Suizid

Selbstmörder halten per SMS immer häufiger die Polizei auf Trab

Immer mehr Menschen schicken einene Hilferuf per SMS. (Symbolbild)

Immer mehr Menschen schicken einene Hilferuf per SMS. (Symbolbild)

Mehrmals pro Woche muss die Aargauer Polizei Patrouillen losschicken, um mögliche Selbstmörder von ihrem Tun abzuhalten. Diese melden sich immer häufiger per SMS und halten die Polizei auf Trab. Ob Ernst oder nicht: Die Polizei verfolgt jeden Fall.

Die Digitalisierung macht auch vor dem Tod keinen Halt. Besonders zu spüren bekommt das die Aargauer Kantonspolizei. «Mehrmals pro Woche bekommen wir Meldungen von Angehörigen, die Angst um Familienmitglieder oder Freunde haben», sagt Polizeisprecher Roland Pfister.

Per SMS schicken die Verzweifelten ihren Angehörigen Nachrichten wie: «Ich kann nicht mehr...» oder «Das leben macht keinen Sinn mehr ohne dich.»

Monatlich bearbeitet die Kapo 30 bis 40 Fälle von Selbstmord-Ankündigungen. 15 Davon sind wirklich ernst. Die andere Hälfte sind Missverständnisse. Nachrichten die aus Wut, Verzweiflung oder Trauer geschrieben wurden und die der Empfänger falsch interpretiert hat.

Polizei sucht den Kontakt

Doch es sind gerade solche Vorwarnungen, mit denen die Angehörigen sich bei der Polizei melden und um Hilfe bitten. Dann muss alles schnell gehen. Der Inhalt der Nachricht wir auf ihren Ernst überprüft und eingeschätzt.

«Wir versuchen die gefährdete Person zu kontaktieren, um herauszufinden ob der Hilferuf wirklich ernst gemeint ist», sagt Pfister. Auch die Polizei verschickt SMSen. Man solle sie bitte dringend zurückrufen. «Den Grund nennen wir aber nicht», sagt Pfister.

Gleichzeitig werden die zuständigen Stadt- und Regionalpolizeien verständigt. Und mit Hilfe von Angehörigen erstellt die Polizei eine Pesonenbeschreibung.

Aufwendige Suchaktion

Häufig sind wirklich gefährdete Personen jedoch nicht erreichbar. «Dann versuchen wir das Natel des Betroffenen zu orten und schicken eine Patrouille los», erklärt Pfister.

Das ist allerdings nicht immer so einfach. Es gibt Fälle in denen das Handy irgendwo im Wald geortet wird. «Dann schicken wir auch schon mal mehrere Patrouillen oder sogar einen Helikopter los», sagt Pfister. Zum Helikoptereinsatz wegen einer solchen Suchaktion kommt es allerdings nur ein Mal pro Jahr.

Wirklich schwierig wird es, wenn der Betroffene sein Handy ausgeschaltet hat. Erste Anlaufstelle ist in diesen Fällen das Zuhause.

Falscher Alarm

Weil es sich bei solchen Meldungen nicht um eine Straftat handelt, führt die Polizei keine Statistiken. «Wir beobachten aber, dass sich solche Fälle in den letzten Jahren gehäuft haben», so Pfister.

Digitale Missverständnisse

Zum Glück aber auch zum Ärger handelt es sich in vielen Fällen um Fehlalarme. «Das hab ich doch gar nicht so gemeint. Ich war einfach wütend» sind häufige Antworten, wenn sich etwa ein Paar gerade getrennt hat und der eine der beiden versucht, den anderen auf ungeschickte Weise zurückzugewinnen.

Gerade bei jungen Leuten scheint die Angstmache per SMS und Social Media immer beliebter zu werden, beobachtet die Kapo.

Für die Polizei sind diese Meldungen meist mit hohem Ressourcen-Aufwand verbunden. Weil kein Auftrag vorliegt muss der Kanton und letztlich der Steuerzahler die Kosten für Abklärungen und Suchaktionen übernehmen.

Einen begrenzten Teil der Notsuche übernimmt zudem das Bundesamt für Umwelt, Energie und Kommunikation (UVEK).

Wenn es ernst gilt

In jenen Fällen, in denen sich die Befürchtungen bestätigen und die Polizei rechtzeitig eingreifen konnte, wird anschliessend der Amtsarzt (früher Bezirksarzt) kontaktiert und abgeklärt, ob für die Person eine fürsorgerische Unterbringung angeordnet werden muss.

Trotzdem betont Roland Pfister, dass sich die Leute besser überlegen sollten, was sie schreiben. «Bei den meisten Fehlalarmen stecken Beziehungs- oder Erziehungsprobleme dahinter. Die Leute schreiben dann zweideutige SMSen ohne zu ahnen, was sie damit auslösen.»

«Wer eine solche Nachricht erhält, sollte am besten die Person anrufen oder bei ihr zuhause vorbei gehen und nachsehen, ob alles in Ordnung ist. Das wäre für alle beteiligten am einfachsten», mahnt Pfister.

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