Wenn die Initiative der Aargauer Ärzte angenommen wird und diese künftig ihren Patientinnen und Patienten auch Medikamente verkaufen dürfen, droht eine Ausdünnung der Apothekenlandschaft im Aargau.

Dies war die Botschaft der Apotheker gestern in Aarau an einer Medienkonferenz zum Abstimmungsauftakt.

Konkret befürchtet Apothekerpräsident Fabian Vaucher «die Schliessung von mindestens 40 Apotheken im Aargau».

Das träfe vorab ländliche und Quartierapotheken. Zum Vergleich: im Aargau gibt es heute 110 Apotheken.

Der Grund für das befürchtete Apothekensterben liegt darin, dass heute 80 Prozent des Umsatzes einer Apotheke durch Arztrezepte definiert würden, wie Initiativkomiteepräsident Ruedi Jost sagte. Wenn der Souverän die Ärzteinitiative gutheissen sollte, befürchten die Apotheker einen massiven Umsatzeinbruch.

Die Apotheker wollen das geltende Selbstdispensationsverbot beibehalten. Demnach müssen Medikamente grundsätzlich in der Apotheke bezogen werden.

In Regionen, wo die nächste Apotheke zu weit entfernt ist, können Ärzte eine Bewilligung für Medikamentenabgabe erhalten.

51 000 Unterschriften gesammelt

Die Apotheker verteidigen diese seit langem geltende und vom Grossen Rat im neuen Gesundheitsgesetz bestätigte «bewährte Regelung».

Um die Ärzteinitiative abzuwehren, haben die Apotheker eine eigene Initiative «Miteinander statt Gegeneinander» lanciert. Sie haben dafür mehr Unterschriften gesammelt als alle Aargauer Initiativkomitees vor ihnen: 51 000. Damit wollen sie die Gesetzesregelung in die Verfassung hieven.

Die Apotheken seien eine niederschwellige Anlaufstelle und eine oftmals tägliche – soziale Drehscheibe, macht Vaucher weiter geltend.

Geschätzt werde das gerade auch von Familien und Müttern, die hier keine langen Wartezeiten haben, und von Migranten, die mit unserem Gesundheitssystem wenig vertraut sind.

Ärzte-Initiative: «Fehlanreize»

Die Apotheker kritisieren, bei der Ärzte-Initiative gehe es weniger um die Wahlfreiheit der Patienten als vielmehr jene der Ärzte.

Denn welcher Patient würde sich schon trauen, dem Arzt oder der Ärztin des Vertrauens zu sagen, er wolle die Medikamente lieber in der Apotheke holen? Dass die Ärzte nur verschreiben und nicht verkaufen, findet Vaucher richtig.

Der Verkauf könnte nach seiner Befürchtung für die Ärzte zu finanziellen Fehlanreizen führen. Das Argument, der Medikamentenbezug beim Arzt sei gerade für ältere oder gehbehinderte Menschen bequem, lassen die Apotheker nicht gelten. Sie verweisen auf ihren täglichen Hauslieferdienst.

Jost: Geltende Lösung ist optimal

Auch Ruedi Jost verteidigt die Gewaltentrennung zwischen Arzt und Apotheker. Demnach «stellt der Arzt die Diagnose und legt den Therapieplan fest. Der Apotheker gibt die verschriebenen Medikamente ab und beaufsichtigt mit dem Arzt zusammen die medikamentöse Therapie».

Ernst Kistler aus Brugg, Präsident der Patientenorganisation Schweizerische Vereinigung Pro Chiropraktik, hat eine gute Beziehung zu Arzt und Apotheker, «zwei wichtigen, sympathischen Berufen», wie er an der Medienkonferenz sagte.

Die Ärzte brächten ihn mit ihrer Initiative jetzt in ein Dilemma. Er glaubt: «Die Medikamentenabgabe durch den Arzt ist keine primäre Forderung der Patienten.» Er ist überzeugt, dass die Patienten das heutige System schätzen.