Noch muss sich Samuel an die Ruhe auf dem Land gewöhnen. Vor eineinhalb Jahren war er via Mittelmeer, Chiasso und Basel ins Aarauer Torfeld gekommen, zuletzt wohnte er in Tegerfelden mit acht Landsleuten und einer Nasszelle für alle.

Antworten gibt er manchmal in Deutsch, manchmal in Englisch – in jener Sprache, in der er sie gerade schneller findet. Er sagt: «I’m feeling very well here» – es gehe ihm sehr gut hier. Hier heisst: Im alten Postgebäude in Möriken, das heute das Zuhause der Familie Götschi Wunderli ist – und seit zwei Wochen auch Samuels Zuhause.

Samuel, 26, erzählt gern, wenn man ihn fragt. Es ist Mittwochnachmittag, am Morgen war er in der Schule in Baden, jeden Tag drei Stunden. Jetzt hat er frei und freut sich, az-Reportern über die Integration von Eritreern im Kanton Aargau zu erzählen.

Auf dem Stubenboden hat ein Playmobil-Piratenschiff geankert, die zwei Buben der Familie haben am Mittwochnachmittag auch frei und wirbeln mit Gschpänli durchs Haus. Mit den Kindern, sagt Samuel, habe er noch nicht so viel geredet: «Sie sprechen Schweizerdeutsch, das ist schwierig für mich.» Sie erinnern ihn an seine Frau und sein eigenes Kind, die er in Afrika zurücklassen musste, die nach Äthiopien geflüchtet sind.

Nicht zum ersten Mal hat die Familie einen Flüchtling einquartiert, zuvor hatte ein Afghane ein halbes Jahr bei ihnen gewohnt. «Das war eine gute Erfahrung», sagt Mutter Rahel Wunderli.

Als das Zimmer frei wurde, weil der Afghane Lehrstelle und Wohnung in Aarau fand, hörte Samuel davon und fragte, ob sie ihn aufnähmen. Rahel Wunderli lernte Samuel als Veranstaltungsleiterin im «Projekt BBB» (Asyl mit Bildung, Begegnung, Beschäftigung) des Netzwerks Asyl Aargau kennen; für Vater Jan Götschi, Jugendarbeiter in Suhr, ist Integrationsarbeit ebenfalls Alltag.

Priorität hat für Samuel jetzt, Deutsch zu lernen. In Eritrea arbeitete er als Metalldrechsler. Er hoffe, hier eine Stelle zu finden, um nicht von der Sozialhilfe abhängig zu bleiben. Das sei sehr wichtig für die Integration. Dass er das wolle, sei seine Wahl. Er kenne Eritreer, die das nicht wollten, die mit der Sozialhilfe zufrieden seien: «Das ist deren Wahl. Aber keine gute.»