Seltene Berufe
«Heute sind unsere Produkte Souvenirartikel»: Wie die Weissküfer altes Handwerk und Tradition bewahren

An der Aargauischen Berufsschau 2021 erhalten Jugendliche auch einen Einblick in seltene Berufe, die nahe am Aussterben sind. Warum eine solche Berufslehre meist in die Selbstständigkeit führt und welche Voraussetzungen die Lernenden mitbringen sollten.

Ann-Kathrin Amstutz
Drucken
Teilen
Der 13-jährige Jonas aus Zofingen arbeitet gerne mit Holz: «Am Schluss halte ich etwas in den Händen, das ich nach Hause nehmen kann.»

Der 13-jährige Jonas aus Zofingen arbeitet gerne mit Holz: «Am Schluss halte ich etwas in den Händen, das ich nach Hause nehmen kann.»

Chris Iseli

Jede Handbewegung muss sitzen. In der linken Hand hält Jonas aus Zofingen einen Holzschlegel, in der rechten einen Meissel. Geduldig hämmert der 13-Jährige den Bleistiftlinien entlang. Unter der Skizze nimmt der Kopf eines Elefanten Form an. «Ich wäre nie darauf gekommen, was man mit diesen Werkzeugen alles machen kann», erklärt Jonas.

Der 13-Jährige mag das handwerkliche Arbeiten: «Am Schluss halte ich etwas in den Händen, das ich nach Hause nehmen kann.» Und er mache es wohl auch nicht allzu schlecht, fügt Jonas an. Denn: «Immer, wenn meine Mutter etwas im Internet bestellt hat, fragt sie mich, ob ich es zusammenbaue», sagt er mit einem Lachen.

«Es braucht vor allem Freude am Holz und am Gestalten»

Damit würde Jonas die wichtigste Voraussetzung für eine Lehre als Holzbildhauer oder Weissküfer erfüllen. Als Holzbildhauer würde er Tier- und Menschenfiguren aus Holz herstellen, Inschriften und Ornamente schnitzen. Als Weissküfer - mittlerweile ein extrem rarer Beruf - würde er Milchgeschirr und andere traditionelle Gerätschaften für die Sennerei aus Holz herstellen.

«Um einen solchen Beruf zu erlernen, braucht es vor allem eines: Freude am Holz und am Gestalten. Ein gutes Vorstellungsvermögen und den Willen, genau zu arbeiten, sind auch hilfreich», sagt Roman Räss. Der gelernte Weissküfer und Holzbildhauer stellt beide Berufe an der Aargauischen Berufsschau in Wettingen vor. Das lohnt sich: «Wir waren schon vor zwei Jahren an der Berufsschau - damals haben sich sogar Lehrverhältnisse daraus ergeben», so Räss.

Roman Räss, Weissküfer und Holzbildhauer, stellt die beiden Berufe an der Aargauischen Berufsschau vor.

Roman Räss, Weissküfer und Holzbildhauer, stellt die beiden Berufe an der Aargauischen Berufsschau vor.

Chris Iseli

«Wir arbeiten mit sehr vielen Holzarten», erklärt er. Auch die Motive, Werkzeuge und Arbeitstechniken seien sehr vielfältig: «Unsere Lernenden nehmen viel Know-how mit», verspricht Räss, der an der Schule für Holzbildhauerei in Brienz auch Lernende ausbildet. Weil die Stellen für die Lehrabgängerinnen und Lehrabgänger rar sind, führt eine solche Lehre meist in die Selbstständigkeit.

Weissküferei: Ein Handwerk, das nahe am Aussterben ist

Insbesondere der Beruf des Weissküfers ist nahe am Aussterben: In den meisten Jahren gibt es schweizweit keine Lernenden, die sich für den Beruf entscheiden. Roman Räss bestätigt, dass es ein absoluter Nischenberuf geworden sei: «Früher hatten wir mehr Aufträge, heutzutage sind unsere Produkte vor allem Souvenirartikel.» Dessen ungeachtet praktiziert Räss seinen Beruf mit viel Stolz und Herzblut:

«Dieses alte Handwerk zu beherrschen und die Tradition weiterzuführen, ist etwas sehr Schönes.»

Mit ebenso viel Leidenschaft übt Pepito Zwahlen sein Handwerk aus. Zwahlen ist einer von nur etwa dreissig Korb- und Flechtwerkgestaltern in der Schweiz. Eigentlich wäre er schon lange pensioniert, doch das Flechten lässt den 78-Jährigen nicht los: «Es ist eine wahnsinnige Befriedigung, ein selbst geschaffenes Objekt in der Hand zu halten», sagt er. Ein handgearbeiteter Korb sei heutzutage etwas Besonders: «Sonst wird ja alles in Massenproduktion gefertigt, da sieht alles gleich aus», meint Zwahlen. «Davon heben wir uns ab.»

Auch die Zahl der Korbflechter nimmt immer mehr ab, doch Zwahlen ist überzeugt: «Es ist absolut kein 0815-Beruf, aber ein hochspannender.» Man benötige wenig Werkzeug und keine Maschinen: «Das ist ein grosser Vorteil», erklärt Zwahlen, «wir brauchen keine teure Infrastruktur und haben es dadurch leichter, uns selbstständig zu machen.»

Aktuelle Nachrichten