹Juchli› ist die Bibel der Krankenpflege»

Schwester Liliane Juchli hat mit ihren Werken Generationen von Krankenschwestern geprägt. Archiv/Katja Landolt

Schwester Liliane Juchli hat mit ihren Werken Generationen von Krankenschwestern geprägt. Archiv/Katja Landolt

«Pionier»-Schwester Liliane Juchli hält auf Einladung des Pflegeheims Sennhof einen Vortrag über Krankenpflege im Gemeindesaal. In ihrem Buch spricht sie Themen an, die damals tabu waren.

Mit ihren 80 Jahren steigt Schwester Liliane Juchli ohne Probleme auf Stühle. Die Frau, die die Krankenpflege revolutionierte, lässt sich vom Alter nicht aufhalten. Es war denn auch ihre Energie, die Urs Schenker, Leiter des Pflegeheims Sennhof dazu motivierte, Schwester Liliane nach Vordemwald einzuladen. «Sie hat mit ihren Werken Generationen von Pflegenden geprägt», sagt Schenker.

Schwester Liliane Juchli, Ordensschwester der Ingenbohler Schwestern, hat die Entwicklung und Professionalisierung der Pflege tief greifend und nachhaltig beeinflusst. In den 1960er Jahren, die Juchli als Lehrerin für Krankenpflege erlebte, begann eine neue Ära: Die Krankenpflege wurde vermehrt medizin- und handlungsorientiert.

Funktionspflege prägte das Krankenhaus dieser Zeit. Bei der Ausbildung der Krankenschwestern fehlte es an einheitlichem Unterrichtsmaterial. Also entwickelte Schwester Liliane selbst Pflegeunterlagen und lehrte auf die Bedürfnisse der Patienten ausgerichtete Handlungsweisen.

1971 erschien ihr erstes Manuskript unter dem Titel «Umfassende Krankenpflege». Es wurde zum Vorläufer des Pflegebuches, das im Jargon «der Juchli» genannt wird. 1973 gab der medizinische Fachverlag Thieme den ersten «Juchli» heraus: «Allgemeine und spezielle Krankenpflege: ein Lehr- u. Lernbuch».

Neben ihrer Lehrtätigkeit schrieb Schwester Liliane an einer zweiten und dritten Auflage. Es war eine Zeit grösster Herausforderung. Plötzlich wurde ihr alles zu viel. Ein Jahr lang nahm sie sich eine Auszeit, beschäftigte sich mit sich selbst.

Sie spürte, was es heisst, mit allen Sinnen betroffen zu sein. Und sie erkannte auch: «Wer sich selbst nicht pflegt, kann auch andere nicht pflegen.» In diese Zeit fiel die Entscheidung für die Neugestaltung der vierten Auflage des Krankenpflegebuches. Mit dessen Erscheinen 1983 durchbrach sie das traditionelle Denken in der Krankenpflege.

Das Buch trägt den Titel «Krankenpflege – Praxis und Theorie der Gesundheitsförderung und Pflege Kranker». Darin wird nicht mehr nur die Krankheit thematisiert, sondern auch die Gesundheit. Grundlegend neu aber war der ganzheitliche Ansatz sowie die Gewichtung der Inhalte der Pflege an den Bedürfnissen des Menschen in allen seinen Dimensionen.

Juchlis Standardwerk hat mittlerweile die Auflagezahl einer Million erreicht und ist auch in italienischer und holländischer Sprache in mehreren Auflagen erschienen.

Film, Vortrag, Fragerunde

«Der ‹Juchli› ist die Bibel der Krankenpflege», sagt Sennhof-Heimleiter Urs Schenker. In ihrem Buch habe Schwester Liliane viele Themen angesprochen, die zu dieser Zeit tabu waren.

«Zudem hat sie als Ordensschwester eine sehr weltliche Anschauung.» Trotz ihres Glaubens habe auch sie eine Lebenskrise durchgemacht und stehe offen dazu, das beeindrucke ihn.

Genauso wie die Dynamik, die sie ausstrahle. Umso mehr freut sich Urs Schenker auf den Vortrag, den Schwester Liliane Juchli am Dienstag, 25. Juni in Vordemwald halten wird. Zum Auftakt des Abends wird der Film «Leiden schafft Pflege – ein Leben für die Würde des Menschen» von Marianne Pletscher gezeigt.

Anschliessend spricht Schwester Liliane zum Thema «Pflege mit Leidenschaft». Zum Abschluss haben die Besucher Gelegenheit Fragen zu stellen. Der Eintrittspreis von zehn Franken geht zugunsten eines Projekts von Schwester Liliane. Mit dem Geld soll betagten Ingenbohler Schwestern eine Ferienreise ermöglicht werden. (CWI)

Vortrag Schwester Liliane Juchli mit
anschliessender Diskussionsrunde,
Dienstag, 25. Juni, um 19 Uhr im
Gemeindesaal Vordemwald.

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