Affäre Geri Müller
Selfie-Affäre beschäftigt nun auch den Regierungsrat: SVP hinterfragt Polizeieinsatz

Nach der Verhaftung der Chat-Partnerin des Stadtammanns in Baden ist die Affäre um verschickte Nackt-Selfies an die Öffentlichkeit gekommen. Die SVP-Fraktion im Grossen Rat will nun Klarheit zur Polizeiaktion. Grossräte fordern mehr Infos.

Manuel Bühlmann
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Wirbel um einen Chat mit delikatem Inhalt: Geri Müller stellte sich am Dienstag den Medien.

Wirbel um einen Chat mit delikatem Inhalt: Geri Müller stellte sich am Dienstag den Medien.

Keystone

Der Polizeieinsatz gegen die Chat-Partnerin von Geri Müller vom 13. August gibt weiter zu reden. Der Badener Stadtammann bestätigte an der Medienkonferenz vom Dienstag, dass er sich wegen Suiziddrohungen der 33-Jährigen bei der Berner Kantonspolizei gemeldet hatte. Diese informierten daraufhin ihre Aargauer Kollegen.

Badener Stadtpolizisten griffen die Frau in der Altstadt auf und brachten sie auf den Polizeiposten, wo sie ab 22 Uhr befragt wurde. Um 2 Uhr morgens konnte die Bernerin wieder gehen.

Der SVP-Fraktion im Aargauer Grossen Rat reichen die Informationen der Kantonspolizei jedoch nicht. In einer Interpellation, die sie voraussichtlich am Dienstag einreichen wird, fordert sie deshalb vom Regierungsrat Antworten auf 13 Fragen zu den Hintergründen des Polizeieinsatzes.

«Die Öffentlichkeit und das Parlament haben einen Anspruch auf vollständige Information», begründet die Fraktion ihren Vorstoss. Es sei üblich, Fragen zu Polizeieinsätzen zu stellen, sagt SVP-Grossrat Jean-Pierre Gallati. «Das wichtigste Gut ist die persönliche Freiheit, und um sie sorgen wir uns.»

Chronologie: n Chronologie: So entwickelte sich die Affäre um Stadtammann Geri Müller

> 17. August: Die «Schweiz am Sonntag» macht den Polizeieinsatz und Teile des Chat-Protokolls zwischen Geri Müller und der 33-jährigen Gymnasiallehrerin publik.
> 18. August: Der Stadtrat entbindet Müller vorläufig von seinen Aufgaben. Vizeammann Markus Schneider übernimmt die Geschäfte interimistisch.
> 19. August: Geri Müller äussert sich an einer Medienkonferenz zu den Vorwürfen. Er habe zu spät erkannt, dass die Frau «offensichtlich Probleme» habe. Stadtammann bleibe er, sofern das Vertrauen noch da sei. Die bürgerlichen Badener Ortsparteien fordern Müller zum Rücktritt auf.
> 20. August: Die Chat-Partnerin meldet sich zu Wort. Müller habe weitgehend die Wahrheit gesagt, in gewissen Punkten aber auch gelogen.
> 21. August: Der Verdacht kommt auf, dass eine dritte Partei an der Affäre beteiligt gewesen sein könnte. Die Frau sagt im «Tages-Anzeiger», dass sie gedrängt worden sei, das Material weiterzugeben. Geri Müller vermutet eine Beteiligung von Josef Bollag, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde in Baden. Bollag bestätigt zwar, sich mit ihr getroffen zu haben, dementiert aber, eine Rolle bei der Veröffentlichung des Materials gespielt zu haben.
> 22. August: Es wird bekannt, dass die Frau auch FDP-Stadtrat Roger Huber kontaktierte. Sie habe ihm belastendes Material angeboten. Er habe abgelehnt und Geri Müller darüber informiert.

Ein schlechtes Gefühl habe er, wie schnell in diesem Fall nach der Meldung einer möglichen Selbstgefährdung der polizeiliche Zugriff erfolgt ist. «Lässt sich mit einem Anruf eine unliebsame Person aus dem Verkehr ziehen?», fragt Gallati.

Unklar sei für ihn zudem, ob der Zugriff auch dann so schnell erfolgen würde, wenn nicht ein bekannter Politiker, sondern eine unbekannte Person die Suizidgefährdung melden würde.

Die SVP-Fraktion interessiert sich insbesondere auch für das Mobiltelefon der Frau: «Sind Beschlagnahmungen von Natels zulässig, obwohl sie nicht als Instrument für eine Selbstgefährdung geeignet sind?», lautet eine der Fragen.

In den Medien gibt Geri Müllers Chat-Partnerin an, dass sie am Tag darauf im Badener Kantonsspital, wo sie nach einem Zusammenbruch in der Nacht gelandet war, von Polizisten besucht worden sei. Diese hätten versucht, ihr Handy zu beschlagnahmen. Die SVP will nun vom Regierungsrat wissen, ob diese Informationen richtig sind.

Rund vier Stunden sollen die Abklärungen auf dem Polizeiposten gedauert haben. Warum die Frau erst so spät entlassen wurde, obwohl sie nicht suizidal gefährdet war, soll der Regierungsrat nun ebenfalls im Auftrag der SVP klären.